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Sonntag, 8. November 2009

Brief einer Demonstrantin in Iran: Meine Erlebnisse am 13. Aban

Veröffentlicht auf Persian2english am 7. November 2009
Übersetzung aus dem Persischen: Persian2English
http://persian2english.wordpress.com/2009/11/07/a-letter-from-a-protester-in-iran-my-experience-on-13-aban/
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben


(Anmerkung: Das folgende ist ein Bericht aus erster Hand von einer jungen Demonstrantin und ihren Erlebnissen am 13. Aban. Der Bericht wurde aus dem Persischen ins Englische übersetzt. Danke an Cheyenne für die Übersetzung.)

Gestern war es extrem beängstigend. Es war wie in der Höhle des Löwen! Karroubi hatte angekündigt, dass er um 10:30 am Haft-e Tir sein würde. Ich ging mit einigen Freundinnen los, wir dachten, wir könnten friedlich hinter Karroubi marschieren, wie am Quds-Tag.

Ich kam gegen 9:30 am Haft-e Tir an und sah eine riesige Anzahl von Basijis. Ich habe niemals so viele Basijis gesehen. Es gab auch sehr viel Polizei und Zivilpolizisten mit Schlagstöcken. Ich stieg aus dem Taxi aus, um am Verkehr vorbeizukommen und ging unauffällig durch die Gruppen von Sicherheitskräften, um meine Freundinnen zu treffen.

Unterwegs sah ich, wie mehrere grüngekleidete Leute verhaftet wurden. Ich fand meine Freundinnen, und wir gingen los Richtung Haft-e Tir. Die Cousine meiner Freundin war sehr mutig, sie trug einen grünen Schal und ging lächelnd an den Basijis vorbei! Als die Menschenmenge größer wurde, fingen wir an, unsere Hände zu heben und "Allah-o Akbar" und "Tod dem Diktator" zu rufen. Anfangs reagierte die Polizei nicht. Die Leute baten die Polizei, nicht zuzulassen, dass die Basijis sie schlagen, aber die Polizisten lachten sie aus.

Wir riefen Parolen, und irgendwann kamen die Basijis auf uns zu, um anzugreifen. Wir flüchteten. Es war wirklich schrecklich!

Wir fingen wieder an, Parolen zu rufen, "Die russische Botschaft ist ein Spionennest" und "Tod dem Diktator". Auf einmal griffen die Basijis wieder an, und wir flüchteten wieder. Ich hielt die Hand meiner Freundin Niloofar, als wir von hinten mit einem Schlagstock geschlagen wurden. Ich schrie nur "nicht schlagen!" Einige der Basijis waren wohl ziemlich human und sagten nur, wir sollten verschwinden, also liefen wir weg. Ich wurde von Niloofar getrennt. Ich lief allein weiter, als ein anderer Basij vor mir auftauchte. Ich wusste, dass er mich angreifen wollte, und ich schrie ihn an, er solle mich nicht schlagen. Er trat mir in die Brust. Ich glaube, er konnte Kampfsport. Er schlug mich und rannte weg.

Ich hatte Schmerzen, ich rannte und weinte. Ich lief zu Atefeh (einer anderen Freundin). Ihre mutige Cousine war Richtung Vali-Asr unterwegs, weil sie gehört hatte, dass Moussavi dort sein würde. Atefeh und ich suchten nach Niloofar. Überall, wo wir hinsahen, waren Polizei und Basijis mit Schlagstöcken. Es war klar, dass sie sich absichtlich unter die Menge mischten, um Kämpfe zu provozieren, damit es so aussah, als ob die Demonstranten gewalttätig wären. Es war alles nur Show!

Mitten in der ganzen Gewalt sah ich einen Basij mit einem elektrischen Schlagstock - es war furchteinflößend. Die armen Leute waren total verstreut. Wir riefen "nicht Amerika, nicht Russland, unsere Bewegung kommt vom Volk". Aber die Gewalt war so intensiv, dass die Menschen nicht zusammen bleiben konnten. Ich hatte sehr starke Schmerzen, es machte mich wahnsinnig. Meine mutige Freundin Atefeh sagte immer wieder zu mir "schluck es runter, wir sind hergekommen, um ihre Schläge auszuhalten!" Aber ich konnte es nicht länger aushalten und bat Atefeh, mit mir zu kommen, bevor wir von den Wilden verhaftet werden würden. Aber Atefeh hörte nicht auf mich und wollte dort bleiben. Ich ging allein und unter Schmerzen nach Hause.

Ich machte mir Sorgen um Niloofar, weil ich sie bei dem Angriff aus den Augen verloren hatte. Als ich nach Hause kam, bekam ich einen Anruf von Atefeh. Sie erzählte, dass sie zusammen mit ein paar anderen Leuten angegriffen wurde und sich im Parkhaus eines Wohnhauses in Sicherheit bringen konnte. Sie sagte, dass sie den Polizisten ein paar gute Schläge verpasst hatte! Zwei Stunden später bekam ich einen Anruf von Niloofar. Sie war sicher zu Hause angekommen, und sie erzählte, dass sie an der Teheran-Universität vorbeigekommen war, und drinnen seien alle in Grün gewesen und hätten Parolen gerufen, und die Polizisten hätten vor dem Tor gestanden, hätten aber nichts unternommen.

Zwischen 15 und 16 Uhr rief Atefeh noch einmal an. Sie war endlich zu Hause angekommen, aber das arme Mädchen war ziemlich schlimm geschlagen worden und musste sich in drei verschiedenen privaten Parkhäusern verstecken. Später erfurh ich, dass in ganz Teheran Demonstrationen stattgefunden hatten: Vali-Asr, Enghelab, Taleghan, Ferdosi, Vanak, Arjantin, Seid Khandan. Aber die meiste Gewalt gab es am Haft-e Tir, weil Karroubi dort war. Sogar Karroubi wurde mit Tränengas beschossen und musste die Demonstration bald wieder verlassen.

Das war mein Bericht. Leider konnte ich nicht so aktiv mitmachen. Die Wahrheit ist, dass ich nicht besonders mutig bin. Wenn die Gefahr bestünde, dass ich verhaftet werde, würde ich nicht weitermachen. Es macht mir nichts aus, geschlagen zu werden, aber verhaftet zu werden ist unerträglich.
Es gab nicht nur in Teheran einen Aufstand, auch in Tabriz, Isfahan und sogar in Shiraz!

Freitag, 30. Oktober 2009

Nicht nur Teheran - ganz Iran wird grün

Veröffentlicht auf Radio Free Liberty / Radio Free Europe - "Persian Letters"
29. Oktober 2009
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/archive/Persian_Letters/latest/2098/2098.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben


Blogger Alefba (Alphabet) sagt, die Opposition gegen Mahmoud Ahmadinejad, insbesondere die Studenten, müssten die Gelegenheit der offiziellen Demonstration am 4. November für Proteste gegen den iranischen Präsidenten nutzen. Der Tag markiert den Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft nach der Revolution von 1979:

Nicht nur Teheran - ganz Iran soll am 13. Aban (4. November) grün werden. Wir haben eine Gelegenheit, ähnlich wie die am Quds-Tag (Jerusalem-Tag). Ich kann mich noch erinnern, wie schwierig sich der Quds-Tag für die Regierung und ihre Mitarbeiter gestaltete.

Ich weiß, dass Ayatollah Khamenei und Mahmoud Ahmadinejad mitsamt ihren Anhängern eine unruhige Nacht hatten. Und genau so schwierig werden die nächsten Nächte bis zum 13. Aban für sie sein - sogar noch schwieriger, denn die Studentenorganisationen haben ganz offen beschlossen, in den Universitäten gegen die Ungerechtigkeit der Regierung zu protestieren.

In diesem Jahr werden die Studenten am 13. Aban die Farbe Grün in die Universitäten des Landes tragen und die Finsternis der Vergangenheit vertreiben. Sie werden unter Beweis stellen, dass die Studenten das wertvollste Gut des Landes sind. Dieser Teil der Gesellschaft wird seine Stärke zeigen, auf dass kein Diktator es wagt, sich ihnen entgegen zu stellen.

Große Tage kommen auf uns zu... mehrere wie der Quds-Tag und der 13. Aban, wenn es auch nicht viele sind... diese Tage müssen bestmöglich genutzt werden... die studentischen Kampagnen in den jeweiligen Universiäten müssen jetzt, wo der große Tag naht, ihren Höhepunkt erreichen. Wir müssen die Zeit nutzen und mehr und mehr Menschen zu diesen massiven Protesten einladen.

Dies ist keine normale Demonstration. Sie könnte unser Schicksal bestimmen. Darum sollten alle Universitäten des Landes sich beteiligen. Alle Universitäten überall im Land müssen an diesem Tag grün werden. Es ist Zeit für alle iranischen Städte, die Farbe Grün zu zeigen; Grün in den Großstädten ist mehr als genug [evtl. ist gemeint " nicht länger ausreichend", d. Übers.]. Die Zeit ist reif, um die Parole "Tod dem Diktator" überall in Iran zu hören.

Wir, die Studenten aus der Provinz, werden unsere Mitstudenten in Teheran nicht im Stich lassen. Auch wir werden grün zeigen und Parolen für die Freiheit rufen. Auch wir werden Verantwortung für dieses Ereignis übernehmen. Wir alle, alle iranischen Studenten, wo auch immer wir sind, werden Iran, die Gefangene der Putschregierung, grün machen.

Wir werden dazu beitragen, unser Land von der Diktatur zu befreien - durch Intellekt und Hoffnung. Wir werden Iran neu aufbauen, wir werden einen grünen Kalender schaffen. Lang lebe das iranische Volk!

Montag, 19. Oktober 2009

Erstes Internet-Interview mit Oppositionsführer Mir Hossein Mousavi - 18. Oktober 2009

Englische Übersetzung: homylafayette
Veröffentlicht auf http://homylafayette.blogspot.com/
Quelle (Englisch): http://homylafayette.blogspot.com/2009/10/opposition-leader-mir-hossein-mousavis.html
Deutsche Übersetzung: Julia
Bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben
(Das Video mit dem Interview wurde am 18. Oktober erstmals veröffentlicht)


Interviewer:
Im Namen Gottes, des Gütigsten und Mitfühlendsten.
Es ist schon etwas länger her, dass man Sie das letzte Mal gesehen hat. Das ist der Grund, warum viele Freunde uns ermutigten, die Gelegenheit für ein Interviews mit Ihnen zu ergreifen und diese Lücke zu füllen. Wir danken Ihnen für diese Gelegenheit.
Dieses Interview wird im Internet verbreitet werden, und weil dieses Medium uns gewisse technische Beschränkungen auferlegt, werden wir uns auf zwei Fragen beschränken. Wir hoffen, dass wir in Zukunft noch einmal Gelegenheit haben werden, alle Fragen mit Ihnen zu besprechen, die wir von Menschen erhalten, die sich für die Grüne Bewegung interessieren.
In den vergangenen Woche war von nationaler Einheit die Rede. Worum geht es dabei? Gab es bestimmte Gespräche? Bitte erzählen Sie den Menschen davon.
(Erläuterung: in den letzten Wochen hatte es Gerüchte über "Hinterzimmer-Politik" zur Lösung der Krise durch eine Art Rahmenabkommen verschiedener politischer Fraktionen gegeben)

Mir Hossein Mousavi:
Im Namen Gottes, des Gütigsten und Mitfühlendsten. Dies ist mein erstes Internet-Interview. Ich grüße all die guten Menschen, die [jetzt] mein Gesicht sehen. Natürlich sind viele Fotos von mir veröffentlicht worden, was mich stört. Aber ich werde versuchen, mich daran zu gewöhnen. Dieser Anlass ist auch so eine Situation, und ich werde die Gelegenheit beim Schopf ergreifen, um einige Worte zu sagen.
Zu Ihrer Frage: Der Ausdruck [nationale Einheit] ist von den Medien in verschiedenartiger Weise benutzt worden, und man sollte die einzelnen Interpretationen unterscheiden.

