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Sonntag, 8. November 2009

Brief einer Demonstrantin in Iran: Meine Erlebnisse am 13. Aban

Veröffentlicht auf Persian2english am 7. November 2009
Übersetzung aus dem Persischen: Persian2English
http://persian2english.wordpress.com/2009/11/07/a-letter-from-a-protester-in-iran-my-experience-on-13-aban/
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben


(Anmerkung: Das folgende ist ein Bericht aus erster Hand von einer jungen Demonstrantin und ihren Erlebnissen am 13. Aban. Der Bericht wurde aus dem Persischen ins Englische übersetzt. Danke an Cheyenne für die Übersetzung.)

Gestern war es extrem beängstigend. Es war wie in der Höhle des Löwen! Karroubi hatte angekündigt, dass er um 10:30 am Haft-e Tir sein würde. Ich ging mit einigen Freundinnen los, wir dachten, wir könnten friedlich hinter Karroubi marschieren, wie am Quds-Tag.

Ich kam gegen 9:30 am Haft-e Tir an und sah eine riesige Anzahl von Basijis. Ich habe niemals so viele Basijis gesehen. Es gab auch sehr viel Polizei und Zivilpolizisten mit Schlagstöcken. Ich stieg aus dem Taxi aus, um am Verkehr vorbeizukommen und ging unauffällig durch die Gruppen von Sicherheitskräften, um meine Freundinnen zu treffen.

Unterwegs sah ich, wie mehrere grüngekleidete Leute verhaftet wurden. Ich fand meine Freundinnen, und wir gingen los Richtung Haft-e Tir. Die Cousine meiner Freundin war sehr mutig, sie trug einen grünen Schal und ging lächelnd an den Basijis vorbei! Als die Menschenmenge größer wurde, fingen wir an, unsere Hände zu heben und "Allah-o Akbar" und "Tod dem Diktator" zu rufen. Anfangs reagierte die Polizei nicht. Die Leute baten die Polizei, nicht zuzulassen, dass die Basijis sie schlagen, aber die Polizisten lachten sie aus.

Wir riefen Parolen, und irgendwann kamen die Basijis auf uns zu, um anzugreifen. Wir flüchteten. Es war wirklich schrecklich!

Wir fingen wieder an, Parolen zu rufen, "Die russische Botschaft ist ein Spionennest" und "Tod dem Diktator". Auf einmal griffen die Basijis wieder an, und wir flüchteten wieder. Ich hielt die Hand meiner Freundin Niloofar, als wir von hinten mit einem Schlagstock geschlagen wurden. Ich schrie nur "nicht schlagen!" Einige der Basijis waren wohl ziemlich human und sagten nur, wir sollten verschwinden, also liefen wir weg. Ich wurde von Niloofar getrennt. Ich lief allein weiter, als ein anderer Basij vor mir auftauchte. Ich wusste, dass er mich angreifen wollte, und ich schrie ihn an, er solle mich nicht schlagen. Er trat mir in die Brust. Ich glaube, er konnte Kampfsport. Er schlug mich und rannte weg.

Ich hatte Schmerzen, ich rannte und weinte. Ich lief zu Atefeh (einer anderen Freundin). Ihre mutige Cousine war Richtung Vali-Asr unterwegs, weil sie gehört hatte, dass Moussavi dort sein würde. Atefeh und ich suchten nach Niloofar. Überall, wo wir hinsahen, waren Polizei und Basijis mit Schlagstöcken. Es war klar, dass sie sich absichtlich unter die Menge mischten, um Kämpfe zu provozieren, damit es so aussah, als ob die Demonstranten gewalttätig wären. Es war alles nur Show!

Mitten in der ganzen Gewalt sah ich einen Basij mit einem elektrischen Schlagstock - es war furchteinflößend. Die armen Leute waren total verstreut. Wir riefen "nicht Amerika, nicht Russland, unsere Bewegung kommt vom Volk". Aber die Gewalt war so intensiv, dass die Menschen nicht zusammen bleiben konnten. Ich hatte sehr starke Schmerzen, es machte mich wahnsinnig. Meine mutige Freundin Atefeh sagte immer wieder zu mir "schluck es runter, wir sind hergekommen, um ihre Schläge auszuhalten!" Aber ich konnte es nicht länger aushalten und bat Atefeh, mit mir zu kommen, bevor wir von den Wilden verhaftet werden würden. Aber Atefeh hörte nicht auf mich und wollte dort bleiben. Ich ging allein und unter Schmerzen nach Hause.

Ich machte mir Sorgen um Niloofar, weil ich sie bei dem Angriff aus den Augen verloren hatte. Als ich nach Hause kam, bekam ich einen Anruf von Atefeh. Sie erzählte, dass sie zusammen mit ein paar anderen Leuten angegriffen wurde und sich im Parkhaus eines Wohnhauses in Sicherheit bringen konnte. Sie sagte, dass sie den Polizisten ein paar gute Schläge verpasst hatte! Zwei Stunden später bekam ich einen Anruf von Niloofar. Sie war sicher zu Hause angekommen, und sie erzählte, dass sie an der Teheran-Universität vorbeigekommen war, und drinnen seien alle in Grün gewesen und hätten Parolen gerufen, und die Polizisten hätten vor dem Tor gestanden, hätten aber nichts unternommen.

Zwischen 15 und 16 Uhr rief Atefeh noch einmal an. Sie war endlich zu Hause angekommen, aber das arme Mädchen war ziemlich schlimm geschlagen worden und musste sich in drei verschiedenen privaten Parkhäusern verstecken. Später erfurh ich, dass in ganz Teheran Demonstrationen stattgefunden hatten: Vali-Asr, Enghelab, Taleghan, Ferdosi, Vanak, Arjantin, Seid Khandan. Aber die meiste Gewalt gab es am Haft-e Tir, weil Karroubi dort war. Sogar Karroubi wurde mit Tränengas beschossen und musste die Demonstration bald wieder verlassen.

Das war mein Bericht. Leider konnte ich nicht so aktiv mitmachen. Die Wahrheit ist, dass ich nicht besonders mutig bin. Wenn die Gefahr bestünde, dass ich verhaftet werde, würde ich nicht weitermachen. Es macht mir nichts aus, geschlagen zu werden, aber verhaftet zu werden ist unerträglich.
Es gab nicht nur in Teheran einen Aufstand, auch in Tabriz, Isfahan und sogar in Shiraz!

Freitag, 6. November 2009

Übelkeit - Persian Umpire über seinen persönlichen 13. Aban

Veröffentlicht am 6. November
Autor: P. Umpire
Quelle (Englisch): http://www.persianumpire.com/2009/11/06/nausea/
Deutsche Übersetzung: Julia
Bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post und zum Original angeben


Wegen der nach Demonstrationen üblichen Staus im Internet ein verspäteter Post

Mittwoch, 13. Aban (4. November)

Ein merkwürdiges Gefühl hat heute von mir Besitz ergriffen. Nur einen Meter von mir entfernt wurde ein Mann Ende Fünfzig von mehreren Menschen geschlagen, und ich habe es genossen. Obwohl ich weder den Drang zum Mitmachen verspürte, noch Zeit hatte darüber nachzudenken, verursachte das Vergnügen, das ich beim Anblick des angsterfüllten Gesichts dieses Mannes verspürte, bei mir den Wunsch, seine Angreifer anzufeuern. Ich bin froh, dass ich es nicht getan habe. In der Schlägerei, als er sie anflehte aufzuhören und immer wieder schrie "warum schlagt ihr mich?", dachte ich nur: "du machst wohl Witze". Der Mann war ein Basij.

Ich habe nie zuvor erlebt, dass vor meinen Augen an einem einzigen Tag so viel Gewalt angewendet wurde. Wenn es einen Tag gibt, der mit dem 13. Aban vergleichbar ist, so ist es wohl der 30. Khordad (20. Juni), der Tag, nach dem Khamenei seinen Gangstern grünes Licht für gnadenloses Vorgehen gegen die Iraner gegeben hatte. Der 13. Aban war schlimmer, vielleicht, weil ich länger dabei blieb, oder vielleicht, weil es wirklich schlimmer war. Ich habe auch noch nie zuvor so viele Sicherheitskräfte an einem Ort gesehen. Ich war heute am Haft-e Tir-Platz, in der Karim Khan Avenue, auf dem Vali-Asr-Platz und Umgebung. Tausende von Grünen waren dort, zumeist ohne grüne Symbole, und sie wurden von tausenden Affen empfangen, die sich, wenn man sie mit dem Etikett Homo versehen würde, höchstens bis zum Erectus qualifizieren würden.

Die Affenmacht hatte nur eins im Sinn: Jede Menschenansammlung zu verhindern. Ihre Strategie: wahllose Gewalt. Gegen 10:30 Uhr kamen wir auf dem Weg zum Vali-Asr-Platz an der Metrostation Beheshti vorbei. Eine Gruppe von Spezialeinheiten der Revolutionsgarden, in Tarnanzügen und Schlagstöcke schwingend, stürmten plötzlich das Tor der Station, so dass die Leute, die gerade herauskamen, ängstlich wieder ins Innere flohen. Sieben oder acht Sicherheitsleute rannten hinein, die anderen verschlossen die Tore hinter ihnen und versperrten sie. Danach hörte man nur noch Schreie und dumpfe Schläge.

Wir haben bei den Demonstrationen etwas gelernt. Wenn die Affen angreifen, sollte man auf keinen Fall rennen, sondern auf dem Gehweg nah an den Schaufenstern bleiben und weiter gehen, oder einfach an einer Wand stehen bleiben. Normalerweise laufen sie dann an dir vorbei, hinter denen her, die rennen. Heute jedoch fuhren die Affen mit Motorrädern auf den Gehwegen, hielten ihre Schlagstöcke an die Wände und gaben Gas. Wenn sie keine Motorräder hatten, liefen sie einfach durch und schwangen ihre Knüppel, Stöcke oder Ketten. Es spielte keine Rolle, wen oder was sie damit trafen.

Ich werde hier nicht minutiös über den Tag berichten. Es war überwiegend eine pausenlose Abfolge heftiger Schläge, Blutergüsse und Blut, von der ich schnappschussartige Eindrücke behalten habe. Ich erinnere mich auch, einige Male Schüsse gehört zu haben. Auch mit Verhaftungen schien man wahllos zu sein. Wir sahen Basijis, die sich willkürlich junge Leute herausgriffen, sie auf die Knie zwangen, ihnen Handschellen und Augenbinden anlegten und sie dann fortbrachten.

Auf der Vali-Asr-Straße nördlich des Platzes beschimpfte ein Polizist laut einen alten Mann, weil er sich bei der Demonstration gezeigt hatte. Ein junger Mann ging zu dem Polizisten und gab ihm eine Blume, woraufhin der Polizist ihn schlug und auf den Gehweg warf. Der Junge rappelte sich auf und ging.

In den Schlägereien sahen wir auch Sicherheitskräfte und Basijis, die geschlagen oder von Steinen getroffen wurden. In der Karim-Khan-Straße nahe dem Vali-Asr-Platz jagte ein achtzehn- oder neunzehnjähriger Basij auf der Straße neben dem Gehweg einem Mann hinterher, wobei er einen Gummigurt schwang. Der Mann war kräftig, und der Basij war klein, pausbäckig, mit nur einem Anflug eines sprießenden Bartes. Zum ersten Mal konnte ich sehen, wie eine Technik angewandt wurde, über die ich schon gelesen hatte, die aber schwer umzusetzen ist. Mitten im Lauf stoppte der Mann unvermittelt auf der Stelle, drehte sich um, griff sich den verdutzten Basij und warf ihn gegen ein Auto. Der Basij brauchte ein paar Sekunden, um wieder aufzustehen. Als er sah, dass einige Leute sich auf ihn stürzen wollten, rannte er weg, aber sie erwischten ihn und begannen, ihn zu verprügeln. In diesem Augenblick tauchte ein Basij, etwa Mitte Fünfzig, mit kurzen weißen Haaren - der, den ich eingangs erwähnte - hinter einem Bus auf und lief in Richtung des Handgemenges, ebenfalls mit einem Gummigurt in der Hand, und versuchte, die Leute zu vertreiben und den anderen Basij zu befreien. Weitere Menschen tauchten auf und griffen ihn an. Er fiel einen Meter vor mir zu Boden und bekam Tritte und Faustschläge verpasst. In diesem Moment stieß eine Gruppe Basijis dazu, sie umringten die anderen beiden Affen und schleiften sie fort.

