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Montag, 21. September 2009

Blogeintrag: Abschiedsparty für Quds

Quelle (Englisch): http://www.persianumpire.com/2009/09/20/qods-farewell-party/
Selection 88 by P. Umpire
eingestellt am 20. September 2009
Übersetzung: Julia (mit freundlicher Genehmigung von / courtesy of persianumpire)

Freitag, 27 Shahrivar (18. September)
23:00 Uhr

Es war ein langer Tag. Ich bin müde und werde mich bald aufs Ohr legen. Hier sind meine Notizen, die ich später online stellen muss, weil das Internet fast stehengeblieben ist und die Proxies nicht funktionieren.

10:30 Uhr
Als wir die Modarres-Schnellstraße Richtung Haft-e Tir-Platz fuhren, wurde der Verkehr immer dichter - ein gutes Zeichen - und an der Abbas-Abad-Ausfahrt kam er zum Erliegen. Wir sahen einige Leute mit grünen Armbändern in ihren Autos, andere zeigten das V-Zeichen. Als wir näher kamen, wurde klar: Es ist Green Day, Tag der Grünen. Wir nahmen die Ausfahrt vor Haft-e Tir, parkten in einer Seitenstraße, holten unsere Armbänder hervor und gingen nach Süden Richtung KarimKhan Avenue, aus der ein dumpfes Grollen zu hören war.

11:00 Uhr
Ich verbürge mich für Haft-e Tir und Karim Khan-Straße. Dort war grün, nichts als grün, genauso voll wie am Mittwoch nach dem Wahltag, über und unter der Brücke. Der Zug hatte begonnen, und wir schlossen uns an. Während der ersten Minute waren alle in unserer Gruppe still und unterdrückten heimlich die Tränen.




Einige der Slogans des Tages waren:
“Nicht für Ghaza, nicht für Libanon, mein Leben für Iran"(Na Ghazze, na Lobnan, janam fadaye Iran.)
“Wir wollen keine Krokodilstränen, wir wollen keine Mesbah-Regierung" (Ashke temsah nemikhaim, dolat-e Mesbah nemikhaim.)
“Basiji, schämt euch, gebt das Söldnerdasein auf" (Baseeji, haya kon, mozdoori ro raha kon.)

Mitunter kamen wir an kleinen Gruppen von Sicherheitskräften vorbei, die abseits standen und die Prozession beobachteten.

Am Vali-Asr-Platz wurde die Menge sehr dicht, und der Zug blieb stehen. Es gab Regierungsleute, die Videoaufnahmen von den Menschen machten. Wir machten weiter mit den Slogans. Ein Mann mit einem "Tod Israel"-Schild kletterte auf den Flutlichtturm, von dem die Menschen zuvor ein riesiges Nasrallah-Poster entfernt hatten. Alle buhten.

Vali-Asr war völlig überlaufen mit Grünen, als sich von Süden her ein Lastwagen mit aufmontierten Lautsprechern näherte, begleitet von einer Entourage aus Regierungsanhängern mit Hisbollah-Fahnen und Anti-Israel-Plakaten, und sich seinen Weg durch die Menge bahnte. Um besser durchzukommen, besprühten sie uns mit Tränengas. Genau weiß ich nicht, was es war. Es roch anders als Tränengas, mehr wie eine brennende Autokupplung, und es gab keinen Rauch. Ich fühlte nur ein scharfes Brennen in meiner Kehle, das sehr schnell heftiger wurde, und meine Augen tränten. Wir wurden zusammengedrängt, als das Auto die Menschen nordwärts auf die Vali-Asr-Straße schob.

Im Gefolge des Autos befand sich eine Prozession aus Regierungsanhängern, die sich irgendwann auf den Keshavarz-Boulevard nach Westen bewegte. Jetzt war ich mit einem Freund von unserer Gruppe getrennt. Sie waren vor den Regierungsdemonstranten auf die Keshavarz-Straße gegangen. Wir ruhten uns auf der Vali-Asr-Straße ein bisschen aus und beschlossen dann, durch Seitenstraßen nach Westen zu gehen, um vor die Regierungsdemonstration zu gelangen und die anderen aus unserer Gruppe vielleicht einzuholen. Als wir wieder auf dem Keshavarz-Boulevard waren, hatten sich die Gruppen vermischt. Die Regierungstreuen gingen in der Mitte, während die Grünen sich auf beiden Seiten bewegten, alle riefen einander Parolen zu. Die regierungstreue Prozession war von vorn und hinten und von den Seiten zwischen den Grünen eingeklemmt. Busse, die auf der Keshavarz-Straße parkten, wurden besprüht und zeigten sich in Grünen Parolen.