In meinen Gesprächen mit den Parlamentsvertretern - Mitglieder der Minderheitsfraktion, mit denen ich mich getroffen habe - sprach ich von nationaler Einheit. Ich meinte damit einen gemeinsamen Willen und ein gemeinsames Gefühl, das während der Wahlen hervorgehoben wurde und auf unserem starken zivilisatorischen Erbe, unseren gemeinsamen nationalen Interessen und einer Zukunftsision des Fortschritts basiert. Die Frage der nationalen Einheit war insbesondere in diesem Rahmen von Bedeutung. Wir haben gesehen, wie sich im Land eine gewisse Leidenschaft entwickelt hat.

Dieses Kapital muss bewahrt und genährt werden, allem zum Trotz, was nach der Wahl passiert ist. Nationale Einheit ist extrem wichtig für uns, sie muss ein Fundament für uns alle sein. Hier gibt es Einheit zwischen allen Lebensweisen ... zwischen der allgemeinen Öffentlichkeit, Intellektuellen, Studenten, verschiedensten ethnischen Gruppen, kulturellen Gruppen...

Die grüne Menschenkette, die kurz vor der Wahl Tajrish mit dem Rah Ahan Square verband, war eines der besten Symbole dafür.

(Anmerkung: Am 6. Juni 2009 hatten Moussavis Anhänger eine Menschenkette gebildet, die sich über fast 20 km durch Teheran zog, von Tajrish im Norden bis zum Rah Ahan Square oder Eisenbahnplatz im Süden). Menschen verschiedenster Coleur beteiligten sich Sie war auch die Basis für die Idee des Grünen Pfads der Hoffung daran, und die Menschenkette ließ unser gesamtes Land erbeben. (Anmerkung: Die Bewegung der Oppositions-Koalition).


Doch der Begriff der nationalen Einheit wurde auch in anderen Kontexten herangezogen. Nach den Problemen und Ereignissen, die das Land ruinierten, haben viele Menschen mit unterschiedlichen Absichten - einige davon durchaus gute - Möglichkeiten erforscht, wie man die Spannungen und die Krise durch Diskussionen zwischen politischen Persönlichkeiten entschärfen kann. Herr Hashemi Rafsanjani (Chef des Expertenrats und der Expertenversammlung) hat einen Plan vorgelegt, dann gab es einen von Ayatollah [Mohammad Reza] Mahdavi Kani initiierten Ideenaustausch
(Anm.: Chef der konservativen streitbaren Kleriker-Vereinigung, nicht zu verwechseln mit der reformorientierten Vereinigung streitbarer Geistlicher)... Viele haben über dieses Thema gesprochen. Ich habe diese Interpretation [der nationalen Einheit] jedoch nicht kommentiert. Angesichts der Debatte und der Gerüchte, die ausgelöst wurden, möchte ich von einer meiner Erinnerungen an den Imam [Ayatollah Rouhollah Khomeini, Gründer der Islamischen Republik] erzählen. Meine Handlungsweise basiert auf einem Punkt dieser Geschichte.

Als die McFarlane-Krise sich anbahnte, wussten viele Menschen nicht, dass McFarlane gerade den Iran besuchte und was geschehen war... seine geheime Reise nach Iran, und alles andere.
(Anmerkung: Robert McFarlane war von 1983 bis 1985 Sicherheitsberater von Präsident Ronald Reagan und spielte eine zentrale Rolle im Iran-Contra-Skandal. 1986 lieferte er als geheimer Gesandter eine Flugzeugladung Waffen an Iran, stornierte aber eine zweite Lieferung, nachdem die Geiseln im Libanon nicht freigelassen wurden. Die libanesische Wochenzeitung Al Shiraa veröffentlichte kurz darauf einen Bericht über die geheimen Iran-Contra-Geschäfte. Mousavi war zu jener Zeit Premierminister.)

Diese Sache wurde zuerst in einer syrischen Zeitung enthüllt. Bei einem Treffen zwischen den Führungen der drei Regierungsgewalten hieß es, dass diese Nachrichten sich auch im Iran verbreiten würden, was angesichts der Sensibilität von Beziehungen und Gesprächen mit den USA eine Krise provozieren werde.
Die Führungspersonen der drei Gewalten - darunter auch ich - suchten den Imam auf. Wir erklärten die Situation, was davon durchgesickert war, wer diese Person sei, ihr Kommen und Gehen, und dass eine libanesische oder syrische Zeitung Details veröffentlicht habe, die irgendwann auch den Iran erreichen würden. Der Imam sagte daraufhin, geht und sagt es den Menschen, sie müssen darüber informiert werden. Als wir aufstanden, sagte er etwas, was mir seither als goldenes und wichtiges Wort in Erinnerung geblieben ist. Er sagte: Tut niemals etwas, was ihr den Menschen nicht erklären könnt.
Das ist mir im Gedächtnis geblieben. Das ist der Grund, warum ich als Mitstreiter dieser Massenbewegung die Menschen [immer] informieren werde und es nichts geben wird, was ich nicht werde rechtfertigen können, wenn es Gespräche oder Treffen zu einem bestimmten Thema gibt.
In Anbetracht der mangelhaften Medienkanäle dieses Landes, die sich auf unseren Grünen Pfad stürzen und ihn bekämpfen, und in Anbetracht der Tatsache, dass wir keine offiziellen Kanäle haben und unsere eigenen und damit auch unsere Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt sind, ist es gut, wenn die Menschen Nachrichten über dieses und andere Themen mit Vorsicht genießen. Sie sollten die Quelle der Nachrichten prüfen, ihre Zugehörigkeit und ihre Absichten. Das wird uns helfen, in einer unseren Werten entsprechenden Atmosphäre mit Umsicht voranzukommen.

Interviewer:
Möchten Sie die Menschen über irgendwelche Kontakte, Treffen oder Gespräche informieren?

Mir Hossein Mousavi:
Nein, es hat keine solchen Gespräche gegeben. Natürlich weiß ich von den Vorschlägen, die Herr Hashemi Rafsanjani beim Freitagsgebet (am 17. Juli) gemacht hat, und auch von den Vorschlägen des Expertenrats an ihn. Und ich kenne durch die Medien auch andere Anmerkungen von Personen wie Ayatollah Mahdavi Kani und anderen, die gute Absichten haben. Aber es gab diesbezüglich keine direkten Kontakte mit mir, keine Korrespondenz, keine offiziellen Treffen.

Interviewer:
In Ihrem 14. Statement sagten Sie, dass unsere politischen und sozialen Errungenschaften Teil unseres Lebens sein müssen, nicht nur unsere Kämpfe, denn Kämpfe haben ein Ende, und wenn das Ende gekommen ist, werden ihre Werte in den Hintergrund treten. Ihr Satz war "Der Grüne Pfad der Hoffnung muss gelebt werden." Dieser Satz regt zum Nachdenken an, aber er könnte manche auch verwirren. Was meinten Sie damit?

Mir Hossein Mousavi:
Wir haben eine große Bewegung begonnen... unsere Nation hat eine große Bewegung begonnen, und wir begleiten sie. Wenn Gott will, werden wir mit den Menschen auf einem gemeinsamen Kurs bleiben. Zu Beginn dieser Ereignisse in unserem Land gab es eine Debatte darüber, wie wir reagieren und weitermachen sollen, um die großen Errungenschaften der Wahl und der Islamischen Revolution zu nutzen und voranzubringen. Die Rede war von einer Partei, einer Front, diversen Gruppen.. ein politischer Kampf. Wir dachten, all dies würde uns nicht dabei helfen, unsere Ziele zu verwirklichen, es passte nicht zu unseren Erfahrungen mit den Wahlen, diesen Erfahrungen, die wir zusammen durchgemacht hatten.
Bei dieser Wahl haben wir verschiedene politische, religiöse, künstlerische, kulturelle Familien gesehen... Menschen, wo auch immer sie waren, haben ihren Beitrag geleistet und sind auf ihre eigene Weise zu einem Teil dieser Bewegung gewoden. Das war eine Veranschaulichung dessen, was wir mit "Jeder Einzelne ist ein Kampagnenmitarbeiter" gemeint haben. Daraus erhält diese Bewegung ihre Stärke, nicht aus einer politischen Partei. Das bedeutet nicht, dass politische Parteien nicht effektiv waren oder sein können - nein, sie haben ihre eigene kritische Bedeutung. Es ist unerlässlich, dass politische Parteien weiterhin ihre Arbeit fortsetzen.
Doch um auf diesem Weg vorwärtszukommen und unsere Ziele - einen entwickelten Iran, in dem die Rechte der Menschen respektiert werden - zu erreichen, haben wir uns nach den Erfahrungen der Wahlen dazu entschlossen, unsere Handlungen auf einem viel breiter angelegten Level anzusiedeln. Und das ist geschehen und wurde bekanntgegeben.

In diesem Kontext ist es nicht wichtig, wie viel und auf welche Weise jede Person der Bewegung hilft. Das Wichtige ist, ein grundsätzliches Ziel und einen grundsätzlichen Willen im ganzen Land zu entwickeln - aus einer Familie heraus, oder auf individueller Ebene, bis hinauf zu den politischen Parteien. Jedem muss es möglich sein, durch seine Handlungen und seine Lebensweise seinen Beitrag zu dieser großen Bewegung zu leisten.
Ich habe immer daran geglaubt, dass jeder rechtschaffene Mensch - eine alte Frau, ein alter Mann, ein Mensch ohne Möglichkeiten des Engagements für solche Aktivitäten... wenn so ein Mensch zu Hause betet, so ist das für uns auch als eine Form des Aktivismus zu sehen, die sich bis in die existierenden Gruppenstrukturen hinein ausdehnen kann.

Heute sehen wir eine außerordentliche Blüte künstlerischer Aktivität, die keinen Bezug zu politischen Parteien hat, aber doch Teil eines erweiterten sozialen Netzwerks ist. Die Bücher, Lieder, Gemälde, Karrikaturen, die in der letzten Zeit entstanden sind, sind so noch nie dagewesen. In Wirklichkeit definieren sie die Stimme dieser großen Welle und führen sie. Kleine Künstlergruppen innerhalb und außerhalb des Landes haben der Bewegung auf diese Weise geholfen. Ebenso haben religiöse Gruppen, Wohlfahrtsorganisationen und andere ihren Beitrag geleistet.
Kampf ist zu einer unaufhaltsamen Lebensweise geworden - er kann nicht aufgehalten werden. Und aus diesem Grund ist die Bewegung verwundbar - eine Bewegung, deren Richtung in einem Klima des Dialogs den Feinschliff erhält. Diesbezüglich sind die Medien unglaublich wichtig, und die Menschen die in den digitalen Medien so hart arbeiten, müssen an dieser Stelle gelobt werden. Unter Bedingungen, in denen wir keine Mittel haben, empfehle ich, solchen Instrumentarien eine größere Aufmerksamkeit beizumessen. Das ist ein Wunder, dessen Zeugen wir während und nach der Wahl geworden sind. In unserer gegenwärtigen Situation müssen wir diese Instrumentarien nutzen. Diese Medien ermöglichen es uns, Menschen miteinander zu verbinden und eine massive, breitangelegte und langlebige Bewegung zu schaffen.

Ein Grund für die Dauerhaftigkeit dieser Bewegung ist, dass sie keiner einzelnen Gruppe zugeordnet ist ["keiner Partei oder politischen Strömung, auch verfolgt sie keine besimmte detailorientierte Linie, noch ist sie vollständig oppositionell" - Einschub aus der englischen Übersetzung auf http://www.facebook.com/note.php?note_id=160862192605&id=45061919453&ref=nf] Es ist eine Bewegung, die verwoben ist mit den Zielen, Sehnsüchten und mit dem Leben der Menschen. Wir wollen damit nicht sagen, dass es sich hier um die definitive Interpretation des Koranverses "richte dein Haus nach der Qibla aus" handelt (Qibla: Gebetsrichtung zur Kaaba in Mekka), doch er hat uns inspiriert.