Später, am Haft-e Tir-Platz, sahen wir einen Basij - wieder einen älteren Mann - der seinen Kopf hielt und stark blutete. Ein anderer stützte ihn und half ihm über den Platz bis zu ihrem Lager.

Die Demonstration erreichte zu keinem Zeipunkt das Ausmaß und die Konzentration vom Quds-Tag. Es war gar nicht möglich. Alle flohen vor den Sicherheitskräften, gruppierten sich in den Seitenstraßen neu, oder erholten sich vom Tränengas und den Schlägen. Die größte Gruppe, die ich sah, marschierte auf der Karim-Khan-Straße und skandierte Parolen gegen die Regierung. Es waren höchstens 2oo oder 300 Leute. Von Zeit zu Zeit tauchten regierungstreue Demonstranten mit Lautsprechern und Parolen auf. Die größte dieser Gruppen bestand aus einigen hundert Leuten. Ich erinnere mich noch an eine ihrer neuen Parolen "Tod dem samtenen Dikator". Was auch immer das bedeutet.

Bevor ich gehe und zusammenbreche - ich bin nämlich völlig erschlagen, schmutzig und müde - möchte ich den 13. Aban mit Rafsanjanis Super-Duper-Plan verknüpfen. Seit seiner Entstehung und der vermeintlichen Entspannung zwischen Rafsanjani und Khamenei ist dieser Plan von vielen im Iran als trügerische Hoffnung und als Trick des Obersten Führers angesehen worden, mit dem er Zeit schinden und möglichst viel Ablenkung erreichen wollte. Der 13. Aban war ein weiteres gebrochenes Versprechen, eine weitere Kehrtwende, ein weiterer verlöschender Hoffnungsschimmer. Wir stehen einem Regime gegenüber, in dem es für Reformen in der Praxis keinen Ansprechpartner gibt. Weder die Führungsfiguren der grünen Bewegung, noch Rafsanjani, noch die Marjas (hohen Geistlichen, d. Übers.) haben es geschafft, dem Obersten Führer Zugeständnisse von irgendeiner Bedeutung abzuringen. Immer wieder höre ich: "Was werden sie jetzt sagen? Schon wieder dasselbe?" Der 13. Aban hat uns von den letzten Zweifeln befreit, dass es Khameneis Wille ist, die Opposition vollständig niederzuringen. Viele im Iran sehen in ihm einen Mann, der nicht verhandelt, und als den Täter, dem wir alles, was seit den Wahlen passiert ist, zu verdanken haben.

Die Luft in Teheran heute Nacht ist erfüllt von einem Summen. Es sind wütende Gespräche darüber, Gewalt mit Gewalt zu beantworten. Die Menschen verlieren die Geduld, und ich höre, wie man in die Sprache der Gegner verfällt. Ob das für uns ein gangbarer Weg ist oder nicht, wird die Zukunft zeigen, aber wir haben 1979 vor Augen. Wenn man uns die Hoffnung nimmt, wird es nicht lange dauern, bis Reformen einer gründlichen Instandsetzung weichen. Im Moment fragen sich viele, ob die Reformen in einer Sackgasse angekommen sind. Das Wort "Versöhnung" klingt mittlerweile seltsam. Vielleicht ist es lediglich eine Reaktion auf einen Tag voller Brutalität in den Straßen, oder eine existenzielle Phase, die nach sechs Monaten des sich-im-Kreis-Drehens unvermeidbar ist. Eines jedoch ist klar. Ganz am Anfang forderte die Bewegung die Rückgabe ihrer Stimmen. Heute treten sie für eine "Iranische Republik" den Führer mit Füßen. Vielleicht schafft er es, die Opposition zu vernichten, aber möge jemand seine Seele retten, wenn ihm das nicht gelingt.

Freitag, 30. Oktober 2009

Nicht nur Teheran - ganz Iran wird grün

Veröffentlicht auf Radio Free Liberty / Radio Free Europe - "Persian Letters"
29. Oktober 2009
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/archive/Persian_Letters/latest/2098/2098.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben


Blogger Alefba (Alphabet) sagt, die Opposition gegen Mahmoud Ahmadinejad, insbesondere die Studenten, müssten die Gelegenheit der offiziellen Demonstration am 4. November für Proteste gegen den iranischen Präsidenten nutzen. Der Tag markiert den Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft nach der Revolution von 1979:

Nicht nur Teheran - ganz Iran soll am 13. Aban (4. November) grün werden. Wir haben eine Gelegenheit, ähnlich wie die am Quds-Tag (Jerusalem-Tag). Ich kann mich noch erinnern, wie schwierig sich der Quds-Tag für die Regierung und ihre Mitarbeiter gestaltete.

Ich weiß, dass Ayatollah Khamenei und Mahmoud Ahmadinejad mitsamt ihren Anhängern eine unruhige Nacht hatten. Und genau so schwierig werden die nächsten Nächte bis zum 13. Aban für sie sein - sogar noch schwieriger, denn die Studentenorganisationen haben ganz offen beschlossen, in den Universitäten gegen die Ungerechtigkeit der Regierung zu protestieren.

In diesem Jahr werden die Studenten am 13. Aban die Farbe Grün in die Universitäten des Landes tragen und die Finsternis der Vergangenheit vertreiben. Sie werden unter Beweis stellen, dass die Studenten das wertvollste Gut des Landes sind. Dieser Teil der Gesellschaft wird seine Stärke zeigen, auf dass kein Diktator es wagt, sich ihnen entgegen zu stellen.

Große Tage kommen auf uns zu... mehrere wie der Quds-Tag und der 13. Aban, wenn es auch nicht viele sind... diese Tage müssen bestmöglich genutzt werden... die studentischen Kampagnen in den jeweiligen Universiäten müssen jetzt, wo der große Tag naht, ihren Höhepunkt erreichen. Wir müssen die Zeit nutzen und mehr und mehr Menschen zu diesen massiven Protesten einladen.

Dies ist keine normale Demonstration. Sie könnte unser Schicksal bestimmen. Darum sollten alle Universitäten des Landes sich beteiligen. Alle Universitäten überall im Land müssen an diesem Tag grün werden. Es ist Zeit für alle iranischen Städte, die Farbe Grün zu zeigen; Grün in den Großstädten ist mehr als genug [evtl. ist gemeint " nicht länger ausreichend", d. Übers.]. Die Zeit ist reif, um die Parole "Tod dem Diktator" überall in Iran zu hören.

Wir, die Studenten aus der Provinz, werden unsere Mitstudenten in Teheran nicht im Stich lassen. Auch wir werden grün zeigen und Parolen für die Freiheit rufen. Auch wir werden Verantwortung für dieses Ereignis übernehmen. Wir alle, alle iranischen Studenten, wo auch immer wir sind, werden Iran, die Gefangene der Putschregierung, grün machen.

Wir werden dazu beitragen, unser Land von der Diktatur zu befreien - durch Intellekt und Hoffnung. Wir werden Iran neu aufbauen, wir werden einen grünen Kalender schaffen. Lang lebe das iranische Volk!

Mittwoch, 28. Oktober 2009

"Banknoten-Parolen" verwirren Putschisten

Veröffentlicht bei Rooz Online am 28. Oktober 2009
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2009/october/28//coup-agents-confused-by-bill-writing.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

Von Samnak Aghaei

In den letzten Wochen ist das innovative Phänomen des Beschriften von Geldscheinen mit Parolen, begleitet von intensivierten Sicherheitsmaßnahmen gegen die Opposition, explosionsartig angewachsen.

Diese von Anhängern der Grünen Bewegung einen Monat nach der Wahl eingeführte Methode des Volkswiderstandes besteht bis heute fort und veranlasste die Regierung gestern zu nochmaligem Handeln.


Gestern sagte der Direktor der iranischen Zentralbank in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ILNA, es sei ein "Verbrechen", Parolen auf Banknoten zu schreiben. Er fügte hinzu: "Leute, die Parolen auf Geldscheine schreiben, verschwenden den Reichtum der Nation und nationale Ressourcen." In dem kurzen Interview mit ILNA versuchte Mahmoud Bahmani, das Problem herunterzuspielen, drohte aber: "Jeder, der einen Geldschein kennzeichnet, und sei es nur durch eine Linie, begeht ein Verbrechen."

Der Zentralbankchef wich der Frage aus, ob die Zentralbank plane, die Parolen-Scheine zu auszutauschen und erwiderte lediglich: "Es wurde noch keine Entscheidung getroffen, wir müssen dazu eine Vorgehensweise erlassen."

In den letzten Wochen war das Thema zu einem großen Problem für die Putschisten und ihr Vorgehen gegen die Grüne Bewegung geworden, da die Öffentlichkeit sich der Geldschein-Methode für ihren Widerstand in massiven Ausmaßen bedient.

Zuvor hatten regierungsnahe Persönlichkeiten die entsprechenden Organisationen aufgefordert, die mit "Grünen" Parolen verzierten Geldscheine aus dem Verkehr zu ziehen. Vor zwei Wochen hatte beispielsweise Morteza Talaei vom Kulturausschuss des Teheraner Stadtrats auf die Problematik reagiert, als der Slogan "Jeder Geldschein ein Medium" sich zu einer der wichtigsten Parolen der Grünen Bewegung entwickelte. Er bezeichnete die Parolen auf den Scheinen als "gewisse revolutionsfeindliche Botschaften" und forderte von der Zentralbank, die Öffentlichkeit aufzurufen, Geldscheine mit Parolen der Grünen Bewegung nicht mehr anzunehmen, bis sie sie aus dem Verkehr ziehen könne.
(Anm. d. Übers. siehe dazu auch http://lilalinda-juliasblog.blogspot.com/2009/10/banknoten-mit-oppositionsparolen-werden.html)

Finanz- und Bankenexperten halten die jüngsten Vorschläge der Regierungsanhänger über eine Einziehung der Geldscheine oder die Kriminalisierung des Beschreibens der Banknoten mit Parolen für vollkommen unpraktikabel. Diese Reaktionen zeigten lediglich, wie verwirrt die 10. Regierung auf die innovativen Widerstandsmethoden der Grünen Bewegung reagiere.

Die Vorschläge kommen zu einer Zeit, da die Ahmadinejad-Anhänger versuchen, den Erfolg der Regierung bei der Unterdrückung des Volkswiderstandes gegen die Präsidentschaftswahl herauszustellen - ein Versuch, der bislang angesichts der wachsenden Proteste und der innovativen Methoden der Regierungsgegner als erfolglos eingestuft werden muss.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Interview mit Shiva Nazar Ahari über ihre Haft nach den Wahlen

Quelle (Persisch): http://www.schrr.net/spip.php?article6350
Übersetzung ins Englische: persian2english
Quelle (Englisch): http://wp.me/pDjBz-c3
Deutsche Übersetzung: Julia
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Interview mit Shiva Nazar Ahari über ihre Haft nach der Wahl
Von: Mojtabab Sami Nejad


"Öffentlicher Druck kann die Freilassung von politischen Gefangenen bewirken"

Die Menschenrechtsaktivistin und Frauenrechtsverteidigerin Shiva Nazar Ahaari ist eine der Studentinnen, gegen die ein Studienverbot erlassen wurde. Sie wurde am 14. Juni verhaftet, ganz am Anfang der Verhaftungswelle gegen politische und soziale Aktivisten nach der Präsidentschaftswahl. Ahaari verbrachte 120 Tag in Evin, davon 30 in Einzelhaft. Es folgt ein Interview mit ihr über ihre Verhaftung und die generellen Bedingungen für Gefangene in Evin.

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Wie sind Sie verhaftet worden?

Es war gegen Mittag am 14. Juni. Ich war an meiner Arbeitsstelle, als ein Untersuchungsbeamter des Geheimdienstministeriums anrief und mir mitteilte, ich solle nach unten kommen. Als ich fragte, wie lange es dauern würde, antwortete er, ich sollte mich verabschieden (vermutlich von meinen Kollegen).

Sie hatten schon am frühen Morgen versucht, mich zu Hause zu verhaften, aber da ich nicht zu Hause war, hatten sie damit keinen Erfolg. Auf meinem Weg zur Arbeit wusste ich, dass ich verhaftet werden würde, aber ich wollte nicht davonlaufen. Als sie bei mir zu Hause waren, nahmen sie mein Harddrive, 30 CDs, einige Blätter Papier aus Kampagnen mit Unterschriften, ein paar Broschüren über Straßenkinder, und andere derartige Ding mit.