13:00 Uhr
Wir waren hinter der Palästina-Straße und sahen, dass Sicherheitskräfte den Weg nach Süden Richtung Enghelab-Avenue versperrten. Ahmadinejads Rede wurde über Lautsprecher übertragen, aber wir konnten ihn kaum verstehen. Es gelang mir, jemanden aus unserer Gruppe anzurufen, und er sagte, sie seien inzwischen in der 16-Azar-Avenue (in der Nähe der Tehran-Universität, wo das Freitagsgebet stattfand) und würden dort sitzen und Parolen rufen. Ich sagte, wir würden nicht zu ihnen stoßen, sondern stattdessen zurück zum Haft-e Tir gehen, da die Grünen sich mittlerweile auf der anderen Seite der Keshavarz-Straße in diese Richtung bewegten. Der Marsch setzte sich also wieder in Bewegung, alles war mittlerweile voll mit hupenden Autos.



13:30 Uhr
Wir sahen, wie sich in der Nähe des Vali-Asr-Platzes und den Kreuzungen südlich der Karim Khan Straße Sicherheitskräfte zu mobilisieren begannen. Ich versuchte, die Jungs hinter uns anzurufen, um sie zu warnen, dass etwas im Busch war, aber ich kam nicht durch. Wir gingen weiter Richtung Hafte-Tir, jetzt gab es hinter uns am Vali-Asr ein massives Sicherheitsaufgebot.

14:00 Uhr
Wir sahen Sicherheitskräfte auf jeder Straße südlich von Karim Khan, und zwischen der Brücke und Haft-e Tir wussten wir, dass es Zeit war, zu verschwinden. Auch andere rieten den Menschen, die Menge aufzulösen, denn es sah so aus, als würde es bald Zusammenstöße geben. Weiter oben begannen Motorradfahrer damit, die Menschen vor sich her zu treiben, und wir gingen nach Norden zur Sanaie-Straße. Auch die Basij-Söldner waren mittlerweile aufgetaucht.
Wir sahen eine riesige Rauchsäule in der Nähe vom Haft-e Tir-Platz, und ein Freund rief an, um zu sagen, dass Basiji und Polizei dort auf die Leute losgelassen worden seien. Der Rauch kam offenbar von den brennenden Kunststoffbarrieren auf dem Haft-e Tir. Er trieb nach Norden ab. Was wir dort zwischen Sanaie und Kheradmand taten, war ungefähr das Gleiche: Weglaufen von den Polizisten und den Basij und ihren Schlagstöcken ausweichen. Wir bekamen sogar etwas Wasser und einen Imbiss in einem armenischen Laden. Ein bisschen Luxus ist nicht verkehrt.

14:30 Uhr
Wir befanden uns in einer relativ ruhigen Straße, als ein Freund aus unserer Gruppe anrief. Er redete unzusammenhängend und war orientierungslos. Ich fragte, ob er geschlagen worden sei, und er sagte, man hätte ihn auf den Kopf geschlagen. "Blutest du?" Er sagte, sei Knie würde bluten, aber das sei so ziemlich alles. Zuerst konnte er mir nicht sagen, wo er war, aber nachdem wir das herausbekommen hatten, sagte ich, er solle nach Westen gehen. Er stand neben sich und wusste nicht, wo Osten und wo Westen war, also sagte ich, er solle dort bleiben, wir wären auf dem Weg.

Wir benötigten fast eine Stunde und noch ein paar Anrufe, bis wir ihn fanden. Er bewegte sich ziellos umher, aus Angst, von den Sicherheitskräften gesichtet zu werden, und wir konnten den Weg nach Osten nicht abkürzen, weil viele Straßen blockiert waren. Als wir ihn endlich fanden, war er rot im Gesicht, seine Hose war an den Knien gerissen, und er hatte eine riesige Beule am Hinterkopf. Wir brachten ihn zum Auto, das etwa 20 Minuten entfernt war, aber wir hatten keine andere Wahl.