Die Menschen haben diese Bewegung aufrecht erhalten, in dem sie sich ihren weitreichenden sozialen Netzwerken und kleinen Gruppen zuwandten, von denen jede ihren eigenen Anteil an der Bewegung beiträgt, so dass die Bewegung Form annehmen und weitergehen kann [der letzte Teil ist die Übersetzung der Version unter dem o.g. Link. Die englische Übersetzung von homylafayette sagt an dieser Stelle "in many of which we have a stake."]
Ich denke, das trägt zur Klärung bei.

Interviewer:
Ich hoffe, dass wir noch öfter Gelegenheit haben werden, Ihnen weitere Fragen zu stellen...

Mir Hossein Mousavi:
Ich würde gern einen letzten Punkt hinzufügen. Ich weiß nicht, ob wir dafür genug Zeit haben.
Es ist ein sensibler Punkt, der mit Ihrer ersten Frage zu tun hat.
So lange nicht akzeptiert wird, dass wir im Land eine Krise und ein Problem haben, solange die Mehrheit des Volkes als Aufrührer bezeichnet werden, so lange die Menschen nicht berücksichtigt werden, so lange das Recht der Menschen auf eine selbstbestimmte Zukunft nicht respektiert wird, so lange wird es für das gegenwärtige Problem keine Lösung geben.
Im Kontext mit der zweiten Definition von nationaler Einheit, die wir besprochen haben, und mit der Vorgehensweise mancher Personen und Gruppen auf politischer Ebene zur Lösung der Krise glaube ich, dass gewährleistet werden muss, dass die in allen unternommenen Schritten die Menschen respektiert werden. Die Menschen sind verbunden, selbst die, die unterschiedliche Meinungen vertreten. Wir sind diejenigen, die die Menschen spalten. Jeder, der auf den Plan tritt, muss alle Menschen und all ihre Ansichten respektieren. Wir müssen zur Verfassung und zum Prinzip der Souveränität der Menschen zurückkehren. Dann wird es leicht sein, eine Lösung für die Krise zu finden.

Samstag, 17. Oktober 2009

Freitagsgebet 15.10.2009: Ayatollah Janati fordert hartes Vorgehen am 4. November

Veröffentlicht am 16. Oktober 2009 auf Payvand Iran News
(Quelle: Radio Zamaaneh)
Quelle (Englisch): http://www.payvand.com/news/09/oct/1162.html
Deutsche Übersetzung: Julia
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Ayatollah Janati, der heute das Freitagsgebet in Teheran hielt, rief zu unerbittlicher Konfrontation der Protestteilnehmer am 4. November/13. Aban) auf.

Der 4. November 1979, der Tag, an dem iranische Studenten die Amerikanische Botschaft in Teheran besetzten, wird im Iran jedes Jahr als Wendepunkt in der Geschichte der Islamischen Republik gefeiert. in diesem Jahr haben Gegner der Präsidentschaftswahl im Juni angekündigt, dass sie sich an diesem Tag den Märschen anschließen werden, um nochmals ihren Protest gegen die Regierung zu äußern.

IRNA zitierte den konservativen Geistlichen Ayatollah Janati mit den Worten: "Der 4. November muss als Tag des Kampfes gegen die weltweite Unterdrückung geehrt werden. Jeder muss an diesem Tag teilnehmen und ihn ehren. Doch einige, die zu Bauernopfern anderer geworden sind, wollen ihre amerikanische und israelische Natur zeigen."

Der oberste Geistliche des Wächterrats fügte hinzu: "Seit langer Zeit werden diese Aufständischen von einem nicht identifizierten Zentrum aus geführt worden, und sie haben gewisse Pläne für die Zukunft. Diese Leute sind Bauernopfer, ob es ihnen bewusst ist oder nicht."

Er führte an, dass die Justiz und die Sicherheitskräfte "den Islam, das Volk, die Revolution und die Märtyrer verraten, wenn sie den Aufständischen mit Schwäche begegnen".

Zur Vorgehensweise der Regierung gegen Demonstranten erklärte Ayatollah Janati: "Wer schenkt seinem eigenen Mörder Blumen? Warum also sollte die Islamische Republik denen Blumen schenken, die sie zerstören, wo sie doch noch immer mit ihren kriminellen Aktionen weitermachen?"

Plakat der Grünen Bewegung mit Einladung
zur Demonstration am 13. Aban

Ayatollah Janatis Äußerungen fallen zusammen mit Ban Ki Moons besorgtem Bericht an die UN-Generalversammlung über die Unterdrückung von Dissidenten in Iran.
Janati beschreibt die Proteste nach der Wahl als tief verwurzeltes Problem für die Islamische Republik, das nicht einfach von der Hand zu weisen sei.

Er erklärte, dass die aufrührerischen Pläne für den 4. November ebenso entschärft werden würden, wie die für den Quds-Tag und die Eröffnung der Universitäten neutralisiert wurden.

Am diesjährigen Quds-Tag am 18. September hatten Oppositionsführer und ihre Anhänger Demonstrationen veranstaltet, die mit dem offiziellen Quds-Marsch gegen Israel konkurrierten. Die Demonstranten hatten Parolen gegen Mahmoud Ahmadinejads Regierung gerufen, die ihrer Meinung nach in den diesjährigen Präsidentschaftswahlen vom Juni durch Wahlbetrug an die Macht kam.

Auch an den Universitäten haben sich seit Beginn des Herbstsemesters unzählige Studentenproteste abgespielt.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

4. November: Opposition lässt die Muskeln spielen

Veröffentlicht auf mowjcamp.com am 13. Oktober 2009
Quelle (Englisch): http://english.mowjcamp.com/article/id/47100
Übersetzung: Julia
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Nach der erfolgreichen Übernahme des Quds-Tages ("Jerusalem-Tag"), der seit vielen Jahren von einer bestimmten radikalen Gruppierung innerhalb des Staates als Plattform genutzt wird, um das Thema Palästina vor ihren eigenen Karren zu spannen, sieht die iranische Opposition nun begierig dem 4. November entgegen - einem weiteren Tag, um der Putschregierung in Erinnerung zu rufen, dass das Thema der Wahlen noch lange nicht vom Tisch ist.

Auch vier Monate nach dem Staatsstreich vom 12. Juni haben die Iraner den Tag nicht vergessen, an dem ihre Stimmen ihnen so unverfroren vor ihren eigenen Augen gestohlen wurden. Vier Monate später ist die Grüne Bewegung noch immer entschlossen, ihre Opposition zur gegenwärtigen Regierung zu zeigen, die keinerlei Legitimität besitzt.

Seit den ersten Tagen der Revolution wird der 4. November im Iran mit von der Regierung organisierten Demonstrationen im Gedenken an die Besetzung der US-Botschaft in Teheran durch eine Gruppe von iranischen Studenten begangen (vom 4. November 1979 bis zum 20. Januar 1981, d. Übers.). In diesem Jahr jedoch ist es die Grüne Bewegung, die den Ton dieser Demonstration angeben wird, wie sie es schon am Quds-Tag tat: Eine Bewegung, die nicht in der Regierung vertreten, aber fähig ist, das Schicksal des Landes zu gestalten.

Jede dieser von der Regierung in Auftrag gegebenen Anlässe ist eine Chance für uns, um den Geist des Widerstandes gegen eine Regierung wiederzubeleben, die ihr eigenes Volk so offen und schamlos belügen kann, ohne irgendetwas von irgendjemandem zu befürchten, während ihre Schläger diejenigen töten, einsperren und foltern, die es wagen, sich gegen ihre drakonischen Vorgehensweisen zu erheben. Jeder Anlass ist eine Gelegenheit für die Iraner, auf die Straßen zu gehen und das zurückzuverlangen, was rechtmäßig ihnen gehört. Der 4. November ist ein solcher Anlass.

Die Regierung Ahmadinejad hat wieder und wieder unter Beweis gestellt, dass sie vor nichts Halt machen, sogar den Forderungen des Auslands nachgeben wird, um die Illegitimität im Inneren zu kompensieren, wenn es darum geht, an der Macht zu bleiben. Sie greift weiterhing auf Maßnahmen zurück, die nur totalitäre Regimes nutzen in der Hoffnung, ihren Griff um die Macht zu festigen.

Der 4. November ist für die Grüne Bewegung eine Gelegenheit, die Obrigkeit aufzufordern, zur Besinnung zu kommen und jene zu befreien, die die Islamische Revolution verwirklicht haben und nun in Irans berüchtigten Gefängnissen ihr Dasein fristen.

Unsere Bewegung wird aber nicht von einem einzelnen Führer, einer Gruppe oder einem Kern angeführt. Ihr Erfolg ist eng verflochten mit dem Willen und der Entschlossenheit der Menschen, die ihre Grünen Symbole mit Solz tragen und für eine Veränderung in ihrem Heimatland auf die Straße gehen. Die wahre Kraft unserer Bewegung liegt in den Bindungen und sozialen Netzwerken, die wir vor dem 12. Juni so sorgsam geknüpft haben. Der 4. November ist eine weitere Gelegenheit für uns, um diese Bindungen zu verbessern und zu erweitern und unsere Grüne Bewegung noch mehr als zuvor zu stärken, wie es Mir Hossein Mousavi so hervorragend ausdrückte.

Die Ereignisse der letzten Monate haben gezeigt, dass wir als Individuen, und niemand sonst, die wahre Quelle der Kraft der Grünen Bewegung sind.

In diesem Sinne ruft Mowjcamp alle Grünen Aktivisten auf, Ideen, Gedichte, Artikel, Weblogs, Bilder, Plakate, Audio- und Videomaterial beizusteuern, um den 4. November zu einer Demonstration der Kraft der Grünen Bewegung zu machen.

Schreibt uns E-Mails mit euren tollen Ideen, die für die Grüne Bewegung von Anfang an immer eine treibende Kraft waren, und denkt daran, dass der gemeinsame Erfolg unserer Bewegung vor allem von unserer individuellen Überzeugung für unsere gute Sache beeinflusst wird.

Montag, 12. Oktober 2009

Was haben die Iraner aus den letzten 30 Jahren gelernt?

Veröffentlicht auf http://www.iranian.com/main/blog/faramarz-fateh/what-have-iranians-learned-past-30-years
Von Faramarz_Fateh, 12. Oktober 2009

Ein paar Jahre nach der Islamischen Revolution - sagen wir, 1983 oder so - machte sich unter der Mehrheit der Iraner Unzufriedenheit mit den Zuständen in ihrem Land breit. Nun sind wir Iraner niemals vollkommen zufrieden mit irgendetwas, doch die Unzufriedenheit und das Missfallen mit dem islamischen Regime ging und geht noch immer ziemlich tief.

Was haben wir als Nation im Rückblick aus all dem gelernt? Wir haben unser möglichstes getan, um einen in westliche Yves Saint-Laurent- und Bill Blass-Anzüge gekleideten Halbdiktator (sicher ein strittiger Punkt), der Englisch und Französisch sprach, in der Schweiz studiert hatte, abzusetzen und dafür einen absoluten Diktator zu bekommen, der Arabisch sprach und Abaa und Ammameh trug und in Qom und Najaf studiert hatte.

In der Schah-Zeit ging es rund 5% der Bevölkerung sehr gut, weiteren 10-15% ging es gut, und die restlichen 80% mussten kämpfen, um irgendwie durchzukommen. Heute ist es ziemlich genau so. Oder nicht?

Die Islamische Revolution spielte sich ab wie jede andere; Menschenmassen agierten meist mit viel Emotion und ohne große Gedanken an die Konsequenzen ihres Tuns. Wiederholen die Iraner dies heute? Ist Mousavi der Retter? Was meinen wir damit, wenn wir "Demokratie" sagen? Ein politisches und Regierungssystem wie in den USA oder Großbritannien, oder etwas anderes? Und wenn ja, was? Welche Rolle wird der Islam bei all dem spielen? Kann der Islam im Hintergrund bleiben? Kennen wir irgendein Land, in dem der Islam keine Rolle in der Politik spielt?