Ich packte meine Sachen und wartete vor dem Büro. Einige Minuten später kamen sie. Bevor ich ins Auto stieg, wollte ich ihren Haftbefehl sehen. Sie zeigten mir eine Kopie, auf der zu lesen war "Da einige Personen seit den Wahlen Chaos und Unruhe verbreiten wollen, wird darum gebeten, zügig zu handeln und die Organisatoren und Kollaborateure zu identifizieren."

Das erschien mir ziemlich seltsam. Ich fragte: "Was hat das mit mir zu tun?" Sie erklärten, es handle sich um einen allgemeinen Vollstreckungsbefehl. Dann brachten sie mich zum Auto.

Wohin brachte man Sie nach Ihrer Verhaftung?

Wegen eines Missverständnisses wurde ich in eines der Gebäude des Geheimdienstministeriums an der Vali Asr-Kreuzung gebracht. Je mehr Zeit verging, desto mehr Verhaftete wurden gebracht. Ich wurde dort bis 5:30 Uhr morgens festgehalten. Wir wurden nicht gut behandelt dort.

Von Anfang an haben die Beamten uns mit Schimpfworten bedacht. Weil ich mich im Auto weigerte, den Kopf unten zu halten, wurde ich mit einem Stock geschlagen. Das taten sie, um mir zu verstehen zu geben, dass meine Situation jetzt eine andere war. Ich wurde nach Evin in Abteilung 209 gebracht.

Nach den Wahlen am 12. Juni wurden viele Aktivisten wegen der unterschiedlichsten Anschuldigungen verhaftet. Eine Anklage hatten sie aber alle gemeinsam: Die Unruhen nach der Wahl. Wessen hat man sie beschuldigt?

Ich wurde am 15. Juni darüber informiert, dass mir Bedrohung der nationalen Sicherheit durch Zugehörigkeit zu den iranischen Volksmujaheddin und durch Organisation von Massendemonstrationen - oder, wie sie es nannten, Unruhen - vorgeworfen wird.
Was davon tatsächlich auf mich und meine Arbeit zutrifft, ist eine Frage, die sie mir noch beantworten müssen. Offenbar waren solche Anschuldigungen zu der Zeit aber üblich und wurden gegen die meisten erhoben. Damals fand ich auch heraus, dass jeder in ihren Augen mit den Mujaheddin zu tun hat, solange das Gegenteil nicht bewiesen ist. Der Gedanke, dass ich nichts mit den Mujaheddin zu tun haben könnte, geht über ihr Begriffsvermögen.

Während der Verhöre kamen noch andere Vorwürfe hinzu, wie zum Beispiel, dass ich gegen die nationale Sicherheit aktiv war, indem ich Mitglied in illegalen Gruppierungen war, ausländischen Medien Interviews gab, oder durch Organisation von und Teilnahme an Massendemonstrationen.

Wie waren die Verhöre in diesen 102 Tagen?

Ich hatte während meiner Zeit im Gefängnis 14 Verhörsitzungen, was im Vergleich zu der langen Zeit, die ich dort war, wenig erscheint. Wenn entscheiden müsste, was die schlimmste Folter war, so würde ich sagen, dass es die Unsicherheit war. Sie lassen einen 20 Tage lang ohne Verhör in Einzelhaft, ohne Nachrichten, ohne das Recht, die Familie zu kontaktieren oder zu sehen. Ich habe sehen können, dass diese Unsicherheit vielen der Gefangenen sehr zugesetzt hat. Diejenigen, die noch nie Einzelhaft erlebt haben, leiden unglaublich darunter (bezogen auf das psychologische Leiden)

Wie ging es den anderen Insassen? Überhaupt, wie war die allgemeine Atmosphäre im Gefängnis und während der Verhöre?

Anders als viele glauben, sogar anders als wir dachten, die wir mit Fällen politischer Gefangener zu tun hatten, werden populäre und bekannte Personen in Abteilung 209 nicht geschlagen oder körperlich misshandelt. Dieses Mal jedoch war die Situation eine völlig andere. Körperliche Folter, Missbrauch, Degradierung von Häftlingen sowie schwere Schläge waren bei den männlichen Gefangenen verbreitet. Sogar weibliche Häftlinge wurden gelegentlich geohrfeigt ("slap"), um sie zu demütigen.

Eine Art der Folter ist die Einzelhaft. Die Einzelhaft und die fehlenden Nachrichten aus der Außenwelt beraubt einen Menschen jeglicher Kritikfähigkeit. Ich bin froh, dass sie dieses Mal aus Platzmangel nicht alle Häftlinge in Einzelhaft nehmen konnten, insbesondere die Frauen.

Kein Telefon zu haben, keinen Besuch empfangen zu dürfen und die Probleme bei der Benutzung von sanitären Anlagen vergrößerten den Druck auf die Häftlinge noch. Dazu kamen dann noch das Weinen und die Schreie von Männern und Frauen, das jeden Tag und jede Minute in den Gängen zu hören war.

Wenn ich die Fälle dokumentieren sollte, die dem Gesetz und den bürgerlichen Rechten nach als Folter gelten, müsste ich ein Buch schreiben. Die Fälle, die ich hier erwähnt habe, sind die plastischeren Beispiele, die sowohl physisch als auch psychisch wirkten.

Die Häftlinge wurden in der unerträglichen Sommerhitze in einer Zelle zusammengepfercht. Fünf, manchmal sogar sechs Personen teilten sich eine 10-Meter-Zelle. Lüften (oder Atmen - "ventilation") war da unmöglich.

Aber Mitte Juli erhielten einige der Zellen im Frauentrakt Klimaanlagen. Die Situation war so schrecklich, dass sich sogar das Wachpersonal beschwerte. Es waren so viele verhaftet worden, dass man einfach nicht genug Platz hatte, um sie alle unterzubringen.

Wie war die Situation der anderen Häftlinge, und mit wem waren Sie in einer Zelle?
Den meisten Häftlingen erging es ähnlich. Alle wurden absolut im Ungewissen gelassen. Niemand von uns wusste irgendetwas über das, was draußen vor sich ging, und wenn wir Informationen bekamen, waren diese minimal. Die Verhöre waren immer sehr schwer, obwohl jedem etwas anderes zur Last gelegt wurde.

Ich teilte meine Zelle mit 7 bis 8 Personen. Vier von ihnen standen in Verbindung mit den Unruhen nach der Wahl. Moralische Verhöre wurden aktiv durchgeführt. Sie versuchten, Geständnisse von den Leuten zu bekommen, indem sie ihnen moralische Korruptheit vorwarfen.

Als ich herauskam, stellte ich fest, dass diese Szenarien auch draußen üblich waren. Als ob die, die in den Kampagnen mitgearbeitet hatten, eigentlich etwas anderes beabsichtigt hätten. Das ist mir persönlich zwar nicht passiert, aber ich weiß von vielen Gefangenen, die damit unter Druck gesetzt wurden.

Die meisten meiner Zellengenossinen wurden im Verlauf meiner Haft entlassen, bis auf zwei.
Interessant ist, dass eine davon am 40. Todestag der nach den Wahlen ums Leben gekommenen Toten verhaftet wurde. Diese Person befindet sich noch immer in Abteilung 209. Kobra Zareh Doost wurde zusammen mit ihrem Mann verhaftet. Seine psychische Verfassung war extrem schlecht. In ähnlich gelagerten Fällen behalten sie einen Gefangenen einige Wochen und entlassen ihn gegen Kaution, aber dieses Paar ist seit fast 80 Tagen im Gefängnis, und es gibt kein Anzeichen für eine baldige Freilassung. Sie sind nicht politisch aktiv und haben nicht einmal an einer Demonstration teilgenommen. Sie waren lediglich zum Friedhof Behesht-e Zahra gefahren (ein riesiger Friedhof, wo auch die Opfer der Wahlproteste beerdigt wurden).

Sie sind Menschenrechtsaktivistin und verteidigen Gefangene. Werden diese dreieinhalb Monate, die Sie im Gefängnis verbracht haben, Ihre Arbeit beeinflussen? Glauben Sie, dass Sie die Gefangenen und ihre Problem jetzt verstehen?

Die Bedingungen waren mir vertraut. In 2002 und 2004 war ich in den Abteilungen 209 imd 240 gewesen, und ich war sogar in der Vozara-Haftanstalt (für Frauen). Als ich über Einzelhaft sprach, hatte ich eigentlich eine Vorstellung davon. Als ich die Zellen in Abteilung 209 beschrieb, wusste ich, wovon ich rede. Auch wenn ich damals nicht so lange im Gefängnis war, so hatte ich es trotzdem schon erlebt.
Ich glaube nicht, dass es einen großen Unterschied gibt, ich war nur länger dort als vorher. Ich habe die Haft als besondere und ernste Zeit erlebt. Wenn ich sage "besonders", dann meine ich damit, dass die Stimmung im Land sehr einzigartig war, und wir wussten nicht, was am Ende mit uns passieren würde. Die Umstände waren anders als sonst. Manchmal sagte ich mir, dass wir vielleicht dazu bestimmt waren, geopfert zu werden.

Während Sie im Gefängnis waren, hat sich im Iran einiges ereignet - Massendemonstrationen und Tote auf den Straßen. Hatten Sie Zugang zu diesen Informationen? Und wenn Sie gerade erst davon erfahren haben - was denken Sie darüber?

Bis zu dem Tag, an dem ich in Einzelhaft kam, hatte ich kein klares Bild der Ereignisse. Ich habe sogar gedacht, dass nach den ersten Tagen alles vorbei war. Aber zuweilen habe ich in meinen Telefongesprächen herausgehört, dass es immer noch Demonstrationen gab. Nachdem ich in eine Gemeinschaftszelle verlegt worden war, gab es dort Leute, die Wochen nach mir verhaftet worden waren. Ich erfuhr von ihnen, dass Millionen auf die Straßen gegangen waren. Um ehrlich zu sein, fiel es mir schwer, mir das vorzustellen. Aber dann merkte ich, dass es außen Aktivitäten gab. Später durften wir fernsehen, und wir konnten die Nachrichten sehen und analysieren.

Wenn ich heute die Filme und Bilder dieser Tage sehe, dann weiß ich, dass das, was außerhalb des Gefängnisses passierte, viel größer war als ich mir hatte vorstellen können, und ich kann die Gewalt noch immer nicht begreifen. Die Bilder, die Fotos, und die Toten haben mich wirklich aufgewühlt. Andererseits - wenn die Menschen nicht auf die Straße gegangen wären, hätte die Gefangenen ein anderes Schicksal erwartet.

Wie beurteilen Sie Ihren Fall? Was wird jetzt passieren?

Ich kann über meinen Fall nichts mit Sicherheit sagen. Nehmen wir an, dass man auf gesetzlicher Basis über unsere Fälle entscheidet, dann müssten wir für unsere grundlose Verhaftung entschädigt werden, und man müsste uns erklären, was passiert ist. Ich kann nichts mit Sicherheit sagen, aber ich weiß, dass ich vom gesetzlichen Standpunkt betrachtet freigesprochen werden müsste.
Ich denke, alles hängt von der Situation in der Gesellschaft ab. Der öffentliche Druck wird dazu führen, dass die politischen Gefangenen freikommen. So, wie es bisher auch gewesen ist.

Montag, 19. Oktober 2009

Erstes Internet-Interview mit Oppositionsführer Mir Hossein Mousavi - 18. Oktober 2009

Englische Übersetzung: homylafayette
Veröffentlicht auf http://homylafayette.blogspot.com/
Quelle (Englisch): http://homylafayette.blogspot.com/2009/10/opposition-leader-mir-hossein-mousavis.html
Deutsche Übersetzung: Julia
Bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben
(Das Video mit dem Interview wurde am 18. Oktober erstmals veröffentlicht)


Interviewer:
Im Namen Gottes, des Gütigsten und Mitfühlendsten.
Es ist schon etwas länger her, dass man Sie das letzte Mal gesehen hat. Das ist der Grund, warum viele Freunde uns ermutigten, die Gelegenheit für ein Interviews mit Ihnen zu ergreifen und diese Lücke zu füllen. Wir danken Ihnen für diese Gelegenheit.
Dieses Interview wird im Internet verbreitet werden, und weil dieses Medium uns gewisse technische Beschränkungen auferlegt, werden wir uns auf zwei Fragen beschränken. Wir hoffen, dass wir in Zukunft noch einmal Gelegenheit haben werden, alle Fragen mit Ihnen zu besprechen, die wir von Menschen erhalten, die sich für die Grüne Bewegung interessieren.
In den vergangenen Woche war von nationaler Einheit die Rede. Worum geht es dabei? Gab es bestimmte Gespräche? Bitte erzählen Sie den Menschen davon.
(Erläuterung: in den letzten Wochen hatte es Gerüchte über "Hinterzimmer-Politik" zur Lösung der Krise durch eine Art Rahmenabkommen verschiedener politischer Fraktionen gegeben)

Mir Hossein Mousavi:
Im Namen Gottes, des Gütigsten und Mitfühlendsten. Dies ist mein erstes Internet-Interview. Ich grüße all die guten Menschen, die [jetzt] mein Gesicht sehen. Natürlich sind viele Fotos von mir veröffentlicht worden, was mich stört. Aber ich werde versuchen, mich daran zu gewöhnen. Dieser Anlass ist auch so eine Situation, und ich werde die Gelegenheit beim Schopf ergreifen, um einige Worte zu sagen.
Zu Ihrer Frage: Der Ausdruck [nationale Einheit] ist von den Medien in verschiedenartiger Weise benutzt worden, und man sollte die einzelnen Interpretationen unterscheiden.