Das ist seine Geschichte:
Sie waren irgendwo am östlichen Ende der Karim Khan-Brücke in der Nähe des Etemaad-e Melli-Gebäudes angegriffen worden. Sie zerstreuten sich in verschiedene Richtungen, als ihm plötzlich einer der Bereitschaftspolizisten in den Weg sprang und ihm Tränengas ins Gesicht sprühte. Er rannte an ihm vorbei und bekam mit dem Knüppel, den der Sicherheitsmensch in der anderen Hand hielt, einen Schlag auf den Kopf. Er fiel in eine Straßenrinne, rappelte sich auf, wurde am Bein gepackt und umgedreht. Er hörte Frauenstimmen in der Nähe, die den Polizisten anschrieen, ihn loszulassen, was er endlich auch tat. Er kroch dann auf dem Gehsteig weiter, bis eine andere Frau ihn in ein Gebäude zog. Dort waren einige verletzte Menschen, und zwei normale Polizisten mittleren Dienstranges saßen dabei. Er dachte, das wäre das Ende; die Polizisten würden die Leute dort festhalten, um sie später wegzubringen. Es stellte sich heraus, dass die Beamten den Leuten halfen, sich nach ihren Verletzungen erkundigten und ihnen sagten, was sie tun sollten.

Als einer der Beamten eine Nachricht über sein Walkie-Talkie erhielt, sagte er seinem Vorgesetzten, dass er nicht gehen könne, weil er einen Stein gegen das Bein bekommen hätte und sich nicht bewegen könnte. Das war eine Lüge. Nachdem er sich vor einer Klimaanlage etwas ausgeruht hatte, ging mein Freund weiter und bewegte sich Richtung Norden von Karim Khan, bis wir ihn fanden. Als er hinausging, sagte einer der Polizisten zu ihm "Denk dran, wir haben niemanden geschlagen".

15:30 Uh
Auf unserem Weg zum Auto riefen zwei andere aus unserer Gruppe an. Einer war mit einem Schlagstock auf die Schulter geschlagen worden, aber es ging ihm gut. Der andere war unverletzt und hatte sich in einem Haus in Sicherheit gebracht. In der Sanaie-Straße stießen wir zu ihnen. Obwohl es unserem verletzten Freund gut zu gehen schien, verbrachten wir den Nachmittag im Krankenhaus, um für alle Fälle ein CT machen zu lassen. Im Krankenhaus bestätigten sie uns, dass mit ihm alles in Ordnung war.

Unser Motto für heute war gewesen "Alles, nur keine Verhaftung". Leichter gesagt als getan, denn in dieser Situation dort kann man sehr wenig machen. Unser Freund war gerade noch mal davongekommen und hatte Glück, dass die Frauen in der Nähe gewesen waren.

Im Rückblick, jetzt, wo ich weiß, dass niemandem etwas passiert ist, war der emotionalste Teil des Tages der Anfang, als unsere Angst vor einer geringen Beteiligung an den Demonstrationen schwand und wir den Grünen Ozean wieder sahen. Das allgemeine Gefühl ist Stolz - Stolz darauf, den Quds-Tag völlig verdorben zu haben. Das Wichtige ist, dass beide Lager auf den Straßen waren, als die Angriffe begannen. Die regierungstreuen Familien hatten die Gelegenheit zu sehen, wie andere heute auf der Straße behandelt werden.

(Thank you persianumpire)

Montag, 7. September 2009

Liste der Getöteten - Stand 6. September 2009

Übersetzung: Julia

Josh Shahryar von Anonymous Iran schreibt:
Norooz, das offizielle Nachrichtenorgan der reformorientierten Islamischen Iranischen Partizipationsfront, hat die Namen von 72 Menschen veröffentlicht, die bis heute bei Straßenprotesten, in Haft, oder infolge der bei den Gewaltausbrüchen nach den Wahlen erlittenen Verletzungen starben.
Diese Liste enthält nur die Todesfälle, die vollständig bestätigt werden konnten. Die Zahl der Opfer ist möglicherweise wesentlich höher.
Die Liste führ 12 Frauen und 60 Männer auf, von denen die meisten unter 35 waren. Ungefähr die Hälfte von ihnen starb bei den großen Demonstrationen - der ersten Massendemonstration am 15. Juni und den "illegalen" Versammlungen vom 20. Juni. Nicht in der Liste enthalten sind viele Namen, die erst in den letzten Tagen bekannt wurden, wie z. B. die getötete Gefangene Saeedeh Pour-Aghaie
Die überwältigende Mehrheit der Opfer auf der Liste ist in Teheran ums Leben gekommen. Es gibt einige wenige in Isfahan und keine Nachrichten über Opfer in anderen Städten. Schusswunden scheinen die verbreitetste Todesursache zu sein, dicht gefolgt von Schlägen mit Schlagstöcken und Folter in den Gefängnissen.