Wo sind die Menschen, die diese demokratische Regierung führen werden? In den letzten 30 Jahren hat das islamische Regime nicht zugelassen, dass andere als ihre eigenen Kandidaten der breiteren Öffentlichkeit bekannt werden konnten. Wenn ich mit meiner Familie und Freunden im Iran spreche, so fällt ihnen eigentlich niemand ein, der eine demokratisch gewählte Regierung anführen könnte.

Je mehr ich über diese Situation nachdenke, desto mehr bin ich überzeugt, dass der erste Schritt für Iran und die Iraner sein könnte, sich über die künftigen Führer klar zu werden, bevor die alten beseitigt werden. Anderenfalls könnte das entstehende Vakuum allen möglichen Müll einsaugen, und die Iraner hätten weitere 30 Jahre Elend vor sich.

Irans Oppositionsführer fordern Sendezeit im Fernsehen

Veröffentlicht auf zamaaneh.com am 12. Oktober 2009
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/10/iran-opposition-leaders-d.html
Übersetzung aus dem Englischen: Julia
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Die iranischen Oppositionsführer Mir Hossein Mousavi und Mehdi Karroubi haben an das staatliche Fernsehen appelliert, ihnen Sendezeit für die Begründung ihrer Wahlbetrugsvorwürfe einzuräumen.

Die Webseite Tagheer der National Trust Party berichtet, dass die beiden Oppositionsführer sich am Samstag in Karroubis Wohnung getroffen hätten, um die Ereignisse nach der Wahl zu diskutieren.

Mousavi ging auf die Bedeutung des 4. November als Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft in 1979 durch Studenten ein. Er erklärte: "Diejenigen, die an jenem Tag eine Legende hervorbrachten, befinden sich jetzt im Gefängnis, und das ist die bittere Ironie der Geschehnisse heute."

Saeed Hajjarian, den viele als Architekten der iranischen Reformbewegung ansehen, war einer der Studenten, die an der Übernahme der US-Botschaft in 1979 beteiligt waren. Er wurde nach der Präsidentschaftswahl im Juni dieses Jahres inhaftiert und in den widerrief im Schauprozess gegen ihn all seine Reformideen. Seine Geständnisse, ebenso wie die diverser anderer prominenter Reformer, gelten als erzwungen.

Mousavi bezeichnete die Gerichtsverfahren gegen diese Persönlichkeiten als "Schauprozesse" und warnte die Obrigkeit, man werde die negativen Folgen dieser Vorgehensweise in der Gesellschaft aufmerksam verfolgen.

Der frühere iranische Premierminister warf (Inhabern von) "gewissen Machtpositionen" in der Islamischen Republik vor, "öffentliches Kapital zu missbrauchen" und monierte den Kauf eines mehrheitlichen Aktienanteils an der Iranischen Telekommunikationsgesellschaft für 8 Mrd. Dollar durch die Islamischen Revolutionsgarden.

Die Revolutionsgarden haben ihre Kontrolle über die Wirtschaft des Landes durch eine Reihe von Finanzaktionen ausgeweitet, was nicht nur die Opposition, sondern auch einige Regierungsbehörden alarmiert hatte.

Mousavi beschuldigte das iranische Staatsfernsehen Seda va Sima, das Image der Protestbewegung zu beschmutzen: "Seit drei oder vier Monaten verbreitet man bei Seda va Sima und allen anderen Medienkanälen Lügen über mich, Herrn Karroubi und unsere Anhänger. Sollten wir nicht eine Gelegenheit haben, uns zu verteidigen?"

Mousavi verurteilte die mediale Lügenverbreitung: "Wie oft haben sie ihre Angaben über die Zahl der nach den Wahlen Getöteten geändert? Und dann sagen sie, dass wir Lügen über Wahlbetrug verbreiten."

Mehdi Karroubi unterstützte Mousavis Kritik an der Regierung: "Wenn es keinen Betrug bei der Wahl gegeben hat, warum gibt es dann all diese Proteste? Wenn Sie die Wahrheit sagen, dann sollten Sie uns zum Ausgleich für all die Stunden, die Sie mit dem Abstreiten des Betruges und dem Erzwingen von Geständnissen unschuldiger Gefangener verbracht haben, Sendezeit im Fernsehen zur Verfügung stellen, damit wir unsere Gründe und unsere Beweise darlegen können."

Mousavi forderte die Fernsehübertragung eines Treffens mit Vertretern beider Seiten, um eine ausgewogene Darstellung der Wahlereignisse zu erreichen.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Behörden beschließen Rausschmiss von 300 Studenten aus Wohnheimen

Quelle (Englisch): http://www.ihrv.org/inf/?p=2950
Verfasst von IHRV, Veröffentlicht am 3. Oktober 2009
Übersetzung: Julia
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Das Disziplinarkomitee der Teheran-Universität hat in einem Akt der Vergeltung Briefe an Bewohner von Studentenwohnheimen verschickt und sie aufgefordert, ihre Zimmer zu verlassen.

Wie betroffene Studenen in einem Statement mitteilten, war am Morgen des 29. September ein Sicherheitsbeamter der Universität in einigen Zimmern der Wohnheime 14, 17 und 18 erschienen und hatte einen vom Disziplinarkomitee der Universität und der Universitätsleitung unterzeichneten Brief übergeben. In dem Brief heißt es, dass die namentlich aufgeführten Studenten die Wohnheimanlagen nicht länger nutzen dürfen.

Dieser Brief wurde bereits an mehr als 50 Studenten ausgehändigt, weiteren 100 Studenten wurde die Nutzung der Anlagen bereits bis auf Weiteres verboten. Als Grund werden in dem Brief Störungen der Ordnung in den Wohnheimen genannt, weiterhin werden Verhaltensregeln zitiert, die in keiner anderen Aufstellung enthalten sind.

Bereits gestern erhielten einige Studenten die Anweisungen von der Leitung, aber eine große Anzahl von Studenten bekamen ihre Briefe vom Sicherheitsdienst der Universität gestern Abend. Das Zutrittsverbot zu den Wohnheimanlagen wird bis zur Aufhebung des Erlasses in Kraft bleiben. Einer der Studenten, dessen Name ebenfalls auf der Liste steht, sagte, die vollständige Liste enthalte Namen von etwa 300 Studenten, es seien aber noch nicht alle Ausweisungen zugestellt worden. Viele der aus den Wohnheimen vertriebenen Studenten haben keine Unterkunft in Teheran.

Quelle: Freedom and Equality Newsletter

Samstag, 3. Oktober 2009

Mousavi: Soziale Netzwerke müssen stärker werden

Quelle (Englisch): http://english.mowjcamp.com/article/id/39529
Veröffentlicht auf mowjcamp am 2.10.2009

Übersetzung: Julia
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Zum wiederholten Male hat Mir Hossein Mousavi mit Nachdruck auf die "Netzwerke im Cyberspace" hingewiesen, die angesichts fehlender ausgewogen und unabhängig berichtenden Medien "sehr effektiv" gewesen seien. Er betonte, wie wichtig die "sozialen Netzwerke hinter dem Cyberspace" seien, die "weniger angreifbar" sind. "Die Mitglieder dieser Netze haben der Bewegung Aktivität verliehen und uns Hoffnung auf große Wirkung dieser Gruppen gemacht."

Bei einem Treffen mit Mitgliedern der Reformfraktion des iranischen Parlaments betonte Mousavi die Notwendigkeit "nationaler Einheit" und erklärte: "die Grüne Bewegung hat sich nach den Wahlen ausgebreitet und vertieft und im Land einmalige Verhältnisse geschaffen. Teile der Gesellschaft, die das Vertrauen in das System verloren hatten, denken jetzt wieder mit mehr Zuversicht an das Schicksal des Landes”

Mousavi sagte: "Die Tatsache, dass die Menschen freundlicher zueinander sind und einander mehr Toleranz entgegenbringen ist ein Ergebnis der gegenwärtigen Situation, das die nationale Einheit stärken und die Risse lindern kann, wenn es denn als Chance wahrgenommen wird.”

Mousavi argumentiert, dass die Gründung neuer Parteien die Möglichkeiten des Landes nicht verbessern würde, wohingegen eine Stärkung der sozialen Netzwerke diesen Effekt haben könnten.

“Für den Quds-Tag gab es keine Ankündigungen, trotzdem haben wir an dem Tag eine starke Präsenz verzeichnet, und dies trotz der Atmosphäre der Angst und den Ereignissen der vergangenen 3 Monate," sagte Mousavi. "Das war Ergebnis und Effekt dieser Netzwerke."

Mousavi sprach auch den Missbrauch von Häftlingen und die Misshandlung von Studenten an, die die Gesellschaft, insbesondere die Jugend, radikalisiert hätten. Er rief die Regierung und die Geheimdienste zur Zurückhaltung auf, damit eine "Radikalisierung der Gesellschaft" vermieden werde.

Der frühere Premierminister erklärte, das Ausland werde die Illegitimität und Inkompetenz der Regierung für ihre eigenen Ziele nutzen. "Wir können mit Sanktionen gegen das Land nicht einverstanden sein, wir können nicht damit einverstanden sein, unsere Rechte aufzugeben, und wir können nicht zulassen, dass durch Abenteurertum noch mehr Leid über die Menschen kommt." Mousavi äußerte sich besorgt darüber, dass wegen der fehlenden fairen Medien (im Iran) die Menschen ihre Nachrichten vermehrt aus ausländischen Medien beziehen könnten.

Der unterlegene Präsidentschaftskandidat rief weiterhin zur vollständigen Anwendung der Verfassung auf, um die derzeitige Krise zu umgehen, und äußerte die Hoffnung, dass das Parlament die ihm zugeteilte Rolle bei der Lösung der Probleme im Land ausfüllen werde.

Montag, 28. September 2009

Sanktionen, Krieg oder Unterstützung?

Quelle (Englisch): http://iranian.com/main/blog/mahmood-karimi-hakak/sanctions-war-or-support
Übersetzung: Julia
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von Mahmood Karimi Hakak
28. September 2009

Als Reaktion auf Ahmadinejads letzten Besuch haben viele Gruppen, Organisationen und Regierungsmitarbeiter nach mehr Sanktionen gegen und/oder einer militärischen Intervention im Iran gerufen. So schätzenswert die Bemühungen dieser Gruppen um eine Diskreditierung Ahmadinejads sind - und in der Tat müssen dieser Mann und seine skrupellosen, barbarischen und kaltblütigen Hintermänner gestoppt werden - habe ich im Zusammenhang mit ihrer Botschaft einige Befürchtungen. Ich glaube, dass diese Gruppen und Organisationen bei all ihrer guten Absicht dem diktatorischen Regime in Iran in die Hände spielen. Sie fordern exakt das, was Ahmadinejad will; mehr Sanktionen und/oder einen möglichen Krieg mit Iran!

Ahmadinejad ist nicht dumm. Er und seine Hintermänner sind bösartig, aber viel, viel schlauer als wir vielleicht denken. Sie wissen, dass das Ende ihres Regimes naht. Sie wissen es durch das, was in den letzten Jahren und - sichtbarer für die Welt - in den letzten Monaten im Iran passiert ist. Sie (und viele politische Beobachter ebenso) haben die Ähnlichkeiten zwischen heute und dem Beginn der Revolution vor dreißig Jahren erkannt. Sie begreifen, dass das Einzige, was sie retten und weitere 30 Jahre an der Macht halten kann, eine "ernsthafte" ausländische Intervention ist, so wie Saddams Angriff auf Iran im Jahre 1980.