In meinen Gesprächen mit den Parlamentsvertretern - Mitglieder der Minderheitsfraktion, mit denen ich mich getroffen habe - sprach ich von nationaler Einheit. Ich meinte damit einen gemeinsamen Willen und ein gemeinsames Gefühl, das während der Wahlen hervorgehoben wurde und auf unserem starken zivilisatorischen Erbe, unseren gemeinsamen nationalen Interessen und einer Zukunftsision des Fortschritts basiert. Die Frage der nationalen Einheit war insbesondere in diesem Rahmen von Bedeutung. Wir haben gesehen, wie sich im Land eine gewisse Leidenschaft entwickelt hat.

Dieses Kapital muss bewahrt und genährt werden, allem zum Trotz, was nach der Wahl passiert ist. Nationale Einheit ist extrem wichtig für uns, sie muss ein Fundament für uns alle sein. Hier gibt es Einheit zwischen allen Lebensweisen ... zwischen der allgemeinen Öffentlichkeit, Intellektuellen, Studenten, verschiedensten ethnischen Gruppen, kulturellen Gruppen...

Die grüne Menschenkette, die kurz vor der Wahl Tajrish mit dem Rah Ahan Square verband, war eines der besten Symbole dafür.

(Anmerkung: Am 6. Juni 2009 hatten Moussavis Anhänger eine Menschenkette gebildet, die sich über fast 20 km durch Teheran zog, von Tajrish im Norden bis zum Rah Ahan Square oder Eisenbahnplatz im Süden). Menschen verschiedenster Coleur beteiligten sich Sie war auch die Basis für die Idee des Grünen Pfads der Hoffung daran, und die Menschenkette ließ unser gesamtes Land erbeben. (Anmerkung: Die Bewegung der Oppositions-Koalition).


Doch der Begriff der nationalen Einheit wurde auch in anderen Kontexten herangezogen. Nach den Problemen und Ereignissen, die das Land ruinierten, haben viele Menschen mit unterschiedlichen Absichten - einige davon durchaus gute - Möglichkeiten erforscht, wie man die Spannungen und die Krise durch Diskussionen zwischen politischen Persönlichkeiten entschärfen kann. Herr Hashemi Rafsanjani (Chef des Expertenrats und der Expertenversammlung) hat einen Plan vorgelegt, dann gab es einen von Ayatollah [Mohammad Reza] Mahdavi Kani initiierten Ideenaustausch
(Anm.: Chef der konservativen streitbaren Kleriker-Vereinigung, nicht zu verwechseln mit der reformorientierten Vereinigung streitbarer Geistlicher)... Viele haben über dieses Thema gesprochen. Ich habe diese Interpretation [der nationalen Einheit] jedoch nicht kommentiert. Angesichts der Debatte und der Gerüchte, die ausgelöst wurden, möchte ich von einer meiner Erinnerungen an den Imam [Ayatollah Rouhollah Khomeini, Gründer der Islamischen Republik] erzählen. Meine Handlungsweise basiert auf einem Punkt dieser Geschichte.

Als die McFarlane-Krise sich anbahnte, wussten viele Menschen nicht, dass McFarlane gerade den Iran besuchte und was geschehen war... seine geheime Reise nach Iran, und alles andere.
(Anmerkung: Robert McFarlane war von 1983 bis 1985 Sicherheitsberater von Präsident Ronald Reagan und spielte eine zentrale Rolle im Iran-Contra-Skandal. 1986 lieferte er als geheimer Gesandter eine Flugzeugladung Waffen an Iran, stornierte aber eine zweite Lieferung, nachdem die Geiseln im Libanon nicht freigelassen wurden. Die libanesische Wochenzeitung Al Shiraa veröffentlichte kurz darauf einen Bericht über die geheimen Iran-Contra-Geschäfte. Mousavi war zu jener Zeit Premierminister.)

Diese Sache wurde zuerst in einer syrischen Zeitung enthüllt. Bei einem Treffen zwischen den Führungen der drei Regierungsgewalten hieß es, dass diese Nachrichten sich auch im Iran verbreiten würden, was angesichts der Sensibilität von Beziehungen und Gesprächen mit den USA eine Krise provozieren werde.
Die Führungspersonen der drei Gewalten - darunter auch ich - suchten den Imam auf. Wir erklärten die Situation, was davon durchgesickert war, wer diese Person sei, ihr Kommen und Gehen, und dass eine libanesische oder syrische Zeitung Details veröffentlicht habe, die irgendwann auch den Iran erreichen würden. Der Imam sagte daraufhin, geht und sagt es den Menschen, sie müssen darüber informiert werden. Als wir aufstanden, sagte er etwas, was mir seither als goldenes und wichtiges Wort in Erinnerung geblieben ist. Er sagte: Tut niemals etwas, was ihr den Menschen nicht erklären könnt.
Das ist mir im Gedächtnis geblieben. Das ist der Grund, warum ich als Mitstreiter dieser Massenbewegung die Menschen [immer] informieren werde und es nichts geben wird, was ich nicht werde rechtfertigen können, wenn es Gespräche oder Treffen zu einem bestimmten Thema gibt.
In Anbetracht der mangelhaften Medienkanäle dieses Landes, die sich auf unseren Grünen Pfad stürzen und ihn bekämpfen, und in Anbetracht der Tatsache, dass wir keine offiziellen Kanäle haben und unsere eigenen und damit auch unsere Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt sind, ist es gut, wenn die Menschen Nachrichten über dieses und andere Themen mit Vorsicht genießen. Sie sollten die Quelle der Nachrichten prüfen, ihre Zugehörigkeit und ihre Absichten. Das wird uns helfen, in einer unseren Werten entsprechenden Atmosphäre mit Umsicht voranzukommen.

Interviewer:
Möchten Sie die Menschen über irgendwelche Kontakte, Treffen oder Gespräche informieren?

Mir Hossein Mousavi:
Nein, es hat keine solchen Gespräche gegeben. Natürlich weiß ich von den Vorschlägen, die Herr Hashemi Rafsanjani beim Freitagsgebet (am 17. Juli) gemacht hat, und auch von den Vorschlägen des Expertenrats an ihn. Und ich kenne durch die Medien auch andere Anmerkungen von Personen wie Ayatollah Mahdavi Kani und anderen, die gute Absichten haben. Aber es gab diesbezüglich keine direkten Kontakte mit mir, keine Korrespondenz, keine offiziellen Treffen.

Interviewer:
In Ihrem 14. Statement sagten Sie, dass unsere politischen und sozialen Errungenschaften Teil unseres Lebens sein müssen, nicht nur unsere Kämpfe, denn Kämpfe haben ein Ende, und wenn das Ende gekommen ist, werden ihre Werte in den Hintergrund treten. Ihr Satz war "Der Grüne Pfad der Hoffnung muss gelebt werden." Dieser Satz regt zum Nachdenken an, aber er könnte manche auch verwirren. Was meinten Sie damit?

Mir Hossein Mousavi:
Wir haben eine große Bewegung begonnen... unsere Nation hat eine große Bewegung begonnen, und wir begleiten sie. Wenn Gott will, werden wir mit den Menschen auf einem gemeinsamen Kurs bleiben. Zu Beginn dieser Ereignisse in unserem Land gab es eine Debatte darüber, wie wir reagieren und weitermachen sollen, um die großen Errungenschaften der Wahl und der Islamischen Revolution zu nutzen und voranzubringen. Die Rede war von einer Partei, einer Front, diversen Gruppen.. ein politischer Kampf. Wir dachten, all dies würde uns nicht dabei helfen, unsere Ziele zu verwirklichen, es passte nicht zu unseren Erfahrungen mit den Wahlen, diesen Erfahrungen, die wir zusammen durchgemacht hatten.
Bei dieser Wahl haben wir verschiedene politische, religiöse, künstlerische, kulturelle Familien gesehen... Menschen, wo auch immer sie waren, haben ihren Beitrag geleistet und sind auf ihre eigene Weise zu einem Teil dieser Bewegung gewoden. Das war eine Veranschaulichung dessen, was wir mit "Jeder Einzelne ist ein Kampagnenmitarbeiter" gemeint haben. Daraus erhält diese Bewegung ihre Stärke, nicht aus einer politischen Partei. Das bedeutet nicht, dass politische Parteien nicht effektiv waren oder sein können - nein, sie haben ihre eigene kritische Bedeutung. Es ist unerlässlich, dass politische Parteien weiterhin ihre Arbeit fortsetzen.
Doch um auf diesem Weg vorwärtszukommen und unsere Ziele - einen entwickelten Iran, in dem die Rechte der Menschen respektiert werden - zu erreichen, haben wir uns nach den Erfahrungen der Wahlen dazu entschlossen, unsere Handlungen auf einem viel breiter angelegten Level anzusiedeln. Und das ist geschehen und wurde bekanntgegeben.

In diesem Kontext ist es nicht wichtig, wie viel und auf welche Weise jede Person der Bewegung hilft. Das Wichtige ist, ein grundsätzliches Ziel und einen grundsätzlichen Willen im ganzen Land zu entwickeln - aus einer Familie heraus, oder auf individueller Ebene, bis hinauf zu den politischen Parteien. Jedem muss es möglich sein, durch seine Handlungen und seine Lebensweise seinen Beitrag zu dieser großen Bewegung zu leisten.
Ich habe immer daran geglaubt, dass jeder rechtschaffene Mensch - eine alte Frau, ein alter Mann, ein Mensch ohne Möglichkeiten des Engagements für solche Aktivitäten... wenn so ein Mensch zu Hause betet, so ist das für uns auch als eine Form des Aktivismus zu sehen, die sich bis in die existierenden Gruppenstrukturen hinein ausdehnen kann.

Heute sehen wir eine außerordentliche Blüte künstlerischer Aktivität, die keinen Bezug zu politischen Parteien hat, aber doch Teil eines erweiterten sozialen Netzwerks ist. Die Bücher, Lieder, Gemälde, Karrikaturen, die in der letzten Zeit entstanden sind, sind so noch nie dagewesen. In Wirklichkeit definieren sie die Stimme dieser großen Welle und führen sie. Kleine Künstlergruppen innerhalb und außerhalb des Landes haben der Bewegung auf diese Weise geholfen. Ebenso haben religiöse Gruppen, Wohlfahrtsorganisationen und andere ihren Beitrag geleistet.
Kampf ist zu einer unaufhaltsamen Lebensweise geworden - er kann nicht aufgehalten werden. Und aus diesem Grund ist die Bewegung verwundbar - eine Bewegung, deren Richtung in einem Klima des Dialogs den Feinschliff erhält. Diesbezüglich sind die Medien unglaublich wichtig, und die Menschen die in den digitalen Medien so hart arbeiten, müssen an dieser Stelle gelobt werden. Unter Bedingungen, in denen wir keine Mittel haben, empfehle ich, solchen Instrumentarien eine größere Aufmerksamkeit beizumessen. Das ist ein Wunder, dessen Zeugen wir während und nach der Wahl geworden sind. In unserer gegenwärtigen Situation müssen wir diese Instrumentarien nutzen. Diese Medien ermöglichen es uns, Menschen miteinander zu verbinden und eine massive, breitangelegte und langlebige Bewegung zu schaffen.

