Meinungsverschiedenheiten zu Hause: Viele in der Familie stimmen Khamenei nicht zu, sagt sein Neffe
Quelle (Englisch): http://homylafayette.blogspot.com/2009/09/dissent-at-home-many-within-our-family.html
Übersetzung: Julia
Mittwoch, 9. September 2009
Mahin Gorji von Radia Farda sprach mit Mahmoud Tehrani, dem Neffen des Obersten Führers, der in Paris lebt. Tehrani ist der Sohn von Khameneis Schwester. Radio Farda ist der persische Sender von Radio Free Europe/Radio Liberty mit Sitz in Prag und finanziert vom US-Amerikanischen Kongress.
Mahmoud Tehrani:
Traurigerweise glaubten viele Iraner bis vor Kurzem, dass dieses Regime reformierbar ist... und dass dies durch Worte und Politik erreicht werden kann. Aber die Wahlen und Ahmadinejads Aufstieg an die Macht haben klar gemacht, dass diese Leute nicht durch zivile und rechtmäßige Worte reformiert werden können, oder durch Politik.
Auf diese Weise haben sich die Positionen etwas radikalisiert, und die Opposition ist energischer geworden. Diese Herren (Anm.: aghayoun/Herren/"Gentlemen" ist ein im Iran weit verbreiteter Ausdruck für Insider des Regimes) hätten vor einigen Jahren den konservativen Flügel noch nicht [in dieser Weise] konfrontiert. Nach den Wahlen aber, als es offenkundig wurde, dass sie nicht einmal daran denken, das Amt des Präsidenten jemand anderem zu überlassen und dass sie zur Wahrung der Präsidentschaft auch zu Gewaltanwendung bereit sind, sind die Positionen etwas radikaler geworden.
Es gibt sogar Neuigkeiten innerhalb meiner Familie... viele in meiner Familie sind mit Ali Khamenei - bezüglich seiner Worte oder der Politik der Islamischen Republik -nicht einer Meinung, haben aber aus Rücksicht [auf ihn] bis zu den Wahlen geschwiegen.
Radio Farda:
Viele Menschen, wie zum Beispiel Mehdi Karroubi, haben sich nach der Wahl um die Wiederherstellung der Rechte der Bürger bemüht, die ihrer Meinung nach verunglimpft wurden. Warum werden wegen solcher friedlicher Aktionen Menschen wie Herr [Alireza] Beheshti (Anm. Chef der Kommission zur Untersuchung der Todesfälle und Misshandlungen an Protestteilnehmern, wurde gestern verhaftet) oder Herr [Morteza] Alviri (Anm. Chef der Kommission zur Untersuchung des Wahlbetrugs, wurde gestern verhaftet) oder selbst Herr Karroubi [dessen Büro gestern geschlossen wurde], auf so eine Weise behandelt?
Mahmoud Tehrani:
Die Islamische Republik hat immer schon gewaltsame Worte und Taten gegen das Volk und jedwede Opposition eingesetzt. Sie haben vom ersten Tag ihrer Machtübernahme an getötet. Sie betrachten jeden, der nicht wiederholt, was sie sagen oder anderer Meinung ist als sie - seien es Geistliche oder westlich Gekleidete - als mohareb, als gegen Gott. Sie betrachten sich selbst als Gott, so war es von Anfang an. Gewalt ist für diesen Teil der Islamischen Republik nicht zur Gewohnheit, sondern zu einer religiösen Pflicht geworden.
Radio Farda:
Wer zahlt den Preis dafür? Politische Parteien, das Volk, oder letztlich das Regime selbst?
Mahmoud Tehrani:
Jede Veränderung hat ihren Preis. Es scheint, als ob jeder im Moment einen Preis zahlt.
Radio Farda:
In der Vergangenheit hatte Ayatollah Khamenei bei der Lösung politischer Auseinandersetzungen das letzte Wort. Ist Ayatollah Khamenei die Dinge bis jetzt erfolgreich angegangen?
Mahmoud Tehrani:
Ich glaube, mein Onkel Ali Khamenei ist ein Werkzeug von Ahmadinejad, Mesbah Yazdi und den Revolutionsgarden (IRGC). Wenn an ihren Verbrechen nicht ihr mitschuldig ist, so ist er zumindest ihr Werkzeug. Er kann nichts tun. Wenn er einen Schritt zurückweicht, wird seine Führerschaft zerstört und seine Mannschaft zerfallen. Ich glaube nicht einmal, dass er in den letzten Jahren viel Macht hatte. Es ist nicht unmöglich, dass all diese Aktionen vom IRGC gelenkt werden und Ali Khamenei mitmachen muss, um seine Position zu halten. Er wird nichts tun oder sagen. Wir haben seit dem 14. Juni nichts besonderes mehr von ihm gehört. Er hat nur Ahmadinejads Worte wiederholt.