Strengere Sanktionen werden als "indirekte ausländische Intervention" übersetzt und MEHR Druck auf das iranische Volk herbeiführen, mehr Inhaftierungen, Vergewaltigungen, Hinrichtungen politischer Dissidenten. Und sie werden wahrscheinlich dazu führen, dass die Unterstützung für Ahmadinejads Präsidentschaft wächst und dazu beitragen, dass die Massen-Opposition effektiv zum Schweigen gebracht wird. Ein Krieg wird als "direkte ausländische Einmischung" übersetzt werden und mehr Menschen auf ihre Seite bringen. Es wird sehr wahrscheinlich die Iraner dazu mobilisieren, ihr Land zu verteidigen und unter dem Schirm dieses brutalen Regimes zu marschieren, um die "ausländische Intervention" zu bekämpfen, so wie es 1980 geschah.

In 1980 gab es Massendemonstrationen gegen das Establishment einer "Islamischen" Republik und die Regierung der Mullahs. Die Menschen wollten keinen religiösen Staat, sie nahmen Khomeini mit seinem Versprechen (das er in Paris gegeben hatte) beim Wort: "alles, was [er] will, ist den Schah loszuwerden und Iran zu befreien." Bei vielen Gelegenheiten (eine davon ist das aufgezeichnete Interview mit Peter Jennings) sagt er, sobald der Schah weg sei, werde er in Qom leben und die Menschen entscheiden lassen, welche Art von Regierung sie sich für ihr Land wünschen. Wir alle wissen, dass es nicht so kam. Als der Schah weg war, handelte Khomeini gegen seine früher erklärten Absichten, blieb in Teheran und nannte sich selbst "Oberster Führer".

Als die Menschen gegen diese Entscheidung protestierten, wurde die amerikanische Botschaft besetzt, womit ein "ausländischer Feind" geschaffen wurde. Amerika seinerseits ermutigte Saddam, Iran anzugreifen (exakt das, was Khomeini gehofft hatte), und der achtjährige Krieg begann. Im Namen der Rettung ihres Landes marschierten Iraner unter seinem Kommando. Politische Aktivisten kamen ins Gefängnis, wurden vergewaltigt, gefoltert und getötet, und die Verfassung der "Islamischen Republik" wurde entworfen. Ein Jahr nach Kriegsbeginn zog Saddam sich zurück, Prinz Faysal von Saudi Arabien traf sich mit Khomeini und bot 90 Mrd. Dollar als Kompensation für den Krieg unter der Bedingung, dass Khomeini die Friedensvereinbarung unterzeichnet. Doch Khomeini und seine Bande hatten ihren Griff um das Land noch nicht gesichert. Sie brauchten mehr Zeit. Darum wies Khomeini das Angebot zurück und unterzeichnete die Vereinbarung nicht. Sieben Jahre später, mit fast einer Million Toten auf beiden Seiten, war die Oppositionsbewegung zum Schweigen gebracht, Frauen "an ihren Platz verwiesen", Intellektuelle waren aus dem Land geflohen oder hatten sich dem Regime untergeordnet, politische Aktivisten der mittleren Ränge wurden zum Schweigen gebracht oder unterschrieben "reumütige Briefe", und hochrangige politische Aktivisten waren entweder im Gefängnis oder verschwunden.

Dann, 1988, bevor er "das Gift trank" und die Friedensvereinbarung mit Saddam (dieses Mal ohne Kompensation) unterzeichnete, ordnete Khomeini die nächtliche Hinrichtung von mehr als 3000 politischen Aktivisten an, die sich noch im Gefängnis befanden. Es gibt unzählige Horrorgeschichten über diese Nacht. Eine dieser Geschichten wird wieder und wieder erzählt, von Gefängniswärtern und Henkern selbst. Sie sagen, sie "hatten nicht genug Zeit", um jede Person sterben zu lassen, darum warfen sie sie bei ersten Anzeichen des Schwächerwerdens auf Lastwagen mit halbtoten Menschen und brachten sie zu Massengräbern. Das Land war "gesäubert" von der Opposition, und nun konnte er (Khomeini) das Friedensabkommen unterzeichen. Der Rest ist Geschichte: drei Jahrzehnte brutaler Unterdrückung des iranischen Volkes, Destabilisierung der Region und Unterstützung des Terrorismus.

Jetzt braucht das iranische Regime wieder die Hilfe ausländischer Regierungen und Gruppen, um seinen Griff um die Bürger zu verstärken und weitere 30 Jahre an der Macht bleiben zu können. Nach der Konfrontation mit massiver Opposition innerhalb Irans spielt dieses Regime dasselbe Spiel, setzt auf dieselben Karten, die ihm in der Vergangenheit ein Vermögen beschert haben. Es provoziert "ausländische Interventionen", direkt oder indirekt, um sein Ziel - weitere 30 Jahre Diktatur - zu erreichen. Warum, denken Sie, fängt Ahmadinejad jetzt, nach fast vier Jahren, wieder mit seiner Leugnung des Holocaust an, nachdem er das Thema so lange fallen gelassen hatte? Warum "sickerten" ausgerechnet dieser Tag Nachrichten einer weiteren Nuklearanlage durch? Ist das alles wirklich zufällig?

Diese Geschichte wiederholt sich, wieder einmal. Dieses Mal jedoch hoffe ich, dass das iranische Regime sich mit klügeren ausländischen Regierungen konfrontiert sieht, die ihm nicht in die Hände spielen, wie Reagan und Saddam es 1980 taten.

Was das iranische Volk braucht, um diese Diktatoren loszuwerden, ist keine "ausländische Intervention" in Form von mehr Sanktionen oder einem weiteren Krieg. Was es braucht, ist ausländische Unterstützung. Was es braucht, ist, dass dieser Mann NICHT als ihr Präsident ANERKANNT wird. Es braucht, dass die Welt die Brutalität dieses Regimes gegen sein eigenes Volk öffentlich macht, und es braucht, dass die Welt das persönliche Kapital dieser Leute auf ausländischen Banken einfriert. Und natürlich werden Veranstalter anderer "Unterstützungen" gebraucht, um den Iranern dabei zu helfen, dieses Regime zu bezwingen - nicht durch eine bloße weitere "Revolution", die irgendwann einen Diktator durch einen anderen ersetzt, sondern dadurch, dass den Iranern ermöglicht wird, sich den Weg der "Evolution" zu bahnen, auf dem sie schon marschieren.

Lasst und dem iranischen VOLK helfen, nicht der iranischen REGIERUNG, bitte!

Samstag, 26. September 2009

Fundamentalistischer Geistlicher ruft die Öffentlichkeit zum Vorgehen gegen Demonstranten auf

Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/09/fundamentalist-cleric-cal.html
Übersetzung: Julia


Veröffentlicht am 25. September 2009 auf Radio Zamaneh

Der fundamentalistische Geistliche und Vorsitzende des Wächterrats Ayatollah Janati sagte dem Auditorium seiner Freitagspredigt, wenn die Justiz und die Sicherheitskräfte nicht in der Lage seien, "Aufrührern und Agitatoren" entgegenzutreten, sei es die Pflicht eines jeden Moslems, sich ihnen entgegenzustellen.

Im Verlauf der Proteste, die nach den Vorwürfen des Wahlbetrugs ausgebrochen waren, haben viele Konservative und Medien die Demonstranten als "Aufrührer und Agitatoren" bezeichnet. Während der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste hatten Zivilpolizisten die Menge angegriffen und friedliche Demonstranten brutal geschlagen und verletzt. Bis heute hat kein Regierungsorgan die Verantwortung für diese Angriffe übernommen.

Janati erklärte den Gläubigen, "alle Moslems" seien "verpflichtet, sich denen entgegenzustellen, die jedwede Art von Misshandlung, Aggression oder Störung begehen." Damit ruft erstmals ein iranischer Offizieller die Öffentlichkeit dazu auf, bezüglich der Demonstranten gegen die Wahlen das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen.

Vor der Predigt Janatis hatte der Militärberater des Obersten Führers, Generalmajor Rahim Safavi, gesagt, in den letzten drei Monaten der Unruhen hätten "diverse Mitglieder der Elite des Kreises um den Führer diesen dadurch betrogen, dass sie sich den Gesetzesbrechern nicht mit Entschlossenheit entgegen stellten."

Janati spielte auf die Kluft innerhalb der Islamischen Regierung an, als er erklärte: "Einige unserer eigenen Leute haben Probleme geschaffen, indem sie Positionen einnahmen, die im Widerspruch zu unserer Sicherheit und unserem nationalen Wohlergehen stehen."

Mir Hossein Mousavi und Mehdi Karroubi, die beiden Konkurrenten um das Präsidentenamt bei der letzten Wahl, wurden von Befehlshabern des Militärs beschuldigt, "Unruhen und Rechtsbrüche zu provozieren". Ohne Namen zu nennen, verlieh Safavi seiner Hoffnung Ausdruck, dass "diese Menschen in den Schoß des Islam zurückfinden".

Der "sanfte Krieg" zum Sturz der Islamischen Republik ist von mehreren iranischen Beamten als Ziel der jüngsten Proteste zitiert worden und wurde auch von Safavi beim Freitagsgebet thematisiert. Während der Oberste Führer ausländische Medien, menschliche Macht (? human power), Schriftsteller, Intellektuelle, Denker und internationale Geschäftsleute als Werkzeuge des sanften Krieges genannt hatte, diskreditierte Generalmajor Safavi die Streitkräfte als weiteres Instrument dieses sogenannten sanften Krieges.

Die gewaltsamen Angriffe auf Demonstranten gegen die Wahl erfolgten durch verschiedene Zweige des iranischen Militärs, darunter Sicherheitskräfte, Revolutionsgarden und die Basij-Milizen.

In den vergangenen Monaten sind viele Demonstranten in den Haftanstalten der Revolutionsgarden festgehalten worden. Tausende Demonstranten wurden in den letzten drei Monaten im Zusammenhang mit den Wahlprotesten verhaftet, die Mahmoud Ahmadinejads Wahlsieg anfechten.

Freitag, 25. September 2009

Briefaustausch Mousavi - Montazeri September 2009

Übersetzung: Julia
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(Anmerkung: die Übersetzung der Koranzitate ist sinngemäß. Übersetzungen der iranischen Verfassung sind entnommen aus http://www.eslam.de/manuskripte/verfassung_iri/kapitel03.htm)

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Danke an Pedestrian, der dies auf www.sidewalklyrics.com gepostet hat:
Mousavis Brief an Montazeri

Im Namen Gottes, des Mitfühlenden, des Barmherzigen
An den ehrenwerten Marja Großayatollah Montazeri

Grüße,

nach den Ereignissen der letzten Monate veröffentlichte ich das angehängte Statement. Wir haben immer die Notwendigkeit verspürt, mit den ehrenwerten Marjas und ergebenen Geistlichen zu arbeiten und zu kooperieren, was mich ermutigte, eine Kopie an Sie zu senden, um Sie um Ihren Rat zu bitten.

Das erste Ziel dieses Statements ist es, [die Botschaft auszusenden, dass] wenn Menschen Ärger und Unzufriedenheit verspüren, sie diese negativen Gefühle in ihren Herzen nicht gegen die Religion wenden mögen. Dies [die Menschen vor solchen Gefühlen zu bewahren] ist die Verantwortung aller, die vom Islam tief beeinflusst sind, insbesondere der geistlichen Elite. Sie dürfen nicht zulassen, dass die verschiedenen sozialen Gruppen - insbesondere die Jugend, die die Mehrheit der Bevölkerung stellt - von den oberflächlichen, falschen und selektiven Interpretationen der Religion in die Irre geführt wird und sich auf Grund eines impulsiven Gefühls vom Islam distanziert.

Die staatlichen Medien versuchen beharrlich, uns als die Quelle der jüngsten Unruhen darzustellen. Gleichzeitig hat das Verhalten der Behörden - nicht nur während der Wahl, sondern schon seit vielen Jahren - dazu geführt, dass sich (bildlich gesprochen) ein Berg von Stroh aufgetürmt hat, den die jüngsten groben Fehler entflammt haben. Der Wind der Arroganz fachte dieses Feuer von Tag zu Tag mehr an. Ich persönlich stelle mich auf die Seite der Menschen, deren Rechte in illegalen, unislamischen und ungerechtfertigten Aktionen mit Füßen getreten wurden.