Ein Grund für die Dauerhaftigkeit dieser Bewegung ist, dass sie keiner einzelnen Gruppe zugeordnet ist ["keiner Partei oder politischen Strömung, auch verfolgt sie keine besimmte detailorientierte Linie, noch ist sie vollständig oppositionell" - Einschub aus der englischen Übersetzung auf http://www.facebook.com/note.php?note_id=160862192605&id=45061919453&ref=nf] Es ist eine Bewegung, die verwoben ist mit den Zielen, Sehnsüchten und mit dem Leben der Menschen. Wir wollen damit nicht sagen, dass es sich hier um die definitive Interpretation des Koranverses "richte dein Haus nach der Qibla aus" handelt (Qibla: Gebetsrichtung zur Kaaba in Mekka), doch er hat uns inspiriert.

Die Menschen haben diese Bewegung aufrecht erhalten, in dem sie sich ihren weitreichenden sozialen Netzwerken und kleinen Gruppen zuwandten, von denen jede ihren eigenen Anteil an der Bewegung beiträgt, so dass die Bewegung Form annehmen und weitergehen kann [der letzte Teil ist die Übersetzung der Version unter dem o.g. Link. Die englische Übersetzung von homylafayette sagt an dieser Stelle "in many of which we have a stake."]
Ich denke, das trägt zur Klärung bei.

Interviewer:
Ich hoffe, dass wir noch öfter Gelegenheit haben werden, Ihnen weitere Fragen zu stellen...

Mir Hossein Mousavi:
Ich würde gern einen letzten Punkt hinzufügen. Ich weiß nicht, ob wir dafür genug Zeit haben.
Es ist ein sensibler Punkt, der mit Ihrer ersten Frage zu tun hat.
So lange nicht akzeptiert wird, dass wir im Land eine Krise und ein Problem haben, solange die Mehrheit des Volkes als Aufrührer bezeichnet werden, so lange die Menschen nicht berücksichtigt werden, so lange das Recht der Menschen auf eine selbstbestimmte Zukunft nicht respektiert wird, so lange wird es für das gegenwärtige Problem keine Lösung geben.
Im Kontext mit der zweiten Definition von nationaler Einheit, die wir besprochen haben, und mit der Vorgehensweise mancher Personen und Gruppen auf politischer Ebene zur Lösung der Krise glaube ich, dass gewährleistet werden muss, dass die in allen unternommenen Schritten die Menschen respektiert werden. Die Menschen sind verbunden, selbst die, die unterschiedliche Meinungen vertreten. Wir sind diejenigen, die die Menschen spalten. Jeder, der auf den Plan tritt, muss alle Menschen und all ihre Ansichten respektieren. Wir müssen zur Verfassung und zum Prinzip der Souveränität der Menschen zurückkehren. Dann wird es leicht sein, eine Lösung für die Krise zu finden.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Mousavi besucht Familie des inhaftierten Reformers Aminzadeh

Veröffentlicht auf zamaaneh.com am 18. Oktober 2009
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/10/mousavi-visits-family-of.html
Übersetzung ins Deutsche: Julia
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Mir Hossein Mousavi, der streitbare ("disputing") Kandidat der Präsidentschaftswahlen im Iran vom Juni, hat der Familie von Mohsen Aminzadeh einen Besuch abgestattet. Aminzadeh ist einer der prominenten politischen Aktivisten, die seit den auf die Wahl gefolgten Protesten gegen das Wahlergebnis verhaftet wurden.

Der frühere iranische Präsident [sic, gemeint ist sicher "Ministerpräsident", d. Übers.] hob hervor, die Menschen seien keine "Randalierer" - ein Begriff, mit dem die politische Führung immer wieder die Teilnehmer an den Wahlprotesten beschrieben hatte. Er verurteilte die jeglicher Grundlage entbehrenden diesbezüglichen Anschuldigungen der Regierung. Der Oppositionsführer betonte, dass die Proteste so lange andauern werden, bis die Forderungen der Menschen erfüllt sind.

Mousavi erklärte, es habe "Differenzen" im politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Bereich des Landes gegeben, die "reformbedürftig" seien.

Mit Bezug auf den 4. November - den Tag, für den die Opposition eigene Demonstrationen in Konkurrenz zu den üblichen staatlichen Märschen gegen die USA plant - sagte Mousavi: "Wie können sie behaupten, dass sie die USA bekämpfen, während Anführer der muslimischen Studenten wie Mirdamadi und Aminzadeh, die die amerikanische Botschaft besetzten, im Gefängnis festgehalten werden. Was für eine Botschaft ist das?"

Am 4. November 1979 hatte eine Gruppe von Universitätsstudenten mit dem Namen "Getreue des Imam [Khomeini]" ("Followers of Imam") unter Führung von u. a. Mohsen Aminzadeh und Mohsen Mirdamadi die US-Botschaft in Teheran besetzt, was zum Bruch der Beziehungen zwischen Washington und Teheran führte. Seither wird der Jahrestag dieses Ereignisses im Iran mit Demonstrationen und Reden gegen die USA begangen.

Moussavi bekräftigte, dass das Land und das Regime für die Verhaftungen von Persönlichkeiten wie Mohsen Aminzadeh einen "hohen Preis" werde zahlen müssen.

Mohsen Aminzadeh, ein früherer stellvertretender Außenminister Irans, war am 16. Juni verhaftet worden. Er ist ein führendes Mitglied der reformorientierten Islamischen Iranischen Partizipationsfront und befindet sich nach wie vor im Gefängnis.

Prominenter Reform-Kleriker verurteilt Nuklearwaffen

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh, 17. Oktober 2009
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/10
/prominent-reform-cleric-c.html
Übersetzung ins Deutsche: Julia
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Ayatollah Hossein Ali Montazeri antwortete auf einen Brief des reformorientierten Klerikers Mohsen Kadivar mit der Aussage, der Bau von Nuklearwaffen sei “unislamisch.”

Ayatollah Montazeri und Mohsen Kadivar

Unter Berufung auf seine Autorität als islamischer Gelehrter erklärte Ayatollah Montazeri:
“Investition, Produktion, Lagerung und Anwendung von Atomenergie für Waffentechnologie und die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen ist für jedes Land verboten." Sein Standpunkt, der über seine Informationszentrale veröffentlicht wurde, zielt darauf ab, dass derartige nukleare Aktivitäten "nicht nur nationale Ressourcen verschwenden, sondern auch Nachbarländer bedrohen und Misstrauen in die internationalen Beziehungen tragen."

Die Westmächte haben mehrfach ihre Besorgnis geäußert, dass Iran möglicherweise an der Entwicklung von Nuklearwaffen arbeitet. Diese Vermutungen waren von iranischen Behörden zurückgewiesen worden, die betonten, dass sämtliche Nuklearprogramme Irans friedlicher Natur seien. Sie haben sogar behauptet, dass Nuklearwaffen "keinen Platz in der Islamischen Verteidigungsdoktrin" hätten.

Ayatollah Montazeri schreibt, die Menschheit, insbesondere die Moslems, müssten dafür kämpfen, dass die Nutzung von Nuklearwaffen beendet wird.

In seinem Brief an Ayatollah Montazeri hatte der progressive Geistliche Mohsen Kadivar die Regierung der Islamischen Republik beschuldigt, sie würde "lügen" und hinzugefügt, dass die "heuchlerische" Konfrontation der Bürger durch die Regierung einen "nie dagewesenen Vertrauensverlust gegenüber der iranischen Führung auf internationaler Ebene" zur Folge gehabt habe.

Kadivar schließt mit der Frage: Wenn ein System seine Bürger derartig "leichtfertig" belügt, wie soll diesem System dann auf internationaler EbeneVertrauen entgegengebracht werden?

Samstag, 17. Oktober 2009

Iranische Blogger erhalten Presseauszeichnung

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh am 16. Oktober 2009
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/10/iranian-bloggers-receive.html
Übersetzung aus dem Englischen: Julia
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Iranische Blogger sind am Freitag für ihre Berichterstattung über die Präsidentschaftswahlen im Iran mit dem "Mohammad Amin"-Preis ausgezeichnet worden. Wie Reuters mitteilt, wurde der Pressepreis stellvertretend für die Blogger an Delbar Tavakoli "für ihr Engagement, ihren Mut und ihren Einsatz unter erschütternden Umständen und außerordentlichem Druck ausgezeichnet, dem sie während der Berichterstattung über die Präsidentschaftswahlen ausgesetzt waren."

Der Mohammad Amin-Preis wurde 1997 zu Ehren eines für Reuters arbeitenden afrikanischen Kameramannes ins Leben gerufen, der bei einer Flugzeugentführung ermordet wurde. Mit der Auszeichnung werden jedes Jahr die Berichterstatter geehrt, die hinter den Kulissen wirken.

Reuters-Agenturchef Christopher Pleitgen sagte dazu: "Die iranischen Blogger haben das Konzept von Bürger-Journalismus und sozialen Netzwerken neu definiert, als sie im Iran nach der Wahl zur einzigen Nachrichtenquelle wurden."

Delbar Tavakoli, die aus dem Iran floh, nachdem sie ihren Job verlor, sagte bei der Entgegennahme des Preises: "Ich widme diese Auszeichnung meinen Kollegen, die hart arbeiteten, um die Welt über die Geschehnisse im Iran zu informieren." Sie fügte hinzu: "Im Iran als Journalist zu arbeiten ist sehr schwer, vor allem wegen der Zensur."

Kaum hatten iranische Oppositionsführer erklärt, dass die Wahlen im Juni gefälscht wurden, um Mahmoud Ahmadinejads Sieg zu gewährleisten, gab es Massenproteste gegen den vorgeblichen Wahlbetrug. Die Regierung und die bewaffneten Streitkräfte begegneten den Demonstranten mit Gewalt, und die Proteste kamen infolge breitangelegter Verhaftungen zum Erliegen. Viele der Verhafteten waren Journalisten.

Der Staat schloss reihenweise Zeitungen und Medienkanäle, viele Journalisten sind wegen ihrer Berichterstattung über die Ereignisse der Verschwörung mit dem Ziel des Sturzes der Regierung angeklagt.

Freitagsgebet 15.10.2009: Ayatollah Janati fordert hartes Vorgehen am 4. November

Veröffentlicht am 16. Oktober 2009 auf Payvand Iran News
(Quelle: Radio Zamaaneh)
Quelle (Englisch): http://www.payvand.com/news/09/oct/1162.html
Deutsche Übersetzung: Julia
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Ayatollah Janati, der heute das Freitagsgebet in Teheran hielt, rief zu unerbittlicher Konfrontation der Protestteilnehmer am 4. November/13. Aban) auf.

Der 4. November 1979, der Tag, an dem iranische Studenten die Amerikanische Botschaft in Teheran besetzten, wird im Iran jedes Jahr als Wendepunkt in der Geschichte der Islamischen Republik gefeiert. in diesem Jahr haben Gegner der Präsidentschaftswahl im Juni angekündigt, dass sie sich an diesem Tag den Märschen anschließen werden, um nochmals ihren Protest gegen die Regierung zu äußern.

IRNA zitierte den konservativen Geistlichen Ayatollah Janati mit den Worten: "Der 4. November muss als Tag des Kampfes gegen die weltweite Unterdrückung geehrt werden. Jeder muss an diesem Tag teilnehmen und ihn ehren. Doch einige, die zu Bauernopfern anderer geworden sind, wollen ihre amerikanische und israelische Natur zeigen."

Der oberste Geistliche des Wächterrats fügte hinzu: "Seit langer Zeit werden diese Aufständischen von einem nicht identifizierten Zentrum aus geführt worden, und sie haben gewisse Pläne für die Zukunft. Diese Leute sind Bauernopfer, ob es ihnen bewusst ist oder nicht."

Er führte an, dass die Justiz und die Sicherheitskräfte "den Islam, das Volk, die Revolution und die Märtyrer verraten, wenn sie den Aufständischen mit Schwäche begegnen".

Zur Vorgehensweise der Regierung gegen Demonstranten erklärte Ayatollah Janati: "Wer schenkt seinem eigenen Mörder Blumen? Warum also sollte die Islamische Republik denen Blumen schenken, die sie zerstören, wo sie doch noch immer mit ihren kriminellen Aktionen weitermachen?"

Plakat der Grünen Bewegung mit Einladung
zur Demonstration am 13. Aban

Ayatollah Janatis Äußerungen fallen zusammen mit Ban Ki Moons besorgtem Bericht an die UN-Generalversammlung über die Unterdrückung von Dissidenten in Iran.
Janati beschreibt die Proteste nach der Wahl als tief verwurzeltes Problem für die Islamische Republik, das nicht einfach von der Hand zu weisen sei.