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Mittwoch, 9. September 2009
Freitag, 4. September 2009
Karroubis Sohn über seinen Gerichtstermin
Der Sohn eines iranischen Oppositionsführers spricht über seinen Gerichtstermin
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/Iranian_Reformist_Leaders_Son_Talks_About_Court_Appearance_/1807519.html
Übersetzung: JuliaQuelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/Iranian_Reformist_Leaders_Son_Talks_About_Court_Appearance_/1807519.html

Hossein Karrubi sagt, sein Vater Mehdi Karroubi, ein oppositioneller Präsidentschaftskandidat (oben) habe mit dem Parlament über seine Vermutungen gesprochen, dass oppositionelle Protestteilnehmer in Gefängnissen vergewaltigt wurden.
25. August 2009
Der Sohn des reformorientierten Geistlichen und früheren Parlamentssprechers Mehdi Karroubi berichtet, er sei am 25 August wegen sicherheitsbezogenen Anzeigen und Interviews mit persischsprachigen Medien im Ausland ins Gericht bestellt worden.
Das Interview mit Hossein Karroubi führte Roya Karimi von "Radio Farda", das zu Radio Free Europe/Radio Liberty gehört.
RFE/RL: Herr Karroubi, können Sie uns sagen, was heute im Gericht passiert ist?
Hossein Karroubi: Bei der heutigen Anhörung wurden mehrere Anzeigen gegen mich vorgebracht, darunter Propaganda gegen das Establishment, Verbreitung von Prostitution, Agitation der öffentlichen Meinung, versuchte Unterstützung von Aufständischen, und so weiter.
Ich sagte dazu, dass die Jugend des Landes ihr Blut auf den Straßen vergossen hat und junge Häftlinge in Gefängnissen auf die schlimmstmögliche Weise ermordet worden sind. Wir sprachen darüber, was dies für die Gesundheit [des Staates bedeutet. Nachdem ich eine Kaution bezahlt hatte, ließen sie mich gehen.
RFE/RL: Basierten die gegen Sie erhobenen Vorwürfe auf Äußerungen Ihres Vaters Mehdi Karroubi?
Karroubi: Sie erwähnten Teile aus den Briefen und Anmerkungen meines Vaters und fragten, warum ich diese veröffentlicht hätte. Sie sagten weiter, dass [ich] in den Interviews mit BBC Persian und der Deutschen Welle die Äußerungen meines Vaters "bestätigt" hätte. Das ist aber nur ein Vorwand. Das eigentliche Thema wurde von Mehdi Karroubi begonnen. Die Schließung der Zeitung ["Etemaad-e Melli"] hatte nichts mit dem zu tun, was ich gesagt habe. Sie haben Verbindungen hergestellt zwischen der Schließung der Zeitung und meinen Gesprächen mit meinem Vater.
RFE/RL: Waren die Anschuldigungen also grundsätzlich auf das bezogen, was in "Etemaad-e Melli" veröffentlicht wurde, oder auf Ihre Interviews mit ausländischen Medien?
Karroubi: Nein, sie haben mir die Artikel in der Zeitung nicht vorgeworfen. Ihre Anschuldigungen gegen mich bezogen sich auf die Interviews mit ausländischen Medien. Sie haben ein Problem damit und fragten mich, warum ich mit Ausländern [reden würde]. Was erwartet die Regierung, wenn sie die Zeitung einer prominenten Person, wie mein Vater eine ist, schließt? Wenn sie die Zeitung weiter arbeiten lassen würden, dann könnte man vielleicht sagen, dass sie Recht haben.
RFE/RL: Können Sie uns sagen, wie das Treffen zwischen Ihrem Vater und Parlamentsmitgliedern am 24. August verlief?
Karroubi: Mein Vater hat gestern dem Untersuchungskomitee [über] vier [Vergewaltigungs-]fälle in Gefängnissen [berichtet] und sie aufgefordert, mit den vier Opfern zu sprechen und die Fälle zu untersuchen. Das Treffen verlief sehr gut. Sowohl die Parlamentarier als auch mein Vater waren zufrieden mit dem Verlauf. Zunächst müssen die vier Fälle untersucht werden, dann wird mein Vater weitere Fälle präsentieren.
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