Die ersten 25 Namen gehören Opfern, deren Familien Mitarbeiter von Mehdi Karroubi und Mir Hossein Mousavi kontaktierten, um den Tod ihrer Angehörigen zu bestätigen.

1. Hossein Akhtar-Zand (m), 32. Gestorben am 15. Juni in Isfahan, nachdem er von Basij-Milizen von einem dreistöckigen Gebäude gestoßen wurde.

2. Kianoosh Asa (m), Student im Aufbaustudium. Gestorben am 15. Juni auf dem Azadi Square in Teheran durch eine von Zivilpolizisten abgefeuerte Kugel. Seine Leiche wurde 9 Tage später identifiziert und von Familienangehörigen aus einem Leichenschauhaus in Teheran abgeholt.

3. Sohrab Arabi (m.), 19, Student. Gestorben an Folterverletzungen im Evin-Gefängnis in Teheran. Arabis Mutter wurde etwa einen Monat nach seinem Verschwinden über seinen Tod informiert.

4. Alireza Eftekhari (m.), 29, Reporter. Gestorben am 15. Juni an Hirnblutungen nach Knüppelschlägen auf den Kopf und andere Körperteile. Seine Leiche wurde am 13. Juli seiner Familie übergeben.

5. Neda Agha-Soltan (w.), 27, Philosophiestudentin. Gestorben am 20. Juni auf der Kargare Shomali Straße in Teheran nach einem Schuss ins Herz, abgefeuert von einem Zivilpolizisten. Sie wurde am folgenden Tag in Sektion 257 des Friedhofs Behesht-e Zahra bestattet.

6. Amir Javadifar (m.), 25, Student des Industriemanagements in der Azadi-Universität in Qazvin. Gestorben am 9. Juli auf dem Weg von Kahrizak nach Evin an einem epileptischen Anfall. Er war durch Schläge auf Kopf und Gesicht erblindet.

7. Moharram Ghagini Gheshlaghi, 34. Begraben in Sektion 256 des Friedhofs Behesht-e Zahra, Reihe 156, Grab Nr. 13

8. Masood Khosravi. Gestorben am 15. Juni auf dem Azadi Square, beerdigt in Beheshte Zahra.

9. Abbas Disnad, 40, Arbeiter. Starb nach Knüppelschlägen auf den Kopf.

10. Ramin Ramezani, 29. Gestorben an inneren Blutungen im Krankenhaus, nachdem er aus er Haft entlassen worden war. Bestattet in Behesht-e Zahra, Sektion 257, Reihe 46, Grab Nr. 32.

11. Mohsen Rohulamini, 25. Gestorben am 9. Juli an im Gefängnis erlittenen Folterverletzungen.

12. Ashkan Sohrabi, 18, IT-Student an der Universität Qazvin. Gestorben am 20. Juni an der Kreuzung Rodaki Ave./Sarsabil Ave. in Teheran. Er wurde von drei Schüssen getroffen, abgefeuert von Basijis und anderen Sicherheitskräften.

13. Amir Hossein Toufanpour, 32. Gestorben an drei Schüssen in Bein, Arm, Hüfte und Seite. Er hatte sichtbare Verletzungen am Nacken sowie ein tiefes, mit Baumwolle gefülltes Loch im Hinterkopf, sowie einen gebrochenen Arm. Seine Nase schien ebenfalls gebrochen.

14. Saeed Abbasifar Golchini, 24, Schuh- und Lederwarenverkäufer. Gestorben am 20. Juni in Teheran, nachdem er von Schüssen der Sicherheitskräfte getroffen wurde.