Er erklärte, dass die aufrührerischen Pläne für den 4. November ebenso entschärft werden würden, wie die für den Quds-Tag und die Eröffnung der Universitäten neutralisiert wurden.

Am diesjährigen Quds-Tag am 18. September hatten Oppositionsführer und ihre Anhänger Demonstrationen veranstaltet, die mit dem offiziellen Quds-Marsch gegen Israel konkurrierten. Die Demonstranten hatten Parolen gegen Mahmoud Ahmadinejads Regierung gerufen, die ihrer Meinung nach in den diesjährigen Präsidentschaftswahlen vom Juni durch Wahlbetrug an die Macht kam.

Auch an den Universitäten haben sich seit Beginn des Herbstsemesters unzählige Studentenproteste abgespielt.

Freitag, 16. Oktober 2009

Es nützt nichts, den Justizchef zu ersetzen!

Veröffentlicht auf Roozonline am 15. Oktober 2009
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2009/october/15//-3ddb89d557.html
Übersetzung: Julia
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In einem Interview mit Rooz diskutiert der Anwalt und Menschenrechtsaktivist Dr. Abdolkarim Lahidji verschiedene Aspekte der vor kurzem erfolgten Hinrichtung von Behnoud Shojaei, sowie die Todesurteile gegen drei nach den Wahlen verhaftete Demonstranten.

Lahidji glaubt, dass ein Wechsel an der Spitze der Justiz nichts verändern kann, solange die Gesetze der Islamischen Republik nicht reformiert werden. Seiner Meinung nach war die Hinrichtung von Shojaei, der 17 war, als er einen Mord beging, eine reine Sturheit der internationalen Gemeinschaft und den Menschenrechtsgruppen gegenüber.

Rooz: Es gab Erwartungen, dass der Wechsel an der Führungsspitze der Justiz Auswirkungen auf die Anwendung der Todesstrafe haben würde. Wie sich herausgestellt hat, war das nicht der Fall. Was ist Ihre Meinung dazu?

Abdolkarim Lahidji (Lahidji): So lange die Gesetze der Islamischen Republik nicht geändert werden, werden ein bloßer Führungswechsel in der Justiz und die Anordnungen - wie die zur Hinrichtung Minderjähriger oder unter Herrn Shahroudi in Fällen von Steinigungen - keinen Wechsel in der Praxis herbeiführen. Es handelt sich hier um Vorgehensweisen, die vom Gesetz erlaubt sind. Was die Kinderrechts-Konvention betrifft, so hat die Islamische Republik unglücklicherweise wiederholt die Vorschriften der Konvention verletzt und Zusagen gemacht, die sie bisher nicht eingehalten hat. Darum glaube ich nicht, dass Herr Larijani Veränderungen in der Justiz durchsetzen kann oder will.

Wie wir sehen, hat sich die Situation der Verhafteten seit den Wahlen nicht geändert, und die Verbrecher, die für Morde, Folter und Vergewaltigungen verantwortlich sind, laufen weiter frei herum, den vielen Kommissionen zum Trotz, die die Justiz ins Leben gerufen hat, um die Angelegenheiten zu untersuchen - sowohl vor als auch nach dem Amtsantritt von Sadegh Larijani.

Die offensichtlichen Veränderungen im Justizwesen sind von dieser Art. Ein Geheimdienstminister wird zum Generalstaatsanwalt ernannt, oder Saeed Mortazavi wird zum stellvertretenden Generalstaatsanwalt gemacht. Mit anderen Worten - es haben keine fundamentalen Wechsel im Justizwesen stattgefunden, und ich denke nicht, dass die Justiz ihr Auftreten wesentlich ändern wird.

Rooz: Was ist mit den Hinrichtungen?

Lahidji: Ich weiß nicht, ob diese Entscheidungen im Büro des Obersten Führers getroffen werden oder woanders, aber was die Hinrichtungen betrifft, so geht es den Beamten der Islamischen Republik darum, eine gewisse Sturheit und Feindseligkeit gegenüber der internationalen Gemeinschaft an den Tag zu legen.

Die Tatsache, dass die Hinrichtung am Internationalen Tag gegen die Todesstrafe vollzogen wurde, spricht für sich. Durch den Passus der Resolution, die wir im Dezember 2007 in der UN-Generalversammlung durchgesetzt haben, haben mittlerweile über 140 Länder die Todesstrafe abgeschafft. In der Islamischen Republik hingegen sehen wir die Hinrichtung eines jungen Mannes, der als Minderjähriger einen Mord beging und dessen Hinrichtung mehrfach verschoben wurde - und die Hinrichtung wird ausgerechnet am Internationalen Tag gegen die Todesstrafe vollzogen.

Dann wird auch noch verlautbart, dass die Eltern des Opfers den Hocker unter seinen Füßen weggezogen haben. Das läuft wirklich auf reine Zurschaustellung von Sturheit und Lächerlichmachung der internationalen Gemeinschaft, der Menschenrechtsorganisationen und der UN-Resolution hinaus.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

4. November: Opposition lässt die Muskeln spielen

Veröffentlicht auf mowjcamp.com am 13. Oktober 2009
Quelle (Englisch): http://english.mowjcamp.com/article/id/47100
Übersetzung: Julia
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Nach der erfolgreichen Übernahme des Quds-Tages ("Jerusalem-Tag"), der seit vielen Jahren von einer bestimmten radikalen Gruppierung innerhalb des Staates als Plattform genutzt wird, um das Thema Palästina vor ihren eigenen Karren zu spannen, sieht die iranische Opposition nun begierig dem 4. November entgegen - einem weiteren Tag, um der Putschregierung in Erinnerung zu rufen, dass das Thema der Wahlen noch lange nicht vom Tisch ist.

Auch vier Monate nach dem Staatsstreich vom 12. Juni haben die Iraner den Tag nicht vergessen, an dem ihre Stimmen ihnen so unverfroren vor ihren eigenen Augen gestohlen wurden. Vier Monate später ist die Grüne Bewegung noch immer entschlossen, ihre Opposition zur gegenwärtigen Regierung zu zeigen, die keinerlei Legitimität besitzt.

Seit den ersten Tagen der Revolution wird der 4. November im Iran mit von der Regierung organisierten Demonstrationen im Gedenken an die Besetzung der US-Botschaft in Teheran durch eine Gruppe von iranischen Studenten begangen (vom 4. November 1979 bis zum 20. Januar 1981, d. Übers.). In diesem Jahr jedoch ist es die Grüne Bewegung, die den Ton dieser Demonstration angeben wird, wie sie es schon am Quds-Tag tat: Eine Bewegung, die nicht in der Regierung vertreten, aber fähig ist, das Schicksal des Landes zu gestalten.

Jede dieser von der Regierung in Auftrag gegebenen Anlässe ist eine Chance für uns, um den Geist des Widerstandes gegen eine Regierung wiederzubeleben, die ihr eigenes Volk so offen und schamlos belügen kann, ohne irgendetwas von irgendjemandem zu befürchten, während ihre Schläger diejenigen töten, einsperren und foltern, die es wagen, sich gegen ihre drakonischen Vorgehensweisen zu erheben. Jeder Anlass ist eine Gelegenheit für die Iraner, auf die Straßen zu gehen und das zurückzuverlangen, was rechtmäßig ihnen gehört. Der 4. November ist ein solcher Anlass.

Die Regierung Ahmadinejad hat wieder und wieder unter Beweis gestellt, dass sie vor nichts Halt machen, sogar den Forderungen des Auslands nachgeben wird, um die Illegitimität im Inneren zu kompensieren, wenn es darum geht, an der Macht zu bleiben. Sie greift weiterhing auf Maßnahmen zurück, die nur totalitäre Regimes nutzen in der Hoffnung, ihren Griff um die Macht zu festigen.

Der 4. November ist für die Grüne Bewegung eine Gelegenheit, die Obrigkeit aufzufordern, zur Besinnung zu kommen und jene zu befreien, die die Islamische Revolution verwirklicht haben und nun in Irans berüchtigten Gefängnissen ihr Dasein fristen.

Unsere Bewegung wird aber nicht von einem einzelnen Führer, einer Gruppe oder einem Kern angeführt. Ihr Erfolg ist eng verflochten mit dem Willen und der Entschlossenheit der Menschen, die ihre Grünen Symbole mit Solz tragen und für eine Veränderung in ihrem Heimatland auf die Straße gehen. Die wahre Kraft unserer Bewegung liegt in den Bindungen und sozialen Netzwerken, die wir vor dem 12. Juni so sorgsam geknüpft haben. Der 4. November ist eine weitere Gelegenheit für uns, um diese Bindungen zu verbessern und zu erweitern und unsere Grüne Bewegung noch mehr als zuvor zu stärken, wie es Mir Hossein Mousavi so hervorragend ausdrückte.

Die Ereignisse der letzten Monate haben gezeigt, dass wir als Individuen, und niemand sonst, die wahre Quelle der Kraft der Grünen Bewegung sind.

In diesem Sinne ruft Mowjcamp alle Grünen Aktivisten auf, Ideen, Gedichte, Artikel, Weblogs, Bilder, Plakate, Audio- und Videomaterial beizusteuern, um den 4. November zu einer Demonstration der Kraft der Grünen Bewegung zu machen.

Schreibt uns E-Mails mit euren tollen Ideen, die für die Grüne Bewegung von Anfang an immer eine treibende Kraft waren, und denkt daran, dass der gemeinsame Erfolg unserer Bewegung vor allem von unserer individuellen Überzeugung für unsere gute Sache beeinflusst wird.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Tochter von Ahmadinejad-Berater macht Film über Folter und beantragt Asyl in Deutschland

Veröffentlicht auf Haaretz.com von Associated Press am 13.10.2009
Quelle (Englisch): http://www.haaretz.com/hasen/spages/1120787.html
Übersetzung aus dem Englischen: Julia
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Die Tochter des Chefberaters von Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat in Deutschland Asyl beantragt. Dies teilten die Organisatoren eines Filmfestivals mit, an dem sie am Dienstag teilgenommen hatte.

Wie der Sprecher des Nürnberger Filmfestivals für Menschenrechte Matthiasa Rued mitteilte, reichte Narges Kalhor
, die Tochter von Ahmadinejads Berater für Kultur und Medien, ihren Asylantrag in Süddeutschland ein. Ihr Vater, Mehdi Kalhor, gilt seit Anfang dieses Jahrzehnts als naher Verbündeter Ahmadinejads.

In einem Interview mit ihrer Filmkollegin Hana Makhmalbaf, das am Montag auf YouTube eingestellt wurde, sagte Narges Kalhor, sie glaube nicht, dass ihr Vater von ihren Plänen wisse.

"Ich bin sicher, dass er meinen Film nicht gesehen hat und nichts über das Festival weiß, oder darüber, wo ich bin", sagte sie. "Ich bin aus eigenem Willen hier, wegen des Kinos, und ich muss weitermachen."

Narges Kalhor hatte an dem Nürnberger Filmfestival teilgenommen, um ihren Film Darkhish ("Der Rechen") vorzustellen, der die Anwendung von Folter und die Barbarei des Totalitarismus anprangert.

Mehdi Kalhor sagte der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA gegenüber, er wisse nichts Genaueres über die Filme seiner Tochter oder über ihre Pläne, das Land zu verlassen.

Er beschuldigte die iranische Opposition, sie bei ihren Versuchen unterstützt zu haben, die Regierung herauszufordern.

"Diese Angelegenheit ist ein Symbol für den sanften Krieg und Medienkrieg, den die Opposition begonnen hat", zitierte die Nachrichtenagentur Mehdi Kalhor.

Weiter sagte er IRNA gegenüber, er habe sich vor einem Jahr von Narges' Mutter scheiden lassen, weil Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen bestünden. Sie sei eine vehemente Gegnerin Ahmadinejads. Narges hatte bei ihrer Mutter gelebt.

Das Video zeigt Narges Kalhor, die ihre Unterstützung für die Opposition mit einem grünen Schal zeigt, den sie um den Hals trägt; Grün ist die Farbe der Opposition.

Sie sagte, dass sie und ihr Vater unterschiedliche Ansichten hätten, sie hoffe aber dennoch, dass er sie unterstützen und vielleicht sogar seine Meinung ändern werde.

"Ein Mensch kann sich in jedem Moment ändern", sagte Narges Kalhor. "Jederzeit kann ein Mensch Momente der Stille erleben und sich Gedanken über den richtigen Weg machen."

Sie fuhr fort: "Ein wenig Einsamkeit reicht schon, um einem die Augen für die Welt zu öffnen, und wir können entscheiden, ob dies der richtige Weg ist - der Weg, den diese Millionen Menschen eingeschlagen haben, die auf die Straße gingen und Freiheit forderten."

Montag, 12. Oktober 2009

Was haben die Iraner aus den letzten 30 Jahren gelernt?

Veröffentlicht auf http://www.iranian.com/main/blog/faramarz-fateh/what-have-iranians-learned-past-30-years
Von Faramarz_Fateh, 12. Oktober 2009

Ein paar Jahre nach der Islamischen Revolution - sagen wir, 1983 oder so - machte sich unter der Mehrheit der Iraner Unzufriedenheit mit den Zuständen in ihrem Land breit. Nun sind wir Iraner niemals vollkommen zufrieden mit irgendetwas, doch die Unzufriedenheit und das Missfallen mit dem islamischen Regime ging und geht noch immer ziemlich tief.

Was haben wir als Nation im Rückblick aus all dem gelernt? Wir haben unser möglichstes getan, um einen in westliche Yves Saint-Laurent- und Bill Blass-Anzüge gekleideten Halbdiktator (sicher ein strittiger Punkt), der Englisch und Französisch sprach, in der Schweiz studiert hatte, abzusetzen und dafür einen absoluten Diktator zu bekommen, der Arabisch sprach und Abaa und Ammameh trug und in Qom und Najaf studiert hatte.

In der Schah-Zeit ging es rund 5% der Bevölkerung sehr gut, weiteren 10-15% ging es gut, und die restlichen 80% mussten kämpfen, um irgendwie durchzukommen. Heute ist es ziemlich genau so. Oder nicht?

Die Islamische Revolution spielte sich ab wie jede andere; Menschenmassen agierten meist mit viel Emotion und ohne große Gedanken an die Konsequenzen ihres Tuns. Wiederholen die Iraner dies heute? Ist Mousavi der Retter? Was meinen wir damit, wenn wir "Demokratie" sagen? Ein politisches und Regierungssystem wie in den USA oder Großbritannien, oder etwas anderes? Und wenn ja, was? Welche Rolle wird der Islam bei all dem spielen? Kann der Islam im Hintergrund bleiben? Kennen wir irgendein Land, in dem der Islam keine Rolle in der Politik spielt?

Wo sind die Menschen, die diese demokratische Regierung führen werden? In den letzten 30 Jahren hat das islamische Regime nicht zugelassen, dass andere als ihre eigenen Kandidaten der breiteren Öffentlichkeit bekannt werden konnten. Wenn ich mit meiner Familie und Freunden im Iran spreche, so fällt ihnen eigentlich niemand ein, der eine demokratisch gewählte Regierung anführen könnte.

Je mehr ich über diese Situation nachdenke, desto mehr bin ich überzeugt, dass der erste Schritt für Iran und die Iraner sein könnte, sich über die künftigen Führer klar zu werden, bevor die alten beseitigt werden. Anderenfalls könnte das entstehende Vakuum allen möglichen Müll einsaugen, und die Iraner hätten weitere 30 Jahre Elend vor sich.

Irans Oppositionsführer fordern Sendezeit im Fernsehen

Veröffentlicht auf zamaaneh.com am 12. Oktober 2009
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/10/iran-opposition-leaders-d.html
Übersetzung aus dem Englischen: Julia
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Die iranischen Oppositionsführer Mir Hossein Mousavi und Mehdi Karroubi haben an das staatliche Fernsehen appelliert, ihnen Sendezeit für die Begründung ihrer Wahlbetrugsvorwürfe einzuräumen.

Die Webseite Tagheer der National Trust Party berichtet, dass die beiden Oppositionsführer sich am Samstag in Karroubis Wohnung getroffen hätten, um die Ereignisse nach der Wahl zu diskutieren.

Mousavi ging auf die Bedeutung des 4. November als Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft in 1979 durch Studenten ein. Er erklärte: "Diejenigen, die an jenem Tag eine Legende hervorbrachten, befinden sich jetzt im Gefängnis, und das ist die bittere Ironie der Geschehnisse heute."

Saeed Hajjarian, den viele als Architekten der iranischen Reformbewegung ansehen, war einer der Studenten, die an der Übernahme der US-Botschaft in 1979 beteiligt waren. Er wurde nach der Präsidentschaftswahl im Juni dieses Jahres inhaftiert und in den widerrief im Schauprozess gegen ihn all seine Reformideen. Seine Geständnisse, ebenso wie die diverser anderer prominenter Reformer, gelten als erzwungen.

Mousavi bezeichnete die Gerichtsverfahren gegen diese Persönlichkeiten als "Schauprozesse" und warnte die Obrigkeit, man werde die negativen Folgen dieser Vorgehensweise in der Gesellschaft aufmerksam verfolgen.

Der frühere iranische Premierminister warf (Inhabern von) "gewissen Machtpositionen" in der Islamischen Republik vor, "öffentliches Kapital zu missbrauchen" und monierte den Kauf eines mehrheitlichen Aktienanteils an der Iranischen Telekommunikationsgesellschaft für 8 Mrd. Dollar durch die Islamischen Revolutionsgarden.

Die Revolutionsgarden haben ihre Kontrolle über die Wirtschaft des Landes durch eine Reihe von Finanzaktionen ausgeweitet, was nicht nur die Opposition, sondern auch einige Regierungsbehörden alarmiert hatte.

Mousavi beschuldigte das iranische Staatsfernsehen Seda va Sima, das Image der Protestbewegung zu beschmutzen: "Seit drei oder vier Monaten verbreitet man bei Seda va Sima und allen anderen Medienkanälen Lügen über mich, Herrn Karroubi und unsere Anhänger. Sollten wir nicht eine Gelegenheit haben, uns zu verteidigen?"

Mousavi verurteilte die mediale Lügenverbreitung: "Wie oft haben sie ihre Angaben über die Zahl der nach den Wahlen Getöteten geändert? Und dann sagen sie, dass wir Lügen über Wahlbetrug verbreiten."

Mehdi Karroubi unterstützte Mousavis Kritik an der Regierung: "Wenn es keinen Betrug bei der Wahl gegeben hat, warum gibt es dann all diese Proteste? Wenn Sie die Wahrheit sagen, dann sollten Sie uns zum Ausgleich für all die Stunden, die Sie mit dem Abstreiten des Betruges und dem Erzwingen von Geständnissen unschuldiger Gefangener verbracht haben, Sendezeit im Fernsehen zur Verfügung stellen, damit wir unsere Gründe und unsere Beweise darlegen können."

Mousavi forderte die Fernsehübertragung eines Treffens mit Vertretern beider Seiten, um eine ausgewogene Darstellung der Wahlereignisse zu erreichen.

Oppositionsführer: Der Widerstand des Volkes wird weitergehen

Veröffentlicht auf radiozamaaneh.com am 11. Oktober 2009
Quelle: http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/10/opposition-leader-declare.html
Übersetzung: Julia
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Der frühere iranische Präsident Mohammad Khatami sprach heute über die "Grüne Bewegung", die zu einem Symbol für die jüngsten Proteste und Forderungen nach Reformen geworden ist. "Seien Sie sicher, dass es für diese Bewegung kein zurück gibt. Wir stehen noch immer zu unseren Hauptforderungen."

In seiner Rede während eines Besuchs in Yazd betonte Khatami: "Heute versucht eine dogmatische, gewalttätige und irregeleitete Bewegung ("movement") jeden auszuschließen, den sie nicht billigt. Es ist schade, dass diejenigen, die an die Islamische Republik glauben, Schwierigkeiten haben, sich offen zu äußern."

Der Reformpolitiker erklärte nochmals seine Unterstützung für die "Millionen", die auf die umstrittene Wiederwahl Mahmoud Ahmadinejads mit zivilen Protesten reagiert hatten. Er fügte hinzu, die legitimen Proteste als Aufstände zu bezeichnen stelle "eine größtmögliche Verleumdung" der Menschen dar.

Khatami reagierte damit auf Äußerungen von Hardlinern wie Ahmad Khatarmi und dem Oberbefehlshaber der bewaffneten Streitkräfte Generalmajor Firouzabadi, die beide behaupten, dass die Reformbewegung versucht, den islamischen Aspekt des Systems zu beseitigen. Er erklärte: "Der vorherrschende Geist unseres Volkes ist islamisch. Daher wird keine Bewegung in unserem Land die Oberhand gewinnen, die den Grundsätzen unserer Kultur nicht treu bleibt, und diese Grundsätze sind voll und ganz islamisch."

Zu den Zusammenstößen zwischen bewaffneten Streitkräften und Demonstranten sagte Khatami: "Es ist nicht möglich, das System mit Waffengewalt über einen längeren Zeitraum hinweg zu schützen. Wenn wir uns den Forderungen der Menschen anschließen, werden wir unsere Ziele schneller und zu einem geringeren Preis erreichen. Die Proteste der Menschen werden so oder so nicht aufhören."

Nach der Wiederwahl von Mahmoud Ahmadinejad hatten die übrigen Kandidaten seinen Wahlsieg angefochten, und es hatte aus Protest gegen Wahlbetrug landesweite Demonstrationen gegeben. Die Demonstrationen wurden von den bewaffneten Streitkräften gewaltsam niedergeschlagen, wobei Dutzende getötet und Tausende verhaftet wurden.

Das politische Establishment des Landes hatte die Proteste verurteilt und als Verschwörung dargestellt, die dazu diene, das System zu stürzen. Oppositionsführer, darunter Mohammad Khatami, haben wiederholt erklärt, dass ihre Forderungen der Verfassung enstprechen und voll und ganz mit dem System der Islamischen Republik in Einklang stehen.

Samstag, 10. Oktober 2009

Sepah gesteht Verantwortung für die Verbrechen nach der Wahl

Quelle (Englisch): http://persian2english.wordpress.com/2009/10/10/the-sepah-confessed-to-being-responsible-for-all-post-election-crimes/, Veröffentlicht am 5. Oktober 2009
Original (Persisch): Norooz News
Übersetzung Persisch-Englisch: Persian2English http://wp.me/pDjBz-7n
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia
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Sepah gesteht Verantwortung für die Verbrechen nach der Wahl: Lügen und Widersprüche des Sepah-Kommandanten














In einem Interview mit der regierungstreuen Zeitung IRENA sagte Brigadier Abdollah Araghi, der Befehlshaber des Sepah-Corps "Mohammad Rasool Allah", die Basijmilizen seien am 13. Juni von der Polizei um Hilfe gebeten worden, "doch nach dem 15. Juni gingen alle Verantwortlichkeiten bis zum 16. August auf Sepah und Basij über."

Mit dieser Äußerung widerspricht Araghi seinem letzten Kommentar von Anfang Juli, als er sagte, dass das Sepah-Corps Mohammad Rasool Allah, ein Ableger der Teheraner Basij, am 20. Juni gemeinsam mit der Polizei in die Situation eingegriffen habe und an jenem Tag ab 14:30 Uhr in Teheran war.

Damals hatte Araghi gesagt, dass Sepah und Basij am 20. Juni gemäß der Gesetzgebung des Hohen Nationalen Sicherheitsrates eingegriffen hätten, und dass "die Teheraner Sepah-Organisation als aktiver Arm der Pasdaran Sepah der Polizei zur Hilfe kamen."

Damit hat erstmals ein Oberbefehlshaber der Sepah die Rolle dieser Militärinstitution bei der Unterdrückung der Aufstände nach der Wahl direkt zugegeben. Die Aufgabe dieser Institution ist eigentlich die Gewährleistung der Sicherheit des Landes und der Bürger.

Bezüglich des Fiaskos an der Lolagar Moschee, wo Basijis vom Dach aus auf Demonstranten schossen, sagte der Sepah-Kommandant: "Nicht ein einziger Schuss wurde von den Basijis abegfeuert, aber in der ganzen Welt wurde verbreitet, dass Basijis Menschen getötet hätten! Unter den Demonstranten gab es Leute, die für all die Schüsse verantwortlich waren und die dann den Basijis, der Polizei und dem Geheimdienstministerium die Schuld gaben."

Diese Kommentare wurden abgegeben, obwohl es Videos gibt, die die Basijis und Zivilpolizisten zeigen, wie sie vom Dach der Lolagar-Moschee auf Menschen schießen. Diese Videos sind in ausländischen Medien gezeigt worden und immer noch online verfügbar.