Mit Bezug auf unstrittige Dokumente bin ich sicher, dass es in der letzten Wahl ohne Zweifel systematischen Betrug gegeben hat. Gleichzeitig wäre es nicht schwer gewesen, noch weitere 20 Jahre zu schweigen, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass die Welle des Zorns der Menschen eine unmittelbare Gefahr für das System darstellt.
Wenn man [ein Führer] schweigt und ausweicht, werden die Menschen von dieser Bewegung nicht ablassen, so wie sie es auch in der Vergangenheit nicht getan haben. Die Bewegung würde vielmehr nach einer kurzen Phase der Verwirrung von neuem beginnen. Die Bewegung wird von neuem beginnen, dieses Mal aber blind, ohne sich auf einen Anhänger des Establishments stützen zu können. Dann würden vielleicht andere, die ein Auge auf unser Land geworfen haben, eingreifen, um die Bewegung für ihre eigenen Ziele auszunutzen und ihre eigene Gier zu befriedigen.

Ein weiteres Ziel dieses Statements ist es, zusammen mit meinen anderen Statements und Aktivitäten, die Bewegung des Volkes im Rahmen des Establishments zu halten, damit sie sich nicht auf den gefährlichen Weg der Zerstörung der Struktur [des Establishments] verirrt. Wenn diese Gefahr Wirklichkeit wird, könnte aus dem Iran leicht ein weiteres Afghanistan oder ein weiterer Irak werden.

Wir haben die Pflicht, solche Gefahren abzuwenden und dürfen diese Pflicht nicht vergessen, nur damit einige Unwissende glücklich werden. Ebenso können wir die Menschen nicht dazu aufrufen, ruhig zu bleiben, wenn wir ihnen nicht beweisen können, dass wir für ihre wohlverdienten Rechte in ihrem Interesse einstehen und sprechen.
In seiner Abhandlung mit dem Titel Olfat schreibt der selige Mullah Mohsen Feyz Kashani, das letzliche Ziel der meisten Gesetze der Scharia sei das Erreichen von Freundschaft und sozialer Zugehörigkeit. Das Ergebnis dieser Freundschaft und Zugehörigkeit nennen moderne Wissenschaftler "soziale Netzwerke" - ein Mittel, um regierende Systeme zu bändigen und zu verhindern, dass sie Fehler wiederholen, aber auch eine Methode, um eine mit Leben erfüllte Gesellschaft und eine Plattform zur sanften Steuerung entfachter Emotionen und Talente zu schaffen, um sie vor dem Abstieg in die Zerstörung zu bewahren.

In diesem Statement wurde eine Stärkung dieser Netzwerke vorgeschlagen. In Anlehnung an Feyz' Worte könnte dieses Netzwerk als ein Modell des Islam wahrgenommen werden, obwohl jene, die äußerst unfair sind, es als Modell der CIA darstellen.

Schließlich werden in diesem Statement Vorschläge zur Lösung der aktuellen Krise gemacht, von denen ich hoffe, dass sie Beachtung finden.

Grüße,

Mir Hossein Mousavi
13. September 2009

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Antwort von Großayatollah Montazeri

Im Namen Gottes, des Barmherzigen und Mitfühlenden,
Lieber Herr Mir Hossein Mousavi,

möge Gott Ihren Erfolg befördern.
Zunächst nehmen Sie bitte meine Grüße an. Ich habe Ihren vom 12.09.2009 [sic] datierten Brief erhalten und die Anhänge geprüft. Sie sind ein Mann von großem Charakter, und Ihre Hingabe an ethische und religiöse Werte und die Ziele der Revolution sind für alle offenkundig. Die großen Verdienste Ihrer Regierung während des uns auferlegten Krieges und Ihre immerwährende Unterstützung für den verstorbenen Imam Khomeini (möge die Liebe und die Gnade Gottes auf ihm ruhen) sind allen bekannt.

Während der letzten Präsidentschaftswahl und den darauf folgenden Konfrontationen und Gewalttaten wurden Sie zum Fokus für viele gesellschaftliche Gruppen und begabte Menschen. Dies war eigentlich eine Prüfung, die Ihnen vom Großen Gott und von unserem umsichtigen Volk auferlegt wurde. Diese Prüfung haben Sie wahrhaft bestanden. Bis jetzt haben Sie die entweihten Rechte dieser Menschen, [deren hohe Wahlbeteiligung] für unser Land ein Grund zu großem Stolz war, nach Ihrem besten Vermögen verteidigt. Dafür gebühren Ihnen Anerkennung und Dankbarkeit.

Die von Ihnen in den Anlagen zu Ihrem Brief vorgeschlagenen Initiativen werden wirksam sein, um soziale Netzwerke und Organisationen zu aktivieren und zu stärken. Diese Ideen sind tugendhaft und rational im Zusammenhang mit den derzeitigen Bedingungen des Landes, und sie stehen in Übereinstimmung mit den Anweisungen des Heiligen Koran, die uns sagen:
[1] “Oh ihr, die ihr glaubt! Harrt aus in Geduld und Beständigkeit, wetteifert in dieser Ausdauer, stärkt einander; und fürchtet Gott, auf dass ihr Erfolg habt."

Wenn die Behörden ihre Ignoranz beiseite lassen und [Ihre Empfehlungen] unvoreingenommen bedenken, sie umsetzen und dieser Atmosphäre der Überwachungen und Verhaftungen ein Ende setzen, können [Ihre Ideen] ein segensreicher und effektiver Weg aus der gegenwärtigen Krise sein - einer Krise, die die Islamische Republik wegen ihrer Selbstsüchtigkeit, ihres Stolzes, des Mismanagements und des Ehrgeizes beherrscht. [Ihre Empfehlungen] könnten ein Sprungbrett für einen positiven Weg der Reformen innerhalb des Establishments und einen Schutz des Systems vor Trennung, Disintegration und Spaltung sein.

Natürlich ist Ihnen bewusst, dass Sie mit Ihrer Entscheidung für die obengenannten Lösungen für die Verteidigung der Rechte der Menschen und die Sicherung des Überlebens der Islamischen Republik ein mühsames Reformvorhaben erwartet, dem sich mit zahllosen Drohungen und Druckmitteln jene widersetzen werden, die die aktuelle Krise verursacht haben.
Bitte seien Sie sicher, dass Gott versprochen hat, mit Einheit, Geduld und Ausdauer den Weg zu offenbaren, auf dem das Volk zum Sieg geführt wird [2].
Außerdem - [gemäß dem Heiligen Koran in Unterstützung der Menschen, die dies bekämpfen (?) - wird [Gott seine Engel senden] um Botschaften der Sicherheit zu verkünden und das Herz von Schmerz und Furcht zu befreien. [3]
("In addition, [according to the holy Quran in support of humans who struggle down this [God would send his] angels who annunciate messages of security, and strip the heart off all grief and fear").

Leider sind nach der Wahl viele Politiker, politische Aktivisten und Journalisten verhaftet worden. Gegen den Islam und gegen das Gesetz wurden sie zu falschen und trügerischen Geständnissen gezwungen, von denen einige über die staatlichen Medien ausgestrahlt wurden. Es ist sicher und erwiesen, dass eine Belastung anderer durch diese Personen unter derartigen Bedingungen jedes Wertes und jeder Anerkennung entbehrt.

Zudem existieren in den Heiligen Geschichten [4] des Propheten und der Imame weitere Bestätigungen dafür, dass Selbstbezichtigungen, wenn sie unter jeglicher Art von Druck oder Folter (einschließlich, doch nicht begrenzt auf Drohungen, Einschüchterungen, Zufügen physischen Schmerzes, Arrest usw.] erbracht wurden, wertlos sind.

Die Anklage einer Jurisprudenz, die diese Lehren abstreitet, ist eine falsche, und Meinungen, die diese Lehren negieren, weichen klar [von den wahren Fundamenten des Islam] ab. Der Koranvers und koranische Imperativ [die Selbstbezichtigung einer verständigen Person ist erlaubt] [5] bestätigt, dass ein Geständnis nur gültig ist, wenn es ohne Druck oder Gewalt erbracht wurde.

Zusätzlich heißt es in Artikel 38 der Verfassung: "Jede Art von Folter, um Geständnisse oder Informationen zu erhalten, ist verboten. Das Zwingen einer Person zur Aussage, zum Geständnis oder zum Schwur ist nicht zulässig. Aussagen, Geständnisse und Schwüre solcher Art sind nichtig. Der Verstoß gegen diesen Artikel wird nach gesetzlichen Vorschriften bestraft"

Auf der Grundlage der allgemeinen Anwendung dieses Artikels und seiner Implikationen ist jede [Form] von Folter mit dem Zweck der Gewinnung von Informationen oder der Erzwingung von Geständnissen zu bestrafen; Geständnisse und Anerkenntnisse (? admittances), die auf diese Weise erlangt wurden, haben keinen gesetzlichen Wert und kein gesetzliches Gewicht.

Es ist offensichtlich, dass eine langfristige Einzelhaft - ein Akt, der den Angeschuldigten unter großen Druck setzt, ein Geständnis abzulegen - ein klares Beispiel für Folter ist. Das Geständnis des Angeschuldigten ist - selbst, wenn er sich selbst belastet - weder gültig noch anzuerkennen, wenn es das Resultat einer Anwendung von Druck und Folter ist, insbesondere in ihrer kürzlich geschehenen furchterregenden Form und der entsetzlichen Folgen. In einer solchen Situation wären wiederholte Geständnisse (selbst, wenn sie viele Male an Runden Tischen und in Interviews wiederholt werden) ebenso wertlos wie das erste Geständnis.

In Artikel 39 der Verfassung steht, dass "Jegliche Beleidigung oder Entwürdigung einer Person, die aufgrund des Gesetzes festgenommen und inhaftiert worden ist, eine Gefängnisstrafe verbüßt oder verbannt worden ist, [...] verboten und strafbar [ist]".

Was also ist [in diesem Land] geschehen, nun, wo prominente Personen, die jahrelange wertvolle Dienste geleistet haben, entweiht wurden, und die Rechtsbrecher nicht nur nicht bestraft worden sind, sondern sogar noch bestätigt und ermutigt wurden? Sind die "Geständnisse" zudem als glaubwürdig angesehen worden?

Was das Problem komplizierter gemacht und die "Geständnisse" noch mehr entwertet hat, ist der Umstand, dass das gegenwärtige Justizsystem des Landes - die Kläger [und die Staatsanwälte] gegen die politischer Vergehen beschuldigten Angehörigen der Opposition zur gegenwärtigen Regierung - selbst zu denen gehören, die während der Vernehmungen Geständnisse erzwungen haben und legislativen Institutionen angehören, die mit der Regierung verbunden sind. Nirgendwo auf der Welt würde ein gesunder Verstand einem solchen Geständnis und den darauf folgenden Prozessen auch nur das kleinste Bisschen gesetzlicher Kredibilität und Legitimität beimessen, denn in diesen Verhandlungen sind Kläger und Staatsanwälte eine und dieselbe Person, was klar gegen den Grundsatz verstößt, dass Geschworene gemäß Artikel 168 der Verfassung beteiligt sein müssen.

Leider wurde dieser Artikel, wie so viele andere, ignoriert und nicht befolgt. Der jüngste Kurs der Regierung sowie die Schauprozesse verstoßen nicht nur gegen das Gesetz und wirken einer Verbesserung des Landes entgegen, sondern widersprechen auch dem grundsätzlichen Nutzen eines Verbleibs der Behörden an der Macht. Anstatt hart gegen die Menschen vorzugehen und Gräueltaten wie die der letzten Zeit zu begehen, hätten die Behörden politisch weiser sein und den Warnungen prominenter Politiker und religiöser Führer Gehör schenken und ein unparteiisches, von allen Konfliktparteien akzeptiertes Komitee bilden sollen - dann wären wir niemals in diese gegenwärtige Legitimitätskrise geraten.