15. Mostafa Ghanyan, Student im Aufbaustudium an der Teheran-Universität. Gestorben am 15. Juni in einem Studentenwohnheim während einer Razzia durch Sicherheitskräfte. Begraben im Hof des Imam-Reza-Schreins am 18. Juni unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

16. Ali Fathalian. Gestorben vor der Lolagar Moschee am 20. Juni. Begraben in Behesht-e Zahra, Sektion 9, Reihe 110, Grab Nr. 22.

17. Hadi Fallahmanesh, 29, Arbeiter. Gestorben in Teheran, begraben in Behesht-e Zahra, Sektion 53.

18. Ahmad Kargar Nejati. Gestorben im Krankenhaus an Folterverletzungen. Beerdigt in Behesht-e Zahra, Sektion 213, Reihe 15, Grab Nr. 35

19. Behzad Mohajer, 47. Gestorben am 15. Juni an Schusswunden in der Brust. Die Leiche wird in der Leichenhalle der Haftanstalt Kahrizak verwahrt.

20. Nader Naseri. Gestorben am 20. Juni in der Khosh Avenue in Teheran. Beerdigt in Babol.

21. Ahmad Naeemabadi. Gestorben am Azadi Square an einer Schusswunde. Der Schuss wurde vom Bataillon Ashoura 117 der Revolutionsgarden abgegeben.

22. Masood Hashemzadeh, 27. Gestorben in Teheran nach einem Schuss in die Brust, der seine Lungen zerriss und schwere interne und externe Blutungen verursachte. Beerdigt in Nordiran.

23. Mehdi Karami, 17. Gestorben am 20. Juni an der Kreuzung Janatabad Avenue/Kashani Avenue, nachdem er schwer geschlagen worden und seine Kehle mit einem Messer aufgeschlitzt worden war. Seine Leiche wurde im Payambar-Krankenhaus im Ashrafi Isfahani Boulevard verwahrt.

24. Naser Amirnejad, 25, Student der Luft- und Raumfahrttechnologie an der Azad Islamic University in Teheran. Gestorben in der Mohammad Ali Jinnah-Straße in Teheran in einem Kugelhagel der Basijis. Seine Leiche wurde in der Leichenhalle des Payambar-Krankenhauses verwahrt und später in einem Dorf nahe Yasuj bestattet.

25. Mahmood Raeesi Najafi, Bauarbeiter. Gestorben nach Beschuss durch Sicherheitskräfte und heftigen Knüppelschlägen. Er starb 13 Tage später zu Hause.

Die Familien der folgenden Protestteilnehmer haben sich nicht an die Wahlkampfbüros von Karroubi und Mousavi gewandt. Sie werden von der Regierung unter Druck gesetzt, damit sie den Tod und insbesondere die Gründe für den Tod ihrer Angehörigen nicht publik machen.]

26. Mobina Ehterami. Gestorben am 15. Juli in einem Teheraner Studentenwohnheim. Ihre Leiche wurde ohne Wissen ihrer Familie heimlich begraben.

27. Neda Asadi

28. Saeed Esmaeeli Khanbeen, 23. Gestorben an Schlägen auf den Kopf.

29. Morad Aghasi

30. Hossein Akbari. Gestorben an Schlägen auf den Kopf.

31. Vahed Akbari, 34, Arbeiter. Gestorben am 20. Juni in der Vanak Avenue an einer Schusswunde im Unterleib. Begraben in Behesht-e Zahra, Sektion 261.

32. Mohsen Entezami

33. Mohsen Imani. Gestorben am 15. Juni in einem Studentenwohnheim in Tehran. Seine Leiche wurde ohne Wissen seiner Familie heimlich begraben.

34. Fatima Barati. Gestorben am 15. Juni in einem Studentenwohnheim. Ihre Leiche wurde ohne Wissen ihrer Familie heimlich begraben.

35. Mohammad Hossein Barzegar, 25, Arbeiter. Gestorben am 17. Juni am Haft-e Tir-Platz in Teheran an einem Kopfschuss. Beerdigt am 21. Juni in Sektion 302 von Behesht-e Zahra.

36. Jafar Barvayeh, Dozent an der Chamran-Universität Ahvaz und Doktorand an der Universität Teheran. Gestorben am Baharestan-Platz in Teheran an einem Kopfschuss. Gerichtsmedizinische Berichte geben Hirnblutungen als Todesursache an.

37. Yaghoub Barvayeh, Student im Aufbaustudium der Theaterwissenschaften an der Universität für Kunst und Architektur in Teheran. Gestorben am 25. Juni an einer Schusswunde im Kopf, nachdem er vom Dach der Lolagar-Moschee aus von Basijis beschossen worden war.

38. Soroor Boroomand, 58. Gestorben am 15. Juni an der Mohammad Ali Jinnah-Avenue in Teheran.

39. Hameed Besharati, 26. Gestorben am 20. Juni in Teheran, nachdem Sicherheitskräfte mehrmals auf ihn schossen.

40. Farzad Jashni. Gestorben am 20. Juni in Teheran.

41. Bahman Jenabi, 20, Angestellter in einer Reparaturwerkstatt für Heizkörper. Getötet in Teheran.

42. Mohsen Haddadi, 24, Programmierer. Gestorben am 15. Juni an der Nosrat Avenue in Teheran durch einen Schuss in die Stirn. Beerdigt am 23. Juni in Behesht-e Zahra, Sektion 262.

43. Shalir Khezri. Gestorben am 16. Juni am Baharestan Square in Teheran.

44. Fatima Rajabpour, 38. Gestorben am 15. Juni an der Mohammad Ali Jinnah-Avenue in Teheran.

45. Babak Sepehr, 35. Gestorben am 20. Juni in Teheran im Kugelhagel der Sicherheitskräfte

46. Fahimeh Salahshour, 25, Hochschulabsolventin. Nach Knüppelschlägen auf den Kopf am Vali Asr-Square am 14. Juni in Teheran gestorben im Krankenhaus am 15. Juni an inneren Blutungen.

47. Tina Soodi, Studentin. Erschossen am 20. Juni am Enghelab Square in Teheran.

48. Hasan Shapouri

49. Ali Shahedi, 24. Gestorben am 21. Juni in der Teheran-Pars-Polizeistation. Gerichtsmediziner konnten die Todesursache nicht feststellen, die Familie glaubt jedoch, dass er in der Polizeistation durch Schläge auf den Kopf starb.

50. Kasra Sharafi. Gestorben am 15. Juni in einem Studentenwohnheim in Teheran. Ihre Leiche wurde ohne Wissen ihrer Familie heimlich bestattet.

51. Kambiz Shoa’ee. Gestorben am 15. Juni in einem Studentenwohnheim in Teheran. Seine Leiche wurde ohne Wissen seiner Familie heimlich bestattet.

52. Davood Sadri, 27, Ladenbesitzter in der Salsebil Avenue. Gestorben am 20. Juni vor der Lolagar-Moschee in Teheran, nachdem er von einer Kugel in den Kopf getroffen wurde.

53. Seyyed Reza Tabatabayee, 30, Wirtschaftsprüfer mit Bachelorabschluss. Gestorben am 20. Juni an der Azerbaijan Avenue in Teheran. Die Familie wurde von Sicherheitskräften mit Gewalt zur Geheimhaltung gezwiungen. Seine Leiche wurde am 24. Juni in Sektion 259 von Behesht-e Zahra beerdigt.

54. Vahid Reza Tabatabayee, 29. Bachelorabschluss in Anglistik. Gestorben am 24. Juni am Baharestan Square in Teheran an einer Schusswunde im Kopf. Bestattet am 27. Juni in Behesht-e Zahra, Sektion 308.

55. Hossein Tahmasebi, 25. Gestorben am 15. Juni an der Nobahar Avenue in Kermanshah, nachdem er von Sicherheitskräften angegriffen und geschlagen wurde.

56. Salar Tahmasebi, 27, Student des Handelsmanagements in Rasht. Gestorben an der Jumhoori Avenue an einem Schuss in die Stirn. Begraben am 23. Juni in Sektion 254 in Behesht-e Zahra.

57. Meisam Ebadi, 17, arbeitete in einem Teppichgeschäft in Teheran. Gestorben in Sadeghiyeh in Teheran.

58. Abolfazl Abdollahi, 21, Student der Elektrowissenschaften. Gestorben am 20. Juni vor der Sharif Industrial Universität in Teheran nach einem Schuss in den Hinterkopf. Beerdigt am 23. Juni in Sektion 248 von Behesht-e Zahra.

59. Hamid Araghi. An Schusswunden gestorben am Azadi Square in Teheran.

60. Pour Kaveh Ali, 19. Gestorben am 20. Juni in Teheran.

61. Hossein Alef. Gestorben am 17. Juni in Isfahan.

62. Reza Fattahi

63. Parisa Kolli, 25, Bachelor der Literaturwissenschaften. Gestorben am Keshavarz Boulevard in Teheran an einer Schusswunde in den Nacken. Bestattet am 24. Juni in Behesht-e Zahra, Sektion 259.

64. Mostafa Kiarostami, 22. Gestorben am 17. Juli vor der Teheran-Universität an Knüppelschlägen auf den Kopf. Er wollte am Freitagsgebet teilnehmen.

65. Mohammad Kamrani, 18. Er wurde am Valiasr Square schwer geschlagen und erlag am 9. Juli im Mehr Krankenhaus in Teheran seinen Verletzungen.

66. Hamid Maddah Shoorcheh, Aktivist der Kampagne von Mir Hossein Mousavi. Gestorben am 15. Juni in Mashhad kurz nach seiner Freilassung infolge der Folterverletzungen, die er im Gefängnis erlitten hatte. Gerichtsmediziner nannten Hirnblutungen als Todesursache.

67. Maryam Mehrazin, 24. Gestorben am 20. Juni in Teheran durch Schüsse der Sicherheitskräfte.

68. Taraneh Mousavi. Gestorben am 28. Juni, nachdem sie vor der Ghoba-Moschee verhaftet worden war. Ihre verkohlte Leiche wurde zwischen Karaj und Qazvin gefunden.

69. Iman Namazi, Architekturstudent an der Teheran-Universität. Gestorben in einem Studentenwohnheim am 15. Juni nach einem Angriff von Sicherheitskräften und Zivilpolizisten.

70. Mohammad Nikzadi, 22, BS in Architektur. Gestorben am 16. Juni am Vanak Square in Teheran nach einem Schuss in die Brust. Beerdigt in Behesht-e Zahra, Sektion 257.

71. Iman Hashemi, 27, Arbeiter. Gestorben am 20. Juni an der Azadi Avenue in Teheran. Starb nach einem Schuss ins Auge. Beerdigt in Behesht-e Zahra, Sektion 259

72. Milad Yazdanpanah, 30. Gestorben am 20. Juni in Teheran, nachdem Sicherheitskräfte auf ihn geschossen hatten.

Freitag, 7. August 2009

My pride and my fear in the Green Movement

I remember when the night before the presidental election I suddenly felt a spark inside me. There was hope, confidence, relief in advance to the event that - as we believed - would finally bring change to the Iranians living in- and outside of Iran. A small change, maybe just a faint difference, but a step towards a more bearable perspective. It seemed set.

I also remember another spark, following the first one. This spark sent three almost unconscious fragments of thoughts through my brain: "electoral fraud" - "protest, blood" - "revolution". I told myself not to be stupid - I knew almost nothing about this country, and my ideas certainly lacked any reasonable foundation.

I remember Saturday, June 13. I was getting myself some coffee in a coffee shop, when I saw it on the news screen: Ahmadinejad had gained 62,3%.
Tears of rage came into my eyes, I could hardly prevent myself from cursing aloud in the middle of the street.

Part one of the sparks had come true. From that moment on, my heart was with Iran.

The following days allowed me to witness something incredible:
Masses of people coming to the streets in unity, in peaceful manner, in great strength and justice, in modesty, but with unyielding comittment. I saw them being beaten, killed, arrested, I saw them dying in the streets, I saw them protecting security forces from the rage of other protesters. I saw them moving forward in incredible strength, focus, and sincerity. What I witnessed was the essence of being human.

I could feel that this would not stop soon. Those people were driven forward by something I believed I had in me as well. I could suddenly feel Iran. At some point during those days, I became Iranian.
I suddenly was proud of my Iranian passport, that until then had just been a formality to me due to marriage. I started dreaming of a time when I would go to Iran, take out that passport and say "I am proud of this".

From that time on I have been looking for ways to support the movement. I posted articles on Facebook like crazy, translated newspaper articles for noone ever to read, just to have them ready when needed, I went to protests for about the fist time in my life, I hustled about like crazy to do, do, do... just because I had to. Most of it hasn't been of much use, as a matter of fact, but I just had to keep digging.

And all of a sudden, I realized something, and with the realization came my fear.

I had never before experienced big crowds of people, highly emotionalized, being able to stay focused and unified for longer than, let's say, one month. The time span does not matter. What I am saying is, I never before saw such a unity, such an integrity, such an imperturbably focused common mind in crowds driven by pure emotion.
Daily I expected this monolithic (in a positive sense) creature to fall apart into factions and groups arguing and weakening themselves and each other, I expected self-elected "leaders" (no, I am NOT referring to Ahmadinejad here) appearing out of nowhere, using the opportunity to seize some power, influence, importance, or what else entraps people who need attention, and distract the focus of the movement, mislead the people into violence, revengeful thinking and aggression.

Nothing of that kind happened.

The people of Iran have shown me something I did not believe it existed. And it made it very, very easy, almost enjoyable, to take sides with them, identify myself with them to the bone. People all over the world must have felt the same way, since an unseen wave of international solidarity was born and is alive until now (at this point, I inevitably remember the contribution of Ougadougou/Burkina Faso to the internation day of solidarity on July 25).
This is nothing the Iranian people should feel grateful for, because they alone invoked this feeling in the people around the world. We, the others, should be grateful to the Iranians for inspiring us.

Yet, the fear has not quite left me, and it keeps coming back. I, as a German, have a very ambiguous notion of mass movements. A mass movement, on the background of recent German history, to me is a brainless object that can be brainwashed, manipulated, moved around and utilized - especially when emotionalized and being presented with a collective enemy through which it can reach a treacherous sense of identity and integrity. To me, emotionalized mass movements are always highly vulnerable to manipulation and destructive influence from individuals who act on their own behalf rather than on behalf of the people they claim to be leading. But this brainless object, of course, has not always been there. It has formed, and been formed, from former individuals, human beings with a brain, a conscience, and a moral concept. The transformation of individuals into a brainless object is a very slow, subtle process, usually we only realize it when it is almost too late.

Will this happen to the Green Movement?

What will the movement do when all options of peaceful protest are exhausted, when the leading figures, who at the moment are still able to serve as focal points (such as Mousavi, Karroubi, even, to some extent, Rafsanjani) will no longer have the capacity to be respected authorities to the people? I believe this moment will come, since the people in their concerns and goals seem to have already moved beyond what Mousavi and other parts of the political establishment are able to offer them.

What will happen if the movement starts fighting back not just with reason and common sense, but with weapons?
Is there a possibility that hatred will take over and turn the peaceful attitude of the protesters into a violent one?

Which are the political options for the movement? Do the existing reformist factions offer sufficient possibilities for reforms, and will the people be satisfied with reforms within the existing system?

And if not, are there any persons other than the leading figures like Khatami, Moussavi, Karroubi who could take over and bring fundamental reforms to the country?

Which status will religion have in the political system of a reformed Iran?

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Strange as it is - but the question that used to worry me most some weeks ago (will there still be unity among the people once the movement has succeed in achieving an overthrow of the regime?) is not worrying me so much anymore. My trust has gained ground.

But it's still a long way to go, and I am still afraid of the movement falling apart and/or changing into something I could not side with any longer - something brutal, revengeful, "brainless" - which would be a human thing to happen - but no longer humane.

It would force me to sadly and disappointedly turn my back on it. It would deprive the whole world of an example for what culture and humanity is capable of.

There still is a long way to go, and the options seem to become more restricted. Soon it will be time to chose a direction for the movement to proceed.

I pray that you will stay as dignified, compassionate, focused and wise as you have started. A part of me knows that you will. Another part is afraid you might not - and noone could blame you for that. But if you do, you will make the world proud.

I am interested in your views. Comments are welcome.

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Ougadougou, Burkina Faso, July 25 2009:


Links related to the issue
http://www.iranian.com/main/node/76035 (by Omid Habibinia)
http://www.hetvrijevolk.com/index.php?pagina=8948 (Quo vadis, Iran?)
http://www.payvand.com/news/09/jul/1226.html (Need for Discipline and Self-restraint in the Green Movement)