Der Sepah-Kommandant ging dann auf die Ereignisse vom 15. Juni ein, als die größte Demonstration der Grünen Bewegung auf der Enghelab-Straße Richtung Azadi-Platz stattfand und Millionen von Menschen teilnahmen. Während dieser Demonstration hatten Basijis vom Hauptquartier 117 am Azadi-Platz das Feuer auf Oppositionelle eröffnet, mehrere Menschen wurden getötet oder verletzt. Arahi sagte: "Über zehntausend Menschen griffen das Hauptquartier an. Ich habe den Basij befohlen, falsche Kugeln ("fake bullets", also wohl Übungsmunition, d. Übers.) zu verwenden, aber als die Demonstranten das durchschauten, riefen sie sich zu 'keine Angst, die schießen nicht scharf.' ("the bullets are fake").

Araghi fuhr fort, dass sich in diesem Hauptquartier auch Hunderte von Gewehren und Waffen befunden hätten. "Als jemand versuchte, in das Waffenlager einzudringen, wurde er (von Basijis) erschossen und fiel hinunter, und die ausländischen Medien sendeten nur den Teil, auf dem zu sehen war, wie er erschossen wurde."

Die Bilder, die es von diesem Zwischenfall gibt, zeigen jemanden auf dem Dach des Hauptquartiers, der auf die Demonstranten unter ihm schießt.

Die Lügen und Widersprüche des Sepah-Kommandanten enden an dieser Stelle noch nicht. Araghi sagte, im Zuge der Ereignisse nach der Wahl seien 24 Menschen getötet worden, darunter 12 "Märtyrer der Basij".

Am 11. September hatte Araghi andere Zahlen genannt, als er sagte, dass währed der Unruhen nach der Wahl 36 Menschen ums Leben gekommen seien, wobei 3 der Todesfälle sich in Kahrizak, dem Gefängnis südlich von Teheran ereignet hätten. In den letzten Wochen hatten die Sepah-Befehlshaber allesamt unterschiedliche Angaben über die Opferzahlen gemacht.

(vgl. dazu auch Artikel über Äußerungen Araghis vom 10. September 2009: http://lilalinda-juliasblog.blogspot.com/2009/09/tauschende-aufrichtigkeit-irgc.html)

Hardliner stellen iranische Reformer als Khomeini-feindlich dar

Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/10/iran-reformists-protrayed.html
Veröffentlicht am 9. Oktober auf www.zamaaneh.com
Übersetzung: Julia
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Zum wiederholten Male haben iranische Hardliner die Opposition und deren jüngste Demonstrationen angegriffen und den auf den "republikanischen" Aspekt des Staatssystems der Islamischen Republik gerichteten Fokus der Opposition kritisiert. Sie beharren darauf, dass die Aktivitäten der Opposition den Ansichten des Revolutionsführers von 1979 Imam Khomeini widersprechen.

In seiner Freitagspredigt in Teheran sagte Ahmad Khatami: "Jeder, der das Wort 'demokratisch' im Zusammenhang mit der Islamischen Republik verwendet, ist unser Feind... und jeder, der eine 'Republik' will, ist unser Feind, denn er ist ein Feind des Islam."

Wie IRNA berichtet, beschuldigte Ahmad Khatami diejenigen, die den Terminus "Iranische Republik" zum Motto erhoben hätten, die Situation des Landes auszunutzen. Er sagte: "Die, die diese Parole benutzen, sind gegen den Imam."

Kritiker des Wahlsiegs von Mahmoud Ahmadinejad in den Wahlen im Juni behaupten, die
Wahl sei gefälscht worden, um Ahmadinejad eine weitere Amtszeit zu bescheren. Die unmittelbar auf die Wahlen folgenden Massendemonstrationen und Proteste wurden durch die Sicherheitskräfte gewaltsam niedergeschlagen; am "Quds-Tag" am 18. September - seit 30 Jahren ein Tag der inszenierten pro-palästinensischen Demonstrationen - gingen die Gegner des Wahlergebnisses jedoch wieder auf die Straße, und Zehntausende Menschen konterten die üblichen israelfeindlichen Parolen mit ihren eigenen Slogans, um ihren Zweifeln an der Legitimität ihrer Regierung und ihren Forderungen nach Reformen Gehör zu verschaffen.

Einer der wichtigsten Slogans der Demonstranten am Quds-Tag war "Unabhängigkeit, Freiheit, Iranische Republik!" Ahmad Khatami verurteilte die Versuche der Opposition, diesen Slogan mit der Ideologie des Revolutionsführers Imam Khomeini in Verbindung zu bringen.

Mir Hossein Moussavi, der Hauptgegner Mahmoud Ahmadinejads im Vorfeld der Wahlen, hat wiederholt juristische Einwände gegen die Durchführung der Juni-Wahlen und die darauf folgenden Konsequenzen der Regierung geltend gemacht - und sich dabei auf die Positionen von Imam Khomeini bezogen.

Ahmad Khatami prangerte die ausländischen Medien an, sie hätten die Demonstrationen am Quds-Tag übertrieben und ihr Hauptaugenmerk auf die, wie er sagte "kleine Gruppe von ein paar Tausend" gerichtet und die "Millionen" vernachlässigt, die "sich der Veranstaltung angeschlossen" hätten, um gegen Israel zu protestieren.

Auch für den stellvertretenden Beauftragten des Obersten Führers für die Revolutionsgarden, Mojtaba Zolnour, standen die Ereignisse vom Quds-Tag gestern im Vordergrund. Wie er sagte, widerspricht es der Linie des Imam Khomeini - der diesen Tag der Solidarität mit Palästina ins Leben gerufen hatte - diese Demonstrationen gegen das System und zu Gunsten von Amerika und Israel zu nutzen.

Zolnor erklärte: “Revolutionsfeindliche Gruppen, islamische Nationalisten, Nehzat-e Azadi (Freiheitsbewegung), ja sogar Marxisten und Anhänger der liberalen Demokratie waren darauf aus, das System durch Aufstände und Ablenkungsmanöver zu stürzen; selbst die Baha'i traten erstmals bei den Wahlen in Erscheinung, um einen bestimmten Kandidaten zu unterstützen.”

Zolnour wiederholte die Feststellungen iranischer Behörden, dass die Proteste im Voraus von Feinden der Islamischen Republik geplant worden seien, und viele prominente Persönlichkeiten des Systems hätten aus dieser Verschwörung Vorteile gezogen.

Die Proteste nach der Wahl haben wachsende Spaltungen und Risse im Establishment der Islamischen Republik zu Vorschein gebracht, die die Konservativen zu verdecken versuchen. Ayatollah Rafsanjani, der Vorsitzende es Expertenrats und der Expertenversammlung ist wahrscheinlich die bekannteste politische Persönlichkeit, die sich zeitweise der Sache der Demonstranten angeschlossen hat, indem er eine Untersuchung der Wahl und die Freilassung der Häftlinge aus den Wahl-Protesten forderte.

Der Enkel von Ayatollah Khomeini ist ein weiterer Prominenter, der die Protests offen unterstützt hat, indem er sich weigerte, an Mahmoud Ahmadinejads Amtseinführung teilzunehmen.

Freitag, 9. Oktober 2009

Brief von Mohammad Karroubi als Reaktion auf Ahmadinejads Interview mit PBS

Quelle (Englisch): http://www.sidewalklyrics.com/?p=1822
Übersetzung ins Englische: Pedestrian, veröffentlicht am 8. Oktober 2009
außerdem veröffentlicht bei http://persian2english.wordpress.com/2009/10/09/karoubis-letter-to-irib/
Übersetzung ins Deutsche: Julia
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(Anmerkung: Dieser Brief wird Mehdi Karroubi zugeschrieben, ist aber von Mohammad Taqi Karroubi unterschrieben)

Karroubis Brief als Reaktion auf Ahmadinejads Interview mit PBS, das heute veröffentlicht wurde.

Von Mashrotenews

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Im Namen Gottes,

[Gedicht: wenn die ersten Steine einer Mauer schief liegen, wird die ganze Mauer schief]

Lieber Bruder, Herr Zarghami,
Ehrenwerter Direktor der IRIB

Grüße,

Wie Ihnen sicher bekannt ist, ist das Interview von Charlie Rose mit Herrn Ahmadinejad am Dienstag auf Kanal 1 [IRIB1] gesendet worden.

Als die Ereignisse nach der Wahl zur Sprache kamen, wies der Gastgeber dieses amerikanischen Fernsehkanals auf das Thema der Vergewaltigungen in Gefängnissen hin. Die Antwort von Herrn Ahmadinejad war, dass es Herr Karroubi gewesen sei, der diese Behauptungen aufgestellt hat und der, als das dreiköpfige Komitee der Justiz seine Behauptungen widerlegte, sehr ärgerlich wurde und nichts weiter dazu vorlegen konnte.

Es ist ziemlich unglücklich, dass die Kultur des Lügens zu einem festen Bestandteil der Exekutive geworden ist. Ich weiß nicht, was New York an sich hat, dass es diese persönliche Eigenschaft (des Lügens) des Präsidenten gleich zwei Mal zum Vorschein bringt.

Es ist ebenfalls unglücklich, dass der Rundfunk der Islamischen Republik in ein Medium zur Verbreitung dieser widerwärtigen Kultur (des Lügens) geworden ist, mit dem Ergebnis, dass die Menschen diesem öffentlichen Medium nicht genug vertrauen.

Karroubi widerspricht im Folgenden Ahmadinejads Behauptungen und stellt klar, was das Anliegen des iranischen Volkes ist:

“Ich möchte, dass das geschätzte Volk weiß, dass ich äußerst schockierende Nachrichten über den Zustand der Kinder dieses Landes erhalten habe, die legalen und in illegalen Haftanstalten waren, nur weil sie ihre gesetzlichen Rechte eingefordert haben. Es war meine religiöse, gesetzliche, nationale und menschliche Verpflichtung, mich zu Wort zu melden und nicht zuzulassen, dass es in der Islamischen Republik zur Norm wird, die Rechte der Menschen zu verletzen und ihre Ehre mit Füßen zu treten.

Nachdem die Mitglieder der Justizkommission bekannt gegeben worden waren, hatten wir einige produktive Treffen, und ich habe ihnen meine Dokumentationen ausgehändigt, weil ich darauf vertraut habe, dass diese Personen die Fälle verfolgen und die Verantwortlichen bestrafen wollten. Doch anstatt dass die Fälle untersucht wurden, wurde ich plötzlich auf hinterhältige Weise angegriffen, mein persönliches Büro und das Büro meiner Partei Etemaad-e Melli wurden geschlossen, und eine weitere Kopie meiner Dokumente befand sich in den Händen der Behörden. Die Anklagen, die in dem Interview [von Ahmadinejad] erhoben werden, sind reine Lügen, und ich verfolge noch immer aktiv diese Fälle, die das Gewissen eines jeden freien Menschen schmerzen. Ich fordere die sogenannten nationalen Medien auf, mir oder einem meiner Vertreter ein Drittel der Zeit zur Verfügung zu stellen, die sie diesen Justizbeamten gegeben haben, damit ich dem Volk das Ausmaß dieser Gräueltaten aufzeigen kann. So dass die Nation, die eigentlichen Besitzer dieses Landes, die Position der Geschworenen einnehmen und über meine und Ihre Worte richten können. Der verstorbene Imam [Khomeini] hat gesagt, er würde sein Leben für die Menschen dieses Landes opfern. Warum also werden eben diese Menschen nun als Außenseiter angesehen, und warum haben sie nicht das Recht, zu hören, was durch ihr eigenes Medium mit ihren eigenen Kindern geschehen ist?"

Herr Zarghami,

Ich weiß, dass Sie ein ehrlicher, intelligenter Mensch sind. Das ist der Grund, warum ich Ihnen empfehle, diese hohe Mauer des Misstrauens einzureißen, die zwischen dem Volk und ihren nationalen Medien aufgebaut wurde, die heute eher an persönliche Medien der Behörden erinnern. Das Interesse der Menschen und der Nation ist, über Ereignisse informiert zu werden. Und es gibt dieser Tage niemanden, der nicht darüber Bescheid weiß, denn die vorhandenen Technologien haben, allen Bemühungen zum Trotz, die Grenzen durchbrochen, und die Menschen haben Zugang zu Informationen.

Ich bitte Gott um Ihre Gesundheit und Ihr Wohlergehen.
Mit Dank,
Mohammad Taqi Karoubi