Eine Regierung, unter der viele Bevölkerungsgruppen unzufrieden und die Intellektuellen in Bedrängnis sind, wird nicht überleben. Das Schah-Regime hätte seine Führung bewahren können und würde noch immer bestehen, wenn es möglich wäre, mittels Angst, Unterdrückung und dem Füllen der Gefängnisse mit freiheitssuchenden, talentierten Persönlichkeiten und diversen politischen Aktivisten zu regieren.

Indem es derartige Gräuel begeht, bringt ein islamisch geführtes System, das stolz ist, schiitisch zu sein, Pessimismus gegenüber dem Islam hervor und bekundet die Unfähigkeit des Islam zu Gerechtigkeit in einer Gesellschaft, nicht nur global, sondern auch innerhalb unseres eigenen Landes, unter unseren Volksmassen und unserer Jugend.

Leider haben die Entscheidungsträger auf der höchsten Ebene vor diesen klaren Wahrheiten die Augen verschlossen und geben sich zufrieden mit den Elogen ihrer Dichter und den Lobhudeleien ihrer Schmeichler.

Ich flehe zum Großen Gott um Ihr Wohlergehen und Ihren Erfolg auf diesem tückischen Weg.
Möge sein Segen und seine Gnade auf Ihnen ruhen.

Heilige Stadt Qom, Hossein-Ali Montazeri, 22 September 2009

Mittwoch, 23. September 2009

Verhaftet mit unbekanntem Aufenthaltsort: Journalist Niaki

Quelle (Englisch): Mowj-e Sabz-e Azadi über Iran Human Rights Voice (IHRV) http://www.ihrv.org/inf/?p=2850
Übersetzung: Julia


Von IHRV | 22. September 2009

Ein Familienangehöriger von Seyed Mehdi Niaki, einem Journalisten und Weblog-Publizisten, der in der Zeit vor der Bekanntgabe der Wahlergebnisse Nachrichten für Kalameh zusammengestellt hatte, berichtet, dass Niaki am 14. September verhaftet und an einen unbekannten Ort verbracht wurde.

Die Webseite von Mowj Sabz Azadi zitiert einen Familienangehörigen von Niaki, der berichtet:
“Herr Niaki lebte allein in seiner Wohnung und wird seit dem 14. September vermisst. Es scheint, als seien Agenten in seine Wohnung gekommen und hätten ihn verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht".

Der Angehörige sagte weiter: “Die Mutter von Herrn Niaki wusste von der Verhaftung ihres Sohnes. Aufgrund von Drohungen ist sie jedoch eingeschüchtert und möchte die Verhaftung ihres Sohnes durch die Agenten nicht bestätigen. Im Wesentlichen wurde ihr gesagt, sie solle auf die Rückkehr ihres Sohnes warten und nichts dazu sagen. Die Verhaftung von Herrn Niaki ist jetzt sechs Tage her, und leider ist nicht klar, wo er festgehalten wird."

Im Bericht heißt es außerdem, dass Niaki und vier weitere Personen, die sich um die Webseite Kalameh kümmern, zwei Wochen nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse von der Teheraner Polizei vorgeladen worden waren, jedoch nicht verhaftet wurden.

In Niakis Akte steht, dass er mit vielen reformorientierten Zeitungen zusammengearbeitet hat und außerdem zu Zeiten der Präsidentschaft Khatamis Herausgeber des Metropolitan-Service bei der Presseagentur ILNA sowie Vorsitzender der Pressegesellschaft einer als "Sina Press" bekannten Jugendorganisation war. Sina Press wurde aufgelöst, als Ahmadinejad im Jahr 2005 an die Macht kam.


Quelle: Mowj Sabj Azadi

Montag, 21. September 2009

Blogeintrag: Abschiedsparty für Quds

Quelle (Englisch): http://www.persianumpire.com/2009/09/20/qods-farewell-party/
Selection 88 by P. Umpire
eingestellt am 20. September 2009
Übersetzung: Julia (mit freundlicher Genehmigung von / courtesy of persianumpire)

Freitag, 27 Shahrivar (18. September)
23:00 Uhr

Es war ein langer Tag. Ich bin müde und werde mich bald aufs Ohr legen. Hier sind meine Notizen, die ich später online stellen muss, weil das Internet fast stehengeblieben ist und die Proxies nicht funktionieren.

10:30 Uhr
Als wir die Modarres-Schnellstraße Richtung Haft-e Tir-Platz fuhren, wurde der Verkehr immer dichter - ein gutes Zeichen - und an der Abbas-Abad-Ausfahrt kam er zum Erliegen. Wir sahen einige Leute mit grünen Armbändern in ihren Autos, andere zeigten das V-Zeichen. Als wir näher kamen, wurde klar: Es ist Green Day, Tag der Grünen. Wir nahmen die Ausfahrt vor Haft-e Tir, parkten in einer Seitenstraße, holten unsere Armbänder hervor und gingen nach Süden Richtung KarimKhan Avenue, aus der ein dumpfes Grollen zu hören war.

11:00 Uhr
Ich verbürge mich für Haft-e Tir und Karim Khan-Straße. Dort war grün, nichts als grün, genauso voll wie am Mittwoch nach dem Wahltag, über und unter der Brücke. Der Zug hatte begonnen, und wir schlossen uns an. Während der ersten Minute waren alle in unserer Gruppe still und unterdrückten heimlich die Tränen.




Einige der Slogans des Tages waren:
“Nicht für Ghaza, nicht für Libanon, mein Leben für Iran"(Na Ghazze, na Lobnan, janam fadaye Iran.)
“Wir wollen keine Krokodilstränen, wir wollen keine Mesbah-Regierung" (Ashke temsah nemikhaim, dolat-e Mesbah nemikhaim.)
“Basiji, schämt euch, gebt das Söldnerdasein auf" (Baseeji, haya kon, mozdoori ro raha kon.)

Mitunter kamen wir an kleinen Gruppen von Sicherheitskräften vorbei, die abseits standen und die Prozession beobachteten.

Am Vali-Asr-Platz wurde die Menge sehr dicht, und der Zug blieb stehen. Es gab Regierungsleute, die Videoaufnahmen von den Menschen machten. Wir machten weiter mit den Slogans. Ein Mann mit einem "Tod Israel"-Schild kletterte auf den Flutlichtturm, von dem die Menschen zuvor ein riesiges Nasrallah-Poster entfernt hatten. Alle buhten.

Vali-Asr war völlig überlaufen mit Grünen, als sich von Süden her ein Lastwagen mit aufmontierten Lautsprechern näherte, begleitet von einer Entourage aus Regierungsanhängern mit Hisbollah-Fahnen und Anti-Israel-Plakaten, und sich seinen Weg durch die Menge bahnte. Um besser durchzukommen, besprühten sie uns mit Tränengas. Genau weiß ich nicht, was es war. Es roch anders als Tränengas, mehr wie eine brennende Autokupplung, und es gab keinen Rauch. Ich fühlte nur ein scharfes Brennen in meiner Kehle, das sehr schnell heftiger wurde, und meine Augen tränten. Wir wurden zusammengedrängt, als das Auto die Menschen nordwärts auf die Vali-Asr-Straße schob.

Im Gefolge des Autos befand sich eine Prozession aus Regierungsanhängern, die sich irgendwann auf den Keshavarz-Boulevard nach Westen bewegte. Jetzt war ich mit einem Freund von unserer Gruppe getrennt. Sie waren vor den Regierungsdemonstranten auf die Keshavarz-Straße gegangen. Wir ruhten uns auf der Vali-Asr-Straße ein bisschen aus und beschlossen dann, durch Seitenstraßen nach Westen zu gehen, um vor die Regierungsdemonstration zu gelangen und die anderen aus unserer Gruppe vielleicht einzuholen. Als wir wieder auf dem Keshavarz-Boulevard waren, hatten sich die Gruppen vermischt. Die Regierungstreuen gingen in der Mitte, während die Grünen sich auf beiden Seiten bewegten, alle riefen einander Parolen zu. Die regierungstreue Prozession war von vorn und hinten und von den Seiten zwischen den Grünen eingeklemmt. Busse, die auf der Keshavarz-Straße parkten, wurden besprüht und zeigten sich in Grünen Parolen.

13:00 Uhr
Wir waren hinter der Palästina-Straße und sahen, dass Sicherheitskräfte den Weg nach Süden Richtung Enghelab-Avenue versperrten. Ahmadinejads Rede wurde über Lautsprecher übertragen, aber wir konnten ihn kaum verstehen. Es gelang mir, jemanden aus unserer Gruppe anzurufen, und er sagte, sie seien inzwischen in der 16-Azar-Avenue (in der Nähe der Tehran-Universität, wo das Freitagsgebet stattfand) und würden dort sitzen und Parolen rufen. Ich sagte, wir würden nicht zu ihnen stoßen, sondern stattdessen zurück zum Haft-e Tir gehen, da die Grünen sich mittlerweile auf der anderen Seite der Keshavarz-Straße in diese Richtung bewegten. Der Marsch setzte sich also wieder in Bewegung, alles war mittlerweile voll mit hupenden Autos.



13:30 Uhr
Wir sahen, wie sich in der Nähe des Vali-Asr-Platzes und den Kreuzungen südlich der Karim Khan Straße Sicherheitskräfte zu mobilisieren begannen. Ich versuchte, die Jungs hinter uns anzurufen, um sie zu warnen, dass etwas im Busch war, aber ich kam nicht durch. Wir gingen weiter Richtung Hafte-Tir, jetzt gab es hinter uns am Vali-Asr ein massives Sicherheitsaufgebot.

14:00 Uhr
Wir sahen Sicherheitskräfte auf jeder Straße südlich von Karim Khan, und zwischen der Brücke und Haft-e Tir wussten wir, dass es Zeit war, zu verschwinden. Auch andere rieten den Menschen, die Menge aufzulösen, denn es sah so aus, als würde es bald Zusammenstöße geben. Weiter oben begannen Motorradfahrer damit, die Menschen vor sich her zu treiben, und wir gingen nach Norden zur Sanaie-Straße. Auch die Basij-Söldner waren mittlerweile aufgetaucht.
Wir sahen eine riesige Rauchsäule in der Nähe vom Haft-e Tir-Platz, und ein Freund rief an, um zu sagen, dass Basiji und Polizei dort auf die Leute losgelassen worden seien. Der Rauch kam offenbar von den brennenden Kunststoffbarrieren auf dem Haft-e Tir. Er trieb nach Norden ab. Was wir dort zwischen Sanaie und Kheradmand taten, war ungefähr das Gleiche: Weglaufen von den Polizisten und den Basij und ihren Schlagstöcken ausweichen. Wir bekamen sogar etwas Wasser und einen Imbiss in einem armenischen Laden. Ein bisschen Luxus ist nicht verkehrt.

14:30 Uhr
Wir befanden uns in einer relativ ruhigen Straße, als ein Freund aus unserer Gruppe anrief. Er redete unzusammenhängend und war orientierungslos. Ich fragte, ob er geschlagen worden sei, und er sagte, man hätte ihn auf den Kopf geschlagen. "Blutest du?" Er sagte, sei Knie würde bluten, aber das sei so ziemlich alles. Zuerst konnte er mir nicht sagen, wo er war, aber nachdem wir das herausbekommen hatten, sagte ich, er solle nach Westen gehen. Er stand neben sich und wusste nicht, wo Osten und wo Westen war, also sagte ich, er solle dort bleiben, wir wären auf dem Weg.

Wir benötigten fast eine Stunde und noch ein paar Anrufe, bis wir ihn fanden. Er bewegte sich ziellos umher, aus Angst, von den Sicherheitskräften gesichtet zu werden, und wir konnten den Weg nach Osten nicht abkürzen, weil viele Straßen blockiert waren. Als wir ihn endlich fanden, war er rot im Gesicht, seine Hose war an den Knien gerissen, und er hatte eine riesige Beule am Hinterkopf. Wir brachten ihn zum Auto, das etwa 20 Minuten entfernt war, aber wir hatten keine andere Wahl.

Das ist seine Geschichte:
Sie waren irgendwo am östlichen Ende der Karim Khan-Brücke in der Nähe des Etemaad-e Melli-Gebäudes angegriffen worden. Sie zerstreuten sich in verschiedene Richtungen, als ihm plötzlich einer der Bereitschaftspolizisten in den Weg sprang und ihm Tränengas ins Gesicht sprühte. Er rannte an ihm vorbei und bekam mit dem Knüppel, den der Sicherheitsmensch in der anderen Hand hielt, einen Schlag auf den Kopf. Er fiel in eine Straßenrinne, rappelte sich auf, wurde am Bein gepackt und umgedreht. Er hörte Frauenstimmen in der Nähe, die den Polizisten anschrieen, ihn loszulassen, was er endlich auch tat. Er kroch dann auf dem Gehsteig weiter, bis eine andere Frau ihn in ein Gebäude zog. Dort waren einige verletzte Menschen, und zwei normale Polizisten mittleren Dienstranges saßen dabei. Er dachte, das wäre das Ende; die Polizisten würden die Leute dort festhalten, um sie später wegzubringen. Es stellte sich heraus, dass die Beamten den Leuten halfen, sich nach ihren Verletzungen erkundigten und ihnen sagten, was sie tun sollten.

Als einer der Beamten eine Nachricht über sein Walkie-Talkie erhielt, sagte er seinem Vorgesetzten, dass er nicht gehen könne, weil er einen Stein gegen das Bein bekommen hätte und sich nicht bewegen könnte. Das war eine Lüge. Nachdem er sich vor einer Klimaanlage etwas ausgeruht hatte, ging mein Freund weiter und bewegte sich Richtung Norden von Karim Khan, bis wir ihn fanden. Als er hinausging, sagte einer der Polizisten zu ihm "Denk dran, wir haben niemanden geschlagen".

15:30 Uh
Auf unserem Weg zum Auto riefen zwei andere aus unserer Gruppe an. Einer war mit einem Schlagstock auf die Schulter geschlagen worden, aber es ging ihm gut. Der andere war unverletzt und hatte sich in einem Haus in Sicherheit gebracht. In der Sanaie-Straße stießen wir zu ihnen. Obwohl es unserem verletzten Freund gut zu gehen schien, verbrachten wir den Nachmittag im Krankenhaus, um für alle Fälle ein CT machen zu lassen. Im Krankenhaus bestätigten sie uns, dass mit ihm alles in Ordnung war.

Unser Motto für heute war gewesen "Alles, nur keine Verhaftung". Leichter gesagt als getan, denn in dieser Situation dort kann man sehr wenig machen. Unser Freund war gerade noch mal davongekommen und hatte Glück, dass die Frauen in der Nähe gewesen waren.

Im Rückblick, jetzt, wo ich weiß, dass niemandem etwas passiert ist, war der emotionalste Teil des Tages der Anfang, als unsere Angst vor einer geringen Beteiligung an den Demonstrationen schwand und wir den Grünen Ozean wieder sahen. Das allgemeine Gefühl ist Stolz - Stolz darauf, den Quds-Tag völlig verdorben zu haben. Das Wichtige ist, dass beide Lager auf den Straßen waren, als die Angriffe begannen. Die regierungstreuen Familien hatten die Gelegenheit zu sehen, wie andere heute auf der Straße behandelt werden.

(Thank you persianumpire)

Karroubi wird vor Gericht geladen

Original (Englisch), über http://tehranbureau.com/karroubi-summoned-court/:
http://keepingthechange.blogspot.com/2009/09/tehran-bureau-rumors-resurface-that.html
Übersetzung: Julia

Sonntag, 20. September2009

Bei einem Treffen mit Ärzten und Zahnärzten von Universitäts-Fakultäten hat Mehdi Karroubi bekanntgegeben, dass die Justiz einen Prozess gegen ihn vorbereite. Er sagte, als ihm die von ihm zu unterschreibende Vorladung zuging, habe er darunter geschrieben, dass dies eine gute Gelegenheit für ihn sei, vor Gericht über Verbrechen zu sprechen, die nicht einmal der Schah begangen hat. Dann habe er unterschrieben.

Karroubi prohpezeite, "diese Regierung" [Ahmadinejads] wird nicht von Dauer sein" und betonte: "Wir [das Volk] müssen Widerstand leisten und unsere [unabhängige] Identität wahren. Wir müssen erklären, dass wir wahre Anhänger der Linie des Imam [Ayatollah Rouhollah Khomeini] sind und die Islamische Republik in ihrer vollständigen Form [die die in der Verfassung festgelegten Rechte des Volkes respektiert] unterstützen."

Weiter sagte Karroubi: "Ich werde alles tun, was meiner Meinung nach [für die Rechte des Volkes] getan werden muss, und ich werde [dazu] stehen und die Konsequenzen tragen."

“Wir haben für die Wahlen gewissen Dinge [Unregelmäßigkeiten] vorhergesagt, doch wir konnten nicht ahnen, dass der Betrug ein solches Ausmaß annehmen würde und dass die [friedlichen] Demonstrationen der Menschen derartig gewaltsam niedergeschlagen werden würden. Sie haben die politische Atmosphäre wahrhaft schwer [unerträglich] gemacht. Im Kampf vor der Revolution [von 1979 gegen den Schah] haben wir dieses Ausmaß an Gewalt und ein derartiges Verhalten [der Sicherheitskräfte] nicht erlebt. Alle Kämpfe [gegen den Schah vor der Revolution] wurden [vom Regime des Schahs] auf gleicher Ebene beantwortet." ("Any level of struggle [against the Shah before the Revolution], met with the same level of confrontation [by the regime of the Shah].” )

Weiter sagte Karroubi: “Jetzt jedoch ist nicht einmal klar, warum sie [die Regierung] Menschen verhaften und zusammenschlagen. Die Frauen [die am Kampf gegen den Schah beteiligt waren], wurden viel mehr respektiert [als jetzt]. Heute wird ein junges Mädchen vor den Augen ihrer Mutter zusammengeschlagen und dann fortgebracht. Wir verstehen derartige Handlungen [der Regierung] nicht.”

Karroubi sagte, einige politische Persönlichkeiten aus dem konservativen Lager hätten sich mit ihm getroffen. "Sie sagten mir, ich sei zu radikal vorgegangen. Trotzdem sind sie besorgt darüber, wie mit uns und den Menschen [seitens der Regierung] umgegangen wird, weshalb sie vorschlugen, dass wir die Angelegenheiten [Verbrechen und Vergewaltigungen] vorerst nicht weiter verfolgen, bis sich die Dinge beruhigt haben."

Weiter sagte Karroubi: "Sogar diese Leute [Vertreter der konservativen Lager, die sich mit ihm trafen] sind besorgt angesichts der Entscheidungen [über das harte Vorgehen gegen die Opposition] der Verantwortlichen. Diese sind so dogmatisch, engstirning und unfähig, die Realitäten zu sehen. Sie glauben, dass wir wehrlos sind. Doch die, die Widerstand gegen sie leisten, bleiben aktiv. Und es liegt an der Unterstützung der Menschen, dass wir ihre juristischen Rechte in ihrem Namen verfolgen."

Es scheint also, dass die von Hardlinern gestreuten Gerüchte über Karroubis Verhaftung glaubwürdig sind. Nachdem Ayatollah Ali Khamenei bei seiner Freitagspredigt vom 11. September den Führungspersonen der Grünen Bewegung explizit gedroht hatte, scheinen die Hardliner die Arena vorzubereiten, um Karroubi, vielleicht auch Mir Hossein Mousavi und Mohammad Khatami und anderer Führer der Reformbewegung zu verhaften und vor Gericht zu bringen.

von Muhammad Sahimi
Original

Menschen mit ähnlichen Familiennamen haben Probleme

von Fereshteh Ghazi
20. September 2009

Original (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2009/september/20//people-with-surnames-similar-to-ours-in-trouble.html
Übersetzung: Julia (mit freundlicher Genehmigung von @iranbaan)

Die Konfrontation der politischen Aktivisten und führenden Geistlichen des Landes ist in eine neue Phase eingetreten. Nachdem Massenverhaftungen von politischen Aktivisten und Journalisten in den Nachwehen des Staatsstreichs vom 12. Juni weit verbreitete Proteste gegen die Islamische Republik ausgelöst hatten, haben die Verhaftungen von Kindern prominenter iranischer Reformer nun zu einer neuen Welle der Kritik geführt.

In den Augen der Öffentlichkeit sind die Verhaftungen dieser Personen - von denen die meisten weder politisch aktiv noch Mitglieder irgendeiner politischen Partei sind - eine Form der Geiselnahme, mit der der Druck auf die Reformer erhöht werden soll. "Rooz" sprach mit den Familien von Ayatollah Montazeri, Ayatollah Mousavi Tabrizi, (Mehdi) Shirzad und (Mohsen) Mirdamadi über ihre jüngste Situation.

Im Gefängnis ist es sicherer!

Ayatollah Montazeris Enkelkinder wurden nach Zahlung einer hohen Kaution freigelassen. Ahmad Montazeri, Ayatollah Montazeris Sohn, sagt: "Unserer Kinder wurden mehrere Tage lang bis nach dem Quds-Tag (dem Solidaritäts-Tag für Palästina) festgehalten. Man sagte ihnen, sie seien am Quds-Tag hier [im Gefängnis] sicherer! Am Freitag sind sie freigelassen worden."

Weiter sagte Ahmad Montazeri, drei weitere Enkelsöhne von Ayatollah Montazeri, die mit ihren Ehefrauen zusammen am Quds-Tag verhaftet worden waren, seien unter Vorbehalt entlassen worden.

Ayatollah Mousavi-Tabrizis Söhne der Beteiligung an Ruhestörung angeklagt

Ayatollah Hossein Mousavi-Tabrizis Söhne Ayatollah Nazemzadeh und Ahmadi, beide prominente Mitglieder der Assoziation der Lehrer und Seminaristen von Qom (Majma-e Modaressin va Mohagegin Hoze Elmie Qom) wurden am Freitag gegen Kaution entlassen.

Ayatollah Mousavi-Tabrizis Ehefrau sagt: “Sie wurden zwar nicht misshandelt, aber ihnen wurden Beteiligung an Ruhestörung sowie Anstiftung der Öffentlichkeit zur Ruhestörung vorgeworfen."

Mousavinejad der regimefeindlichen Propaganda angeklagt

Mehdi Mousavinejad, der Schwager Ali Abtahis, des Stellvertreters des früheren Präsidenten Khatami, wurde ebenfalls am Freitag - nach dem Quds-Tag - gegen Kaution entlassen. Mousavinejad nahestehende Quellen berichten, dass der junge Seminarist der regimefeindlichen Propaganda angeklagt wurde, sich aber geweigert hat, die Anklage anzunehmen. Mousavinejads Verhaftung ist als zusätzliches Mittel zu verstehen, um Druck auf Abtahis Familie auszuüben.

Schicksal von Mehdi Shirzad und Hossein Naiemipour ungewiss

Keine Nachricht über das Schicksal von Mehdi Shirzad und Hossein Naiemipour. Die Söhne der beiden bekannten Mitglieder der Partizipationsfront (Mosharekat) waren am vergangenen Freitag während ihrer Teilnahme an einem Ramadan-Fasten verhaftet worden.

Mehdi Shirzads Vater sagte Rooz gegenüber, das Regime habe noch immer nicht akzeptiert, dass die Menschen ihren Lügen nicht glauben.

Er sagte: "Sie wollen nicht glauben, dass die Bewegung vom Volk ausgeht. Sie denken, ihre Probleme sind das Werk einzelner politischer Figuren."

Shirzad sagte Rooz gegenüber weiter, das momentane Verhalten der Regierung entspringe einem tiefen Hass gegen prominente Politiker. Er fügte hinzu: "Wir haben sogar in unserem Alltag Probleme. Jeder, dessen Nachname unserem ähnlich ist, hat mit irgendeiner Art von Problemen zu kämpfen."