Mittwoch, 30. September 2009

Ich sehe euch! Was Iran mitbekommt

Original (Englisch): http://www.persianumpire.com/2009/09/29/i-see-you/
Übersetzung: Julia
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veröffentlicht am 29. September 2009 von persianumpire



Mehrere Leute haben mich in letzter Zeit gefragt, wie viel von dem, was außerhalb vor sich geht, im Iran wahrgenommen wird. Wenn ihr nicht direkt von mir gehört habt, nehmt dies bitte als meine Antwort.

Es ist eine schwierige Frage, aber ich will versuchen, sie bestmöglich zu beantworten: Wir sehen alles. Na ja, wahrscheinlich ein bisschen weniger, da nicht alles von allem, was überall passiert, von überall gesehen wird. Aber wir bekommen trotzdem ziemlich viel mit.

Dementsprechend führt uns das zu der Frage, wie gut diese Informationen innerhalb Irans verbreitet wird. Wenn man das gesamte Spektrum der iranischen Gesellschaft betrachtet, vom englischsprechenden Iraner mit Internetanschluss bis hin zu dem alten Bauern, der nicht einmal einen Zeitungskiosk zur Verfügung hat, können wir sehen, wie schwierig das zu beurteilen ist. Weitere Komplikationen entstehen, wenn man die Banbreite der Internet-User bedenkt - Schätzungen sprechen von gut 20 Millionen - die zwischen "Monster-Surfern" und denen, die "gelegentlich virtuelle Post super finden". Aber ich sollte die Frage beantworten.

In diesem Post müssen die Worte "wir" und "alle" auf die kleine Blase bezogen werden, in der ich lebe und die sich mit einigen anderen Blasen überschneidet, die wiederum hoffentlich weitere Blasen überschneiden. Es gibt also einen Wermutstropfen dabei, aber so funktioniert es:

Nachrichten von außerhalb erreichen uns hauptsächlich über Fernsehnetzwerke wie BBC Persian und VOAPNN sowie das Internet. Wir empfangen Fernsehsendungen über Satellitenschüsseln, und man kann ziemlich sicher sagen, dass die meisten Dächer in Teheran damit ausgestattet sind. Wenn man Teheran verlässt und in kleinere und abgelegenere Städte kommt, sieht man weniger davon, aber man sieht sie.

Auch wenn BBC Persian ein relativ neuer Dienst ist, scheint es mit besseren Programmen un besserer Berichterstattung das Publikum von VOA zu schlucken. Ab und zu schickt die Regierung ein paar Störsignale, was dann bedeutet, dass wir den Satellitenmann rufen, die Schüssel neu ausrichten und ein paar neue Codes in unsere Empfänger hauen müssen, und schon sind wir wieder im Geschäft.

Dann gibt es da das Internet. Die großen Medien sind im Internet natürlich auch vertreten, und wir besuchen sie, um die großen Nachrichten mitzukriegen, die es bis dahin schaffen. Wir wissen auch, dass sie die kleineren Sachen nicht bringen bzw. in die Fallen tappen, die sie von dem ablenken, was wir wichtig finden. Aber für die Farbnuancen und feineren Schattierungen, gute Analysen und Kommentare begeben wir uns in andere Ecken des Netzes.

Wir sehen eure Tweets, Bilder, Posts, das, was durchsickert, Facebook-Walls, Gerüchte, Artikel, Flames, Trolls, unterstützende Botschaften, Slogans, Kommentare, Witze, Videos und alles andere, was ihr macht. Nehmen wir Twitter, eine wichtige Quelle für uns besonders für neueste Schlagzeilen selbst über das, was im Iran passiert. Ein Beispiel: die Studentenproteste in dieser Woche. Für alle, die keinen Twitter-Account haben, gibt es Webseiten, die die öffentlichen Tweets von jedem Hashtag senden. Überraschenderweise werden manche dieser Seiten noch nicht gefiltert. In den Fällen, wo gefiltert wird, benutzen wir Proxies, um diese Informationen zu bekommen. Es gibt auch RSS-Feeds, die wir wir benutzen können, um über netzbasierte E-Mail-Dienste an unsere Nachrichten zu kommen und die Filter auf andere Weise zu umgehen. Es ist nicht möglich, uns zu blockieren, es sei denn, man unterbricht das ganze Internet, was die Regierung nicht ohne weiteres tun kann, weil einige wichtige Kommunikationswege wie z. B. Bankwesen davon abhängen. Wenn sie sich jemals entschließen sollten, das zu tun, wird dazu eine Reihe kritischer Überprüfungen und das Auslaufenlassen von Verbindungen in Wohngebieten erforderlich sein. Selbst in diesem Fall werden wir immer noch Internet und am Ende Ferneinwahl haben. Wenn ich 200$ pro Monat zahlen muss, um zu lesen, was ihr schreibt, dann ist es eben so.

Also, wie kann eine Minderheit, die sich durch die Ecken und Winkel des Internet arbeitet, die Mehrheit informieren? Informationen von Webseiten werden zuerst über Chats und E-Mail verbreitet, und dann tut die Mundpropaganda ihr Bestes. In den letzten drei Monaten drehten sich die Gespräche bei jedem Abendessen in jedem Haus wo ich war um Politik und die aktuelle Situation. Meine Taxifahrten und Besuche im Gemüseladen sind durchsetzt mit aktuellen Nachrichten und Politik. So lange die Ereignisse in jedermanns Bewusstsein sind, zirkulieren Nachrichten auf sehr effiziente Weise.

Außer durch Mundpropaganda werden Informationen auch in materieller Form durch dasn iranische Sneaker-Net verbreitet. Vermutlich tun sich nicht viele Leute das an, aber manche. Zum Beispiel weiß ich von ein paar jungen Leuten, die wichtige Nachrichten ausdrucken, Fotos und Videos auf CDs brennen, die man auf normalen CD-Geräten abspielen kann, und dies dann zu ihren Familien außerhalb Teherans bringen, wenn sie sie am Wochenende besuchen. Es ist wichtig, das Regime in seinem Versuch, die Realität zu verschleiern, zu entwaffnen.

Als aktuelles Beispiel haben wir gesehen, gehört und gelesen, wie entgegenkommend New York City Ahmadinejad bei seiner Reise behandelt hat, und wie wohl er sich dort gefühlt hat. Ich bedanke mich herzlich bei allen Beteiligten und wünschte, ihr würdet ihn dort behalten, da wir keine weitere Verwendung für ihn haben. Er wirkte auch ziemlich zufrieden damit, leere Reden in leeren Hallen zu halten.

Wo wir über Twitter sprechen - wahrscheinlich wisst ihr, dass wir hier im Iran einen ähnlichen Dienst haben. Ich habe schon einmal etwas darüber geschrieben. Eigentlich war dieser Dienst einmal dafür gedacht, Slogans zu verbreiten und die Regierung daran zu erinnern, dass wir noch da sind. Aber vor Kurzem haben manche damit begonnen, dieses Mittel in ein Nachrichtensystem zu verwandeln. Ich habe sogar schon Grüne Poesie darauf gesehen. Wir müssen uns auf wenige Buchstaben begrenzen, um das Wesentliche der Nachricht an unsere Leser weiterzugeben. Es ist billig, immer verfügbar und sehr effektiv. Das Einzige ist, dass wir uns mit den Tweets nicht identifizieren, und es gibt keine Garantie dafür, dass die User nur bestätigte Nachrichten drucken. Aber was macht das schon? Wir befinden uns in einem Informationskrieg. Dies hier:







wird in Kürze Informationen über den aktuellen Kauf von TCI durch die Revolutionsgarden enthalten und in anderer Leute Geldbörsen gesendet werden.

Es ist nicht zu vermeiden, dass manche im Dunkeln bleiben, aber ich kann sagen, dass ich oft überrascht war, wenn ich in Gesprächen mit zufälligen Gesprächspartnern nicht nur in Teheran, sondern auch an entfernteren Orten bemerkte, wie gut sie über die Ereignisse im Iran und auch außerhalb informiert sind. Ich habe viele getroffen, die danach fragen, was die Außenwelt über uns denkt, und ich merke, dass ich nur gute und ermutigende Geschichten weitergebe.

So neugierig ihr auf das seid, was wir tun, so neugierig sind wir, was ihr tut. Die Unterstützung war immens und hat viele überrascht. Das Gesicht eines Gärtners aufleuchten zu sehen, wenn er das Bild von schwedischen Polizisten mit einer iranischen Flagge am Handgelenk sieht, ist nicht zu bezahlen.

Dienstag, 29. September 2009

Wovor hat Iran Angst?



Sehr wenige Sicherheitsexperten weisen darauf hin, dass es noch eine weitere Option gibt. Was fürchtet die iranische Führung letztlich wirklich? Ich wette, es sind keine Sanktionen, und möglicherweise auch kein Bombenangiff. Ein wirtschaftlicher Boykott kann immerhin mit Hilfe Venezuelas oder der russischen Mafia umgangen werden, und ein Angriff auf iranischem Boden könnte dem Regime wieder einmal zu einer Konsolidierung seiner Macht verhelfen.
Im Gegensatz dazu muss eine anhaltende und finanziell gut ausgestattete Menschenrechtskampagne eine wahrhaft schreckliche Aussicht sein. Was, wenn wir dem iranischen Regime daher sagen würden, dass sein Insistieren auf der Entwicklung nuklearer Waffen uns keine andere Wahl lässt, als die finanzielle Unterstützung für Dissidentengruppen im Exil zu erhöhen, Geld ins Land zu schmuggeln, den Äther mit Anti-Regime-Programmen zu bombardieren und vor allem die Myriaden von Verbrechen der Islamischen Republik Iran großflächig zu veröffentlichen? Was, wenn Präsident Obama bei seiner nächsten Pressekonferenz ein Foto von Neda, dem jungen Mädchen, das von iranischen Behörden ermordet wurde, hochhielte? Was, wenn er das bei jeder Pressekonferenz tun würde? Ich wette, dies würde Präsident Mahmoud Ahmadinejad und selbst den Obersten Führer mehr aus der Fassung bringen als der Verlust von ein paar Werkzeugmaschinen-Importen aus Deutschland oder holländischen Tomaten.

Mir ist klar, dass viele bei diesen Vorschlägen die Augen verdrehen und argumentieren werden, wie es die Regierung Obama diesen Sommer tat, dass ein aggressiver Fokus auf die massenhaften Menschenrechtsverletzungen im Iran diesem erlauben würden "ausländische Einmischung" zu schreien und seine Gegner als ausländische Spione zu attackieren. Ja und? Der Iran tut das bereits. Angesichts des Katastrophenpotentials, das hinter nahezu jeder anderen politischen Option lauert, haben wir bei einem Versuch mit Sicherheit nichts zu verlieren.

Iran's Green Movement: A personal note to the German TV stations

Why do I put this in English, when it is headlined to address the German TV makers? Because the German TV makers will not notice anyway. The German TV makers obediently get caught in the trap that I, Ahmadinejad, and my buddies from the regime have laid out for them.

Enough of human rights, look, I still have the Holocaust "lie" in my sleeve, and in case that will turn out to be not enough to also fool the rest of the world, I have a handy little nuclear enrichment site in my other sleeve, one that had not been revealed so far. Isn't that a big show. Come over here, TV stations of the world, I give you something to talkt about, something that will ensure you get big headlines and big viewing figures, something scaaaaaaaary and threeeeeeeeeatening.

Something to get distracted from the events back in the freest county of the world, damnit, just believe me, once and for all, that I was re-elected in a glorious landslide victory through the freest and fairest elections ever - no, that's not a lie like that Holocaust story, it's true, or at least I insist that it is true, and you better start believing it, damnit, I am not in the mood to repeat it over and over again... and that girl, what's her name again - Neda... leave me alone, your questions bother me, I don't want to talk about it, I wanna talk about Holocaust, yeah, about how invincible the Iranian nation is, and that nobody should dare to walk over us, and that the only guy who is allowed to tell lies here is me, me, Ahmadinejad, freest and fairest president in the world.

And for the media, well, I am keeping them busy. My special thanks here goes out to the German TV stations, because they are one of those who are easiest to fool - just talk about Holocaust, and you don't need to worry about them getting overly interested in the torture, rape, murder, human rights violations in Iran.

More than 1ooo students dare to protest on the opening day of the Iran universities, meaning, of course, that they all knowingly risk to get arrested, beaten, abducted, imprisoned, tortured, raped, killed - be sure, the German TV stations will not even notice. They have obediently engaged in discussing my test missiles. Great job, me.

Aww, and the UN conference in New York city - not a single line about the Global Day of Action, not a word about the hundreds of thousands of Iranians and non-Iranians protesting world wide against me. I am so smart, really. I can fool them all. I am invincible.

Hopefully, if my tactics work and I manage to put all media to sleep, I will finally get more sanctions. Nothing better than sanctions. The more foreign enemies I have, the longer I will be in power. I just hope they will start a military strike soon, because that's really the best thing that could happen to me. And, well, if not - I can still threaten to attack Israel, and deny the Holocaust once more, and - ummm, what else - yeah, of course, the nuke issue. Sooner or later the international community will be scared so much that they think a military intervention will save them.

Thank you, ARD, thank you ZDF, thank you WDR, thank you all German TV stations and daily newspapers of Germany, for being such good buddies. If you don't even notice what's going on in front of your eyes, I can be sure you don't notice the other traps I have put up for the world. I am invincible as long as everyone else is deaf and blind and more stupid than me. Cheers!

Montag, 28. September 2009

Sanktionen, Krieg oder Unterstützung?

Quelle (Englisch): http://iranian.com/main/blog/mahmood-karimi-hakak/sanctions-war-or-support
Übersetzung: Julia
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von Mahmood Karimi Hakak
28. September 2009

Als Reaktion auf Ahmadinejads letzten Besuch haben viele Gruppen, Organisationen und Regierungsmitarbeiter nach mehr Sanktionen gegen und/oder einer militärischen Intervention im Iran gerufen. So schätzenswert die Bemühungen dieser Gruppen um eine Diskreditierung Ahmadinejads sind - und in der Tat müssen dieser Mann und seine skrupellosen, barbarischen und kaltblütigen Hintermänner gestoppt werden - habe ich im Zusammenhang mit ihrer Botschaft einige Befürchtungen. Ich glaube, dass diese Gruppen und Organisationen bei all ihrer guten Absicht dem diktatorischen Regime in Iran in die Hände spielen. Sie fordern exakt das, was Ahmadinejad will; mehr Sanktionen und/oder einen möglichen Krieg mit Iran!

Ahmadinejad ist nicht dumm. Er und seine Hintermänner sind bösartig, aber viel, viel schlauer als wir vielleicht denken. Sie wissen, dass das Ende ihres Regimes naht. Sie wissen es durch das, was in den letzten Jahren und - sichtbarer für die Welt - in den letzten Monaten im Iran passiert ist. Sie (und viele politische Beobachter ebenso) haben die Ähnlichkeiten zwischen heute und dem Beginn der Revolution vor dreißig Jahren erkannt. Sie begreifen, dass das Einzige, was sie retten und weitere 30 Jahre an der Macht halten kann, eine "ernsthafte" ausländische Intervention ist, so wie Saddams Angriff auf Iran im Jahre 1980.

Strengere Sanktionen werden als "indirekte ausländische Intervention" übersetzt und MEHR Druck auf das iranische Volk herbeiführen, mehr Inhaftierungen, Vergewaltigungen, Hinrichtungen politischer Dissidenten. Und sie werden wahrscheinlich dazu führen, dass die Unterstützung für Ahmadinejads Präsidentschaft wächst und dazu beitragen, dass die Massen-Opposition effektiv zum Schweigen gebracht wird. Ein Krieg wird als "direkte ausländische Einmischung" übersetzt werden und mehr Menschen auf ihre Seite bringen. Es wird sehr wahrscheinlich die Iraner dazu mobilisieren, ihr Land zu verteidigen und unter dem Schirm dieses brutalen Regimes zu marschieren, um die "ausländische Intervention" zu bekämpfen, so wie es 1980 geschah.

In 1980 gab es Massendemonstrationen gegen das Establishment einer "Islamischen" Republik und die Regierung der Mullahs. Die Menschen wollten keinen religiösen Staat, sie nahmen Khomeini mit seinem Versprechen (das er in Paris gegeben hatte) beim Wort: "alles, was [er] will, ist den Schah loszuwerden und Iran zu befreien." Bei vielen Gelegenheiten (eine davon ist das aufgezeichnete Interview mit Peter Jennings) sagt er, sobald der Schah weg sei, werde er in Qom leben und die Menschen entscheiden lassen, welche Art von Regierung sie sich für ihr Land wünschen. Wir alle wissen, dass es nicht so kam. Als der Schah weg war, handelte Khomeini gegen seine früher erklärten Absichten, blieb in Teheran und nannte sich selbst "Oberster Führer".

Als die Menschen gegen diese Entscheidung protestierten, wurde die amerikanische Botschaft besetzt, womit ein "ausländischer Feind" geschaffen wurde. Amerika seinerseits ermutigte Saddam, Iran anzugreifen (exakt das, was Khomeini gehofft hatte), und der achtjährige Krieg begann. Im Namen der Rettung ihres Landes marschierten Iraner unter seinem Kommando. Politische Aktivisten kamen ins Gefängnis, wurden vergewaltigt, gefoltert und getötet, und die Verfassung der "Islamischen Republik" wurde entworfen. Ein Jahr nach Kriegsbeginn zog Saddam sich zurück, Prinz Faysal von Saudi Arabien traf sich mit Khomeini und bot 90 Mrd. Dollar als Kompensation für den Krieg unter der Bedingung, dass Khomeini die Friedensvereinbarung unterzeichnet. Doch Khomeini und seine Bande hatten ihren Griff um das Land noch nicht gesichert. Sie brauchten mehr Zeit. Darum wies Khomeini das Angebot zurück und unterzeichnete die Vereinbarung nicht. Sieben Jahre später, mit fast einer Million Toten auf beiden Seiten, war die Oppositionsbewegung zum Schweigen gebracht, Frauen "an ihren Platz verwiesen", Intellektuelle waren aus dem Land geflohen oder hatten sich dem Regime untergeordnet, politische Aktivisten der mittleren Ränge wurden zum Schweigen gebracht oder unterschrieben "reumütige Briefe", und hochrangige politische Aktivisten waren entweder im Gefängnis oder verschwunden.

Dann, 1988, bevor er "das Gift trank" und die Friedensvereinbarung mit Saddam (dieses Mal ohne Kompensation) unterzeichnete, ordnete Khomeini die nächtliche Hinrichtung von mehr als 3000 politischen Aktivisten an, die sich noch im Gefängnis befanden. Es gibt unzählige Horrorgeschichten über diese Nacht. Eine dieser Geschichten wird wieder und wieder erzählt, von Gefängniswärtern und Henkern selbst. Sie sagen, sie "hatten nicht genug Zeit", um jede Person sterben zu lassen, darum warfen sie sie bei ersten Anzeichen des Schwächerwerdens auf Lastwagen mit halbtoten Menschen und brachten sie zu Massengräbern. Das Land war "gesäubert" von der Opposition, und nun konnte er (Khomeini) das Friedensabkommen unterzeichen. Der Rest ist Geschichte: drei Jahrzehnte brutaler Unterdrückung des iranischen Volkes, Destabilisierung der Region und Unterstützung des Terrorismus.

Jetzt braucht das iranische Regime wieder die Hilfe ausländischer Regierungen und Gruppen, um seinen Griff um die Bürger zu verstärken und weitere 30 Jahre an der Macht bleiben zu können. Nach der Konfrontation mit massiver Opposition innerhalb Irans spielt dieses Regime dasselbe Spiel, setzt auf dieselben Karten, die ihm in der Vergangenheit ein Vermögen beschert haben. Es provoziert "ausländische Interventionen", direkt oder indirekt, um sein Ziel - weitere 30 Jahre Diktatur - zu erreichen. Warum, denken Sie, fängt Ahmadinejad jetzt, nach fast vier Jahren, wieder mit seiner Leugnung des Holocaust an, nachdem er das Thema so lange fallen gelassen hatte? Warum "sickerten" ausgerechnet dieser Tag Nachrichten einer weiteren Nuklearanlage durch? Ist das alles wirklich zufällig?

Diese Geschichte wiederholt sich, wieder einmal. Dieses Mal jedoch hoffe ich, dass das iranische Regime sich mit klügeren ausländischen Regierungen konfrontiert sieht, die ihm nicht in die Hände spielen, wie Reagan und Saddam es 1980 taten.

Was das iranische Volk braucht, um diese Diktatoren loszuwerden, ist keine "ausländische Intervention" in Form von mehr Sanktionen oder einem weiteren Krieg. Was es braucht, ist ausländische Unterstützung. Was es braucht, ist, dass dieser Mann NICHT als ihr Präsident ANERKANNT wird. Es braucht, dass die Welt die Brutalität dieses Regimes gegen sein eigenes Volk öffentlich macht, und es braucht, dass die Welt das persönliche Kapital dieser Leute auf ausländischen Banken einfriert. Und natürlich werden Veranstalter anderer "Unterstützungen" gebraucht, um den Iranern dabei zu helfen, dieses Regime zu bezwingen - nicht durch eine bloße weitere "Revolution", die irgendwann einen Diktator durch einen anderen ersetzt, sondern dadurch, dass den Iranern ermöglicht wird, sich den Weg der "Evolution" zu bahnen, auf dem sie schon marschieren.

Lasst und dem iranischen VOLK helfen, nicht der iranischen REGIERUNG, bitte!

Libanesischer Geistlicher: Auch wir haben unter der iranischen Führung gelitten

Quelle (Englisch): http://english.mowjcamp.com/article/id/34742
Übersetzung: Julia
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Veröffentlicht am Sonntag, 20. September 2009 19:49

Allameh Amin ist ein hoher libanesischer Geistlicher, der seit langem immer wieder die Position des Velayat-e faghih oder der Führung der Geistlichkeit (zur Zeit Ayatollah Khamenei) kritisiert.

In einem Interview mit Mohammad Javad Akbarin, dass auf der oppositionellen Webseite Rahe Sabz veröffentlicht wurde, erklärt Allameh Amin, dass "die Probleme begannen, als die Behörden im Iran vom Velayat-e faghih sprachen, als handle es sich dabei um einen Erlass des Himmels und sei unbestreitbar, wo es doch lediglich eine Art zu denken darstellt, mit der viele nicht einverstanden sind", manche würden die Gefolgsleute des Velayat-e faghih sogar als Förderer der Häresie in der Religion bezeichnen.

"Häresie" ist der Ausdruck, den auch Großayatollah Montazeri benutzte, als er einen Brief an führende muslimische Geistliche schrieb und vor "Handlungen gegen die Religion und die prinzipiellen Ziele der Revolution" warnte, die klare Beispiele für Häresie seien.

Der libanesische Geistliche glaubt, dass die "jüngsten Ereignisse das Ergebnis einer Abweichung und einer ungerechten Regierung sind, die sich selbst als heilig ansieht und jeder Kritik die Türen verschließt."

Allameh Amin betrachtet die Entschuldigung von Großayatollah Montazeri gegenüber dem Volk und die Stimmen des Protestes von revolutionären Persönlichkeiten als Beweis, dass diese Theorie ihren Test nicht bestanden hat.

“Ich glaube nicht, dass die gegenwärtigen Probleme im Iran sich [leicht] lösen lassen, denn die Behörden haben beschlossen, hart gegen die Menschen vorzugehen, sie haben nicht begriffen, dass dieses harte Vorgehen das Problem nicht lösen, sondern die Kluft zwischen ihnen und dem Volk vergrößern wird."

Allameh Amin zeigte sich überrascht darüber, wie die Islamische Republik nach der letzten Präsidentschaftswahl ihr starkes Image in der Welt zerstörte. Er erklärt, wie "die Libanesen als Folge der Expansion des iranischen Führers in den Libanon und andere Länder hinein leiden." Außerdem kritisierte er die Position der Hisbollah bezüglich der iranischen Einmischung im Libanon, die die schiitische Gemeinschaft im Libanon als "unterwürfig gegenüber Ausländern" dargestellt habe.

Schließlich argumentiert Allameh Amin, das Image des Velayat-e faghih sei nach den jüngsten Unruhen hochgradig befleckt. "Das iranische Volk hat der Welt gezeigt, dass es seinen Führer nicht als fähig betrachtet, Kritik anzunehmen, und durch die Stimme ihrer Opposition haben sie mitgeteilt, dass diese Regierung rein gar nichts mit schiitischem Islam zu tun hat."

Erst vor wenigen Tagen hatte Großayatollah Montazeri einen Brief an die Geistlichen in ganz Iran geschrieben und sie gedrängt, angesichts dessen, was insbesondere im Iran im Namen der Religion geschehe, nicht stumm zu bleiben.

Sonntag, 27. September 2009

Reza Pahlavi von Iran beim Gipfel der "Global Creative Leadership" in New York City

Meine Damen und Herren:
Ich freue mich, heute bei Ihnen zu sein, und ich bin besonders dankbar, dass die Gastgeber des Gipfels, Louise Blouin und Herr Andelman sowie die anderen Organisatoren dieses wichtigen Podiums mir erlaubt haben, einige meiner Gedanken mit Ihnen zu teilen.

Es ist etwas überflüssig, dass ich dieses bestens informierte und angesehene Publikum an die Wichtigkeit des Mittleren Ostens und seine gegenwärtige Unberechenbarkeit sowie die Bedrohung erinnere, die diese gefährliche Unberechenbarkeit - wenn sie unkontrolliert ist - für internationalen Frieden und Sicherheit darstellt.

Sie werden mir zustimmen, dass die Tage vorbei sind, als Krisen und Gewalt in weit entfernten Gebieten auf ihre jeweiligen Lokalitäten eingegrenzt und dort isoliert bleiben konnten, während wir weiter lebten wie immer. Wir leben in einer Welt der gegenseitigen Abhängigkeiten und zunehmenden Verbindungen, und ich muss dem Publikum hier in New York City nicht sagen, dass wir gegen die Folgen von Ereignissen in entfernten Unruhegebieten nicht länger immun sind.

Heute möchte ich mich besonders auf die Rolle des geistlichen Regimes konzentrieren, das gegenwärtig mein Heimatland Iran regiert, das zweifelsohne heute einer der größten Ausgangspunkte für Instabilität und Gewalt in der Region ist.

In meinen Augen haben die gefährlichen Bedrohungen durch das abenteuerliche fundamentalistische Regime in Teheran in der Zeit nach der letzten Präsidentschaftswahl neue Höhen erreicht. Die gegenwärtige iranische Führung hat jeden Anschein interner Legitimität und internationaler Akzeptanz verloren. Und doch bleibt regionales Abenteurertum der favorisierte Fluchtweg des Regimes. In dem Versuch, die verlorene Legitimität zu Hause durch den Beifall radikaler Islamisten im Ausland zu ersetzen, lenkt das Regime von den Problemen im eigenen Land ab, um ein paar eingefleischten fundamentalistischen Anhängern den Rücken zu stärken.

Heute werden die meisten Beobachter ohne Zweifel dem zustimmen, was ich seit langem sage - dass die meisten Iraner dieses fundamentalistische politische System, das sie ihrer Rechte, ihrer individuellen Freiheiten und vor allem ihrer Würde beraubt hat, verändern wollen.

Die Frage ist nun, wie der Wille der Mehrheit gegen die skrupellose Entschlossenheit korrupter Authoritäten vorangebracht werden kann. Wie kann interner Widerstand in einem Regime aufrecht erhalten werden, dass bereit ist, jedes Mittel anzuwenden, um seinen verhassten Würgegriff um eine wehrlose Bevölkerung nicht lockern zu müssen? Heute sind alle Iraner, quer durch das politische Spektrum, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes, absolut motiviert und entschlossen, Wege zu finden, um die Errungenschaften anderer Demokratiebewegungen nachzubilden. Die Iraner haben die Geschichte anderer Demokratien, in denen Menschen erfolgreich Widerstand leisteten und schließlich scheinbar unbesiegbare Diktaturen bezwangen, genau studiert - wie zum Beispiel die der früheren Sowjetunion und ihrer osteuropäischen Satellitenstaaten.

Niemand erwartet, dass dies einfach oder ohne Risiko sein wird. In der Tat stehen schwere Entscheidungen an. Die pauschale Unterdrückung durch die iranische Führung hat den Bedarf an neuen Koordinationsmechanismen innerhalb und außerhalb Irans und ohne die ständige Angst vor Verhaftungen oder Belästigungen unterstrichen. Diese externe und interne Koordination befördert den Kampf des iranischen Volkes und ist ein notwendiger Katalysator, um das letztendliche Ziel der Freiheit zu erreichen.

Es ist mir wichtig, auch die Unterstützung und das Verständnis hervorzuheben, die das iranische Volk seitens der internationalen Gemeinschaft erhalten muss. Solidarität seitens der Regierenden der Welt erhält die Antriebskraft, die der Kampf für Freiheit und Demokratie im Land und Frieden und Stabilität in der Region braucht.

Es sollte nicht länger daran gezweifelt werden, dass das Tandem Khamenei - Ahmadinejad darauf aus ist, das Überleben ihres blutbefleckten Regimes zu sichern, indem sie regionales Chaos verursachen, ausländische Bedrohungen erfinden und dann die nukleare Verteidigung als Erfordernis für den Nationalismus forcieren.

Ungeachtet des Für und Wider einer Politik des Engagements, wie sie von Präsident Obama befürwortet wird, erscheinen die Aussichten für einen ernsthaften Durchbruch beim für den ersten Oktober geplanten Treffen der 5+1 sehr fern und unrealistisch.

Aus Sicht der iranischen Führung ist Präsident Obamas Angebot für direkte Gespräche nicht etwa die großherzige Geste einer neuen und aufgeklärten Führung, um Spannungen zu mindern und alte Streitereien beizulegen. Für den Klerus ist dieses Angebot eine schweigende Anerkennung der unanfechtbaren Macht Irans. Das regierende Establishment im Iran betrachtet die Möglichkeiten eines Dialogs mit dem Westen als weiteres Zeichen der Ermutigung, seine Positionen zu konsolidieren. Erwartungen seitens derer, die Kompromisse in Schlüsselfragen wie z. B. Irans Atomprogramm oder Irans Unterstützung von terroristischen Organisationen im Mittleren Osten suchen, sind naiv. Die Aussichten für eine wie auch immer geartete zufriedenstellende Lösung für Irans nukleare Aktivität scheinen düster, insbesondere im Sog der umstrittenen Wiederwahl Ahmadinejads. Es ist unrealistisch, von dieser Regierung, die im Inland ihr strenges Gesicht gezeigt und den Westen bezichtigt hat, den gegenwärtigen Aufruhr im Iran zu organisieren, eine versöhnlichere Haltung zu erwarten.
Unter Umständen, die nur wenig Hoffnung auf einen akzeptablen diplomatischen Kompromiss aufkommen lassen, scheinen andere Optionen sich auf weitere von Russland und China verwässerte Sanktionen oder einen weiteren unwillkommenen und potentiell katastrophalen Konflikt im Mittleren Osten zu beschränken.

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die "Zuckerbrot und Peitsche"-Methode des Westens schlichtweg nicht die notwendige Hebelwirkung hatte, die erforderlich ist, um einen Richtungswechsel im Verhalten der Islamischen Republik zu erzwingen. Angesichts der jüngsten internen Schwächung der politischen Struktur im Iran könnten strengere Sanktionen bessere Wirkung entfalten, wenn sie durch eine starke Unterstützungspolitik für die Menschenrechte der Millionen Iraner, die mit so viel Mut gegen ihre Unterdrückung kämpfen, ergänzt würden.

Ich war immer der Meinung, dass die mutigen Menschen Irans die einzige Achillesferse des Regimes sind. Es ist Zeit, dass sie von der internationalen Gemeinschaft mit der Anerkennung und der Unterstützung belohnt werden, die sie verdienen. Gestärkt durch solche Unterstützung wird der Druck des Volkes Ausmaße annehmen, die nicht einmal das Regime als ausländische Verschwörung wird abtun können. Nur mit dem Aufbau dieses internen Drucks kann die Islamische Republik zu einem Politikwechsel gezwungen werden.

Nach 30 Jahren wirtschaftlichen Niedergangs, sozialer Umbrüche, Menschenrechtsverletzungen und internationaler Dämonisierung kann man mit Sicherheit behaupten, dass das Feuer der Islamischen Revolution im Iran verschwunden ist. An seine Stelle getreten ist ein Fenster für die Art von Veränderung, die wir alle suchen. Es ist meine Hoffnung, dass diese Gelegenheit nicht ungenutzt verstreicht.

Mohsen Rezaie empfiehlt Wahlkommission für Iran

Quelle (Englisch) http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/09/recommendation-for-an-ele.html
Übersetzung: Julia

Veröffentlicht auf Radio Zamaneh am 27. September 2009

Mohsen Rezai, Sekretär des iranischen Expertenrats, empfiehlt die Bildung einer nationalen Wahlkommission, um zu verhindern, dass die Regierung sich in Wahlen einmischt. Er erklärt, die Bildung einer solchen Kommission würde das Vertrauen der Menschen in das System sicherstellen und die nach der Wahl entstandenen Probleme lösen.

Mohsen Rezaie ist neben Mir Hossein Mousavi und Mehdi Karroubi einer der drei Präsidentschaftskandidaten, die Mahmoud Ahmadinejads Wahlsieg im Juni anfechten. Während Mousavi und Karroubi weiterhin die Echtheit der Wahl bezweifeln und die daraus hervorgegangene Regierung juristisch in Frage stellen, hat Rezaie seine Vorwürfe der Wahlfälschung bald nach Ausbruch der landesweiten Wahlproteste im Iran zurückgenommen. Er war zudem der einzige der drei Kandidaten, der bei Ahmadinejads Amtseinführung zugegen war.

Rezaie nannte keine Einzelheiten zu der vorgeschlagenen Kommission. Er sagte, er strebe etwas ähnliches an wie die "Unabhängige Wahlkommission" in Afghanistan.

Rezaie, der vor einer Versammlung von Studenten in Masjid-e Soleyman sprach, brachte sein Bedauern über die "heftige Sicherheitsatmosphäre in der Gesellschaft" zum Ausdruck. Er sagte den Studenten: "Ebenso wie Menschen das Recht haben, an Wahlen teilnzunehmen, sollte ihnen auch das Recht gegeben werden, zu protestieren." Er fügte hinzu: "Wenn die Proteste legal sind und die Führung der Proteste ethischen und gesetzlichen Maßgaben entsprechen, sollte die Regierung sie akzeptieren."

Im Juli hatte Rezaie vor Zusammenstößen zwischen den "islamischen und republikanischen Aspekten" des Systems gewarnt und gesagt, wenn diese anhalten sollte, könnte es zu einer Demontage des gesamten Regimes führen. Weiter hatte er gesagt, Ahmadinejad, Mousavi und Karroubi hätten "keine andere Alternative als sich zusammenzusetzen, um die nationalen Interessen zu wahren".

Iranischer Demonstrant flieht nach seinem Bericht über Vergewaltigung und Folter im Gefängnis

Quelle (Englisch): http://www.nytimes.com/2009/09/27/world/middleeast/27iran.html?pagewanted=2
Übersetzung: Julia

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Veröffentlicht: 26. September 2009

Als er sich voller Begeisteriung den Massenprotesten in den Straßen anschloss, die auf Irans mit Zweifeln behaftete Präsidentschaftswahlen vom 12. Juni folgten, wollte Ibrahim Sharifi, 24, nur seine Stimme zu den Hunderttausenden hinzufügen, die von der Regierung forderten, die Ergebnisse zu annullieren. Niemals hätte er sich vorstellen können, irgendwann einen viel größeren Einfluss zu haben - als einzige Person, die bereit ist, über die brutale Behandlung zu berichten, der er im Gefängnis unterzogen wurde, darunter Vergewaltigung und Folter.

Sharifi, der dem Oppositionsführer und früheren Präsidentschaftskandidaten Mehdi Karroubi von den Torturen berichtete und letzten Monat einen Videobericht auf oppositionellen Webseiten veröffentlichte, ist zur Zeit in der Türkei. Er sagt, er sei aus dem Iran geflohen, nachdem ein Fremder ihn auf der Straße angehalten habe, um ihm zu sagen, dass seine Familie getötet werde, falls er vor dem parlamentarischen Komitee aussagen sollte, das die Folter- und Vergewaltigungsvorwürfe untersucht.

“Ich fühlte mich nicht mehr sicher, und außerdem hätte ich das Leben meiner Familie gefährden können," sagte er während einer Reihe von Telefoninterviews, in denen er detailliert über die Demonstrationen, seine Haft und die psychologischen Narben sprach, die die Misshandlungen hinterlassen haben.

Seit er von seinen Kidnappern an einer Teheraner Autobahn ausgesetzt wurde, sagte er, habe er panische Angst vor dem Alleinsein. Zuerst hatte er Schlafprobleme wegen der Angst, dass der Wachmann, der ihn im Gefängnis vergewaltigt hatte, ihn wieder angreifen würde. Jetzt ist er davon überzeugt, dass er von jemandem verfolgt wird, der ihn töten will.
“Ich war bereit, zu Tode gefoltert zu werden," sagte er mit zitternder Stimme. "Aber nicht, jemals das durchzumachen, was mir dort passiert ist."

Karroubi und ein anderer Oppositionsführer und Präsidentschaftskandidat, Mir Hussein Moussavi, haben die teuflischen Taktiken der Sicherheitsbehörden gegen die Demonstranten energisch verurteilt, von denen ihren Angaben zufolge 72 ermordet wurden. Doch von allen eingereichten Vorwürfen der Brutalität und des Missbrauchs stellt keiner eine solche Bedrohung für die Regierung dar wie die, die mit Vergewaltigung und Sodomie zu tun haben, die im Iran kulturell und religiös inakzeptabel sind.

Die Vergewaltigungsvorwürfe waren von Karroubi öffentlich gemacht worden, nachdem die Opfer begonnen hatten, sich an sein Büro zu wenden und über die Misshandlungen zu berichten. Die Vorwürfe - die die ramponierte Opposition neu zu beleben schienen - wurden von der Regierung umgehend zurückgewiesen. Die Regierung führte daraufhin Razzien in den Büros von Karroubi und Mousavi durch und beschlagnahmte Material. Anschließend verfügte ein juristischer Untersuchungsausschuss, dass die als Beweise für Vergewaltigungen und andere Misshandlungen vorgelegten Dokumente gefälscht seien.

Doch der Regierung ist es nicht gelungen, die Opposition und die Menschenrechtsgruppen zum Schweigen zu bringen, die die Behauptungen der Regierung zurückweisen. Menschenrechtsgruppen zufolge weist Sharifis Bericht deutliche Übereinstimmungen mit Berichten anderer Missbrauchsopfer auf. Omid Memarian, Rechercheur bei Human Rights Watch, sagt, er habe die Glaubwürdigkeit von Sharifis Geschichte mit Hilfe von Personen aus dem engen Umkreis Karroubis bestätigt.

“Seine Geschichte ist konsistent," sagt Memarian. "Er hat keinen Grund dazu, mit einer erfundenen Geschichte Risiken einzugehen, zumal er auch mit den Justizbehörden Kontakt hatte und eine gründliche Untersuchung gefordert hat."

Sharifi ist einer von fünf Brüdern, die im Norden Teherans in einer Familie der Mittelklasse aufwuchs. Die Familie war religiös, aber nicht fanatisch. Sein Vater, ein pensionierter Militäroffizier, hatte die Revolution von 1979 unterstützt und an den Demonstrationen gegen den Schah teilgenommen. Seine Mutter trug den traditionellen Tschador.

Sharifi studierte Computertechnik an der Offenen Universität Teheran und lernte beim italienischen Konsulat Italienisch, letzteres, weil er hoffte, einmal in Italien Medizin zu studieren.

Ohne offen politisch zu sein sagte er, er habe mehr Demokratie und Freiheit gewollt, aber schrittweise und friedlich. "Ich habe meinem Vater immer gesagt, dass selbst die REvolution von 1979 ein Fehler war und dass meine Generation keine Revolution will," sagte er.

Er sagt, alle in seiner Familie hätten die Reformbewegung favorisiert und seien geschockt gewesen, als Ahmadinejad bekannt gab, dass er einen Erdrutschsieg errungen habe - ein Ergebnis, das als Fälschung angeprangert wurde.

Sharifi war außer sich und begann als einziger in seiner Familie, täglich an Demonstrationen teilzunehmen. Am 22. Juni war er war auf seinem Weg zurück nach Hause, als er von zwei Männern gepackt wurde. "Ich hatte an jeder einzelnen Demonstration teilgenommen, ich hatte es kommen sehen, " sagte er.

Er sagte, man habe ihm Handschellen angelegt und die Augen verbunden und, wie er später erfuhr, in die berüchtigte Haftanstalt Kahrizak im Südwesten Teherans gebracht, von dem sogar die Regierung einräumt, dass mehrere Inhaftierte dort getötet wurden.

Er sagte, er habe vier Tage in Handschellen und mit verbundenen Augen in einer überfüllten Zelle mit etwa 30 anderen Gefangenen verbracht.

Am ersten Tag und periodisch auch in den folgenden vier Tagen seien sie bewusstlos geschlagen worden. Urin und Blut bedeckten den Boden. Am vierten Tag begann er, die Hoffnung aufzugeben, lebend wieder herauszukommen. Er konnte seinen Mund nicht schließen und sagte, dass er Blut zu spucken begann.

“Ich sagte dem Wachmann, dass er mich einfach töten sollte, wenn er wolle," sagte er und brach in Tränen aus. "Daraufhin rief der einen anderen Wachmann und sagte ihm, er solle mich schwängern."

Sie brachten ihn aus der Zelle in einen anderen Raum, wo sie ihn gegen eine Wand drückten, an der sich Handschellen und zwei Metallhaken befanden, mit denen seine Beine auseinander gehalten wurden. Der Wachmann zog seine Unterwäsche herunter und begann, ihn zu vergewaltigen.

“Er lachte spöttisch, während er das tat und sagte, ich könnte mich nicht einmal selbst verteidigen, wie ich denn darauf käme, eine Revolution inszenieren zu können."

“Sie wollten mich einschüchtern und erschrecken," sagte er weinend.

An diesem Punkt, sagte Sharifi, habe er das Bewusstsein verloren. Das nächste, an das er sich erinnerte war, dass er die Augen öffnete und realisierte, dass er in einem Krankenhaus lag, eine Hand an das Bett gekettet. Ein anderer Mann im Bett neben ihm schrie hysterisch.

Er sagte, er habe gehört, wie ein Arzt zu jemandem sagte, "Schmeiß ihn irgendwo raus, oder du wirst dasselbe Problem haben wie die anderen," womit gemeint war, dass er in der Haft sterben würde. Zwei Tage später, so sagte er, habe man ihn in ein Auto gesetzt, zu einer Autobahn in Teheran gefahren und ihn dort mit verbundenen Augen ausgesetzt.

Er ging sofort zu einem Psychiater, der ihn mit hohen Dosen angstlösender Medikamente behandelte. Dann ging er zur Polizei, um Beschwerde einzureichen, aber der Beamte gab ihm den Rat, dankbar dafür zu sein, dass er noch lebe, und zu versuchen, alles zu vergessen.

Rechtzeitig entschloss er sich, Karroubi aufzusuchen, da er gehört hatte, dass auch andere Vergewaltigungs- und Folteropfer dies getan hatten. Zuerst sprach er nur über die Folter, die Vergewaltigung war ein zu schmerzhaftes und peinliches Thema, um darüber zu sprechen.

Doch Karroubi vermutete, dass er sexuell missbraucht worden war, weil er jedes Mal, wenn er nach seinem letzten Tag im Gefängnis gefragt wurde, zu weinen und zu zittern begann, und drängte ihn, bis Sharifi es ihm endlich erzählte.

Selbst nach seiner erschütternden Totur weigert sich Sharifi, der darauf hofft, irgendwann in die USA gehen zu können, sich einschüchtern zu lassen.
“Ich glaube, sie verfolgen mich, um mich zu töten," sagte er. "Aber ich werde nicht zulassen, dass sie mich zwingen zu schweigen."

Samstag, 26. September 2009

Eltern der Kahrizak Opfer wollen Gerechtigkeit für ihre Kinder + Interview mit Dr. Rouholamini

Quelle (Englisch): http://english.mowjcamp.com/article/id/36382
Übersetzung: Julia

Mittwoch, 23 September 2009 02:23Uhr

Die letzte Ausgabe der iranischen Wochenmagazins "Panjareh" berichtet über die unvergessliche Tragödie der "Kahrizak-Morde" und beleuchtet die Auswirkungen und die Aktionen der Regierung und der Eltern der Opfer.

“Tabnak” berichtet, dass neben den Interviews mit Dr. Abd Al Housein Rouholamini, Najaf Abadi, Ali Javadifar und Ali Kamrani, den trauernden Vätern von Opfern, zwei weitere Stellungnahmen anonym gebliebener Eltern in Form von Notizen und kurzen Briefen zum Thema vorliegen.

Die Zusammenfassung der Notizen und Interviews:

Ali Javadifar, der Vater des Getöteten Amir Javadifar (ermordet während seines Haft in Kahrizak), schreibt folgendes:

“Als Reaktion auf den Wunsch (des Volkes) nach Gerechtigkeit"
Vor Kurzem hatte ich ein Treffen mit dem Aufseher des Kahrizak-Gefängnisses. Das Treffen endete mit verbalen Ausfällen und tätlichen Angriffen. Ich zeigte ihm ein Foto meines ermordeten Sohnes und fragte ihn, "Wissen Sie, wer (die Person) auf dem Bild ist? Das ist dieselbe Person, die Sie und Ihre Lakaien zusammengeschlagen haben, weil er im Schatten gesessen hatte". Vor einigen Tagen besuchte ich den Generalstaatsanwalt, der mit dem Fall betraut ist, und er informierte mich über die Maßnahmen, die ergriffen wurden, um Beweise und Zeugenaussgen zu sammeln.Er versprach mir zudem, dass er den Fall mit aller Entschlossenheit und kompromisslos verfolgen werde und dass das Gericht seine Arbeit baldmöglichst aufnehmen wird."

“Bedenkt man, dass der Oberste Führer persönlich gefordert hat, dass diese Angelegenheit untersucht wird, so werden meiner Meinung nach diese Morde ernst genommen werden. Da er eine starke Position bezogen hat, wird man mit den Schuldigen und ihren Partnern rasch verfahren können."

In einer dem Gericht übermittelten Zeugenaussage habe ich darum gebeten, dass das Gericht jede einzelne beteiligte Person belangen möge, angefangen bei denen, die die Befehle gaben bis hin zu denen, die assistierten und die Befehle ausführten. Mir geht es nicht um eine bestimmte Person, sondern ich glaube, dass jeder, der an den "Kahrizak-Morden" und der Ermordung meines geliebten Sohnes beteiligt war, vom einfachsten Soldaten bis hin zum höchstrangigen Offizieren, belangt und verurteilt werden muss.

Meiner Meinung nach würde das iranische Volk vom Richter dasselbe verlangen, nicht nur, um die Familien emotional zu unterstützen, sondern auch, um die am Vergießen unschuldigen Blutes beteiligten Verbrecher in maximaler Ausschöpfung des Gesetzes zu verfolgen.

Dankenswerterweise sind, was Kahrizak und die verabscheuungswürdigen Ereignisse in diesem Gefängnis anbetrifft, viele Menschen vorgetreten und haben Zeugnis abgelegt. Unter der Voraussetzung, dass das Rechtssystem für ihre Sicherheit sorgt, werden diese Menschen bereit sein, diese Zeugenaussagen vor Gericht zu machen.
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Ali Kamrani, der Vater des verstorbenen Mohammad Kamrani (ein Mordopfer von Kahrizak) schreibt folgendes:

Mein Wunsch: “Auge um Auge”
Seit meine Frau und ich in der Justizabteilung vorgesprochen haben, um unserer Zeugenaussage als Kläger zu machen, haben wir nichts mehr gehört. Sollte es in dem Fall Fortschritte gegeben haben, so weiß ich nach wie vor nichts davon. Wirkliche Fortschritte wird es nur dann geben, wenn die Beschuldigten gestehen und wir von diesen Geständnissen erfahren.

Wir haben die entsprechenden Behörden, mit denen wir in Kontakt stehen, darüber informiert, dass wir erst zufrieden sein werden, wenn alle Schuldigen in voller Ausschöpfung der gesetzlichen Möglichkeiten belangt worden sind, damit meine ich "Auge um Auge". Dies, und nur dies, fordern wir und Familien anderer Opfer, und nur damit werden wir uns zufrieden geben.

Ich reiche keine Klage gegen eine Einzelperson ein, sondern gegen alle Beteiligten an diesen furchtbaren Morden. All diese Leute müssen nach dem Gesetz bestraft werden, ungeachtet ihrer Position, ihres Amtes oder ihrer Amtsgewalt. Die Regierung selbst muss dies in die Hand nehmen, und Gerechtigkeit muss ausnahmslos walten.

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Zur Zeit werden die Akten aller Familien, die einen Angehörigen in Kahrizak verloren haben, zusammen mit den Akten der ehemaligen dort Inhaftierten zusammen in einem einzigen Gericht bearbeitet. Herr Rouholamini, der an einem Treffen mit dem für all diese Akten verantwortlichen Richter teilnahm, berichtete mir am Telefon, dass in allen Fällen große Fortschritte zu verzeichnen seien.

Ich bin der Meinung, dass diese Fälle öffentlich verhandelt werden müssen, damit die Menschen den Verbrechern Gesichter zuordnen können und die Wahrheit für alle sichtbar wird. Auf diese Weise werden die Verbrecher und ihre Mitarbeiter sich in ihrer Verteidigung weniger auf Lügen berufen.

Interview mit Dr. Rouhalamini:

Der ehemalige Direktor des Pasteur-Instituts in Iran war kein Unbekannter in Irans politischen und wissenschaftlichen Kreisen, aber die schrecklichen Ereignisse nach den Wahlen haben ihn direkt ins Rampenlicht befördert.

Obwohl 60 Tage vergangen sind, seit sein Sohn unerwartet auf tragische Weise ermordet wurde, trauert er noch immer und trägt die traditionelle schwarze Tracht [1] in Trauer um den Verlust seines Sohnes, dessen bekannter Fall Licht auf die jetzt als "Gräuel von Kahrizak" bezeichnete Ermordung vieler anderer geworfen hat, die während der Unruhen nach den Wahlen verhaftet wurden. Dr. Rouholamini sammelt aktiv Beweise [2], juristische Dokumente und Zeugenaussagen, um dem Gericht einen soliden Fall präsentieren und Gerechtigkeit für seinen Sohn und die anderen Opfer fordern zu können. Nach mehrmaligem Nachfragen wurde das folgende Interview mit Dr. Rouholamini in seinem Büro im Wissenschaftlichen Pharmazeutischen Institut der Medizinischen Universität in Teheran geführt:

Wir wissen, dass dies sehr schwer für Sie sein muss, aber wir würden sehr gern mit einigen Worten über Mohsen (Dr. Rouholaminis verstorbenen Sohn) beginnen.

Der Märtyrer Mohsen Rouholamini war erst 25, als er ermordet wurde. Obwohl er Computerwissenschaften an der Technischen Hochschule der Universität Teheran studierte, gab er sich nicht damit zufrieden, um des Studierens Willen zu studieren. Also brach er ab, um als Programmierer zu arbeiten. Seinen Kommilitonen zufolge war er "ruhig und konstruktiv", ein Freigeist, neugierig und immer auf der Suche nach der Wahrheit.

Wie viele der heutigen Jugendlichen war er schwer zufrieden zu stellen, denn anders als unsere Generation gab er sich niemals mit klischeehaften Antworten zufrieden. Mein Sohn hatte immer Probleme mit Heuchelei und Unehrlichkeit, und als der reine und gute Mensch, der er war, setzten ihm die Entwicklungen emotional mehr und mehr zu. Er machte sich Sorgen um unser Volk und unser Land. Mein Sohn machte sich wie so viele andere junge Iraner Gedanken um die Zukunft des Landes und des iranischen Volkes, und er suchte beständig nach Lösungen, ohne dabei jemals irgendjemandem zu schaden.

Dr. Rouhalamini, Sie sind bekannt und innerhalb des Regimes eine akzeptierte Figur; was sind Ihre Gedanken bezüglich der Gräuel, die nach der Wahl stattgefunden haben?

Zunächst muss ich sagen, dass das Leben meines Sohnes keine größere Bedeutung hat als das der anderen Opfer. Wenn überhaupt, kann man sagen, dass in Anbetracht des Status unserer Familie die Familien der anderen Opfer, die nicht in gleichem Maße wie wir Zugang zu den Regierungsbehörden und Medien haben, wesentlich schlechter dran sind. Man denke an Herrn Javadifar, der seinen ermordeten Sohn auf schmerzvolle Weise in Armut begraben musste, ohne irgendwelche Fanfaren oder Medienberichte. Was ich tue, tue ich nicht nur für meinen Sohn, sondern für all jene, die dasselbe Schicksal erlitten haben, für all die trauernden Familien, die nicht über dieselben Mittel und Wege verfügen wie ich.
Wir können diese Sache nicht einfach wegwischen, auch wenn es der einfachste Weg zu sein scheint, um mit der Tragödie fertig zu werden. Ich muss hinzufügen, dass Probleme entstehen und die Luft vergiftet wird, sobald die Sache politisch kompliziert wird. Es wird schwieriger, ehrliche Meinungen zu bekommen und Dinge anhand ihrer wahren Bedeutung zu beurteilen.
Auch wenn wir diese Sache, wie der Oberste Führer erwähnte, mit den gegenwärtig verfügbaren Mechanismen und Möglichkeiten weiter verfolgen können, so können die Unruhen nach der Wahl nicht als Entschuldigung für Angriffe auf Leben und Besitz der Menschen herangezogen werden. Wir müssen die Tatsache akzeptieren, dass viele der Proteste von den Menschen ausgingen; leider führten viele engstirnige Entscheidungen, Übertreibungen und Sachlichkeit (? dispassion) dazu, dass die Situation auf die denkbar schlechteste Weise gehandhabt wurde, was beim iranischen Volk einen sehr bitteren Nachgeschmack hinterlassen hat.

Sind Sie als einer der Beschwerdeführer gegen die Kahrizak-Gräuel bereit, auf Gerechtigkeit zu verzichten?

Es ist eindeutig unmöglich, dass ich die Ermordung meines unschuldigen Sohnes nicht verfolge, noch werde ich zulassen, dass sein Tod umsonst war. Ich werde diesen Fall so lange verfolgen, bis alle Schuldigen verhaftet sind und dem Recht vollständig Genüge getan ist. Denn ich meine, dass es nun, wo mein "Mohsen" nicht mehr bei uns ist, zwingend notwendig ist, all die "Mohsens" (bezogen auf den freien Geist und die Wahrheitsliebe seines Sohnes) in der Gesellschaft zum Vorschein zu bringen. Auch wenn ich die Gerechtigkeit auf anderen Wegen verfolge als viele der anderen Beschwerdeführer, so tue ich es unter dem Banner der Gerechtigkeit und nutze unser Rechtssystem, an das wir glauben sollten und an das wir uns auf der Suche nach Gerechtigkeit halten müssen. Wenn Gott will, werden meine Bemühungen Früchte tragen. Ich werde um die Rechte meines toten Sohnes und die der anderen "Mohsens" kämpfen, ohne Kompromisse, aber auch ohne einen emotionalen Ansatz, der, was Gott verhüten möge, zu einem Missbrauch oder einer Fehlinterpretation meiner Bemühungen führen könnte. Meine Familie und ich verfolgen die Schlüsselfragen: Warum ist eine solche Tragödie in unserem Land möglich? Was muss getan werden, um zu verhindern, dass sich so etwas wiederholt?

Akzeptieren Sie die Prämisse, dass die Unruhen nach der Wahl und die Reaktion darauf, wie beispielsweise die Gräuel von Kahrizak, dazu geführt haben, dass bestimmte loyale Segmente der Gesellschaft ihr Vertrauen in das Regime verloren haben?

Es ist nicht richtig, dass wir das Vertrauen in das Regime und in den Obersten Führer verloren haben. Wir glauben noch immer an das System, anders als die, die bei der kleinsten Kränkung die Legitimität des Systems als Gegner ihrer Selbstkontrolle in Frage stellen. Ich glaube an das System, dass auf dem Verlust hunderter Märtyrer aufgebaut wurde. Tatsache ist, dass das Vertrauen der Menschen in die Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Eignung vieler Beamter des Justizsystems, aber auch in die Polizei und in den Sicherheitsapparat des Landes gelitten hat. Diese Beamten müssen beseitigt werden, damit die Menschen nicht ihr Vertrauen in das System als Ganzes verlieren. Die Regierung muss so handeln, dass im Ergebnis unsere Situation verbessert wird und nicht - Gott bewahre - anders herum. Wir sollten nicht zulassen, dass uns ein paar der unbedachten Aktionen, Meinungsverschiedenheiten und kriminellen Vorgehensweisen, die es gegeben hat, vom richtigen Weg (der Unterstützung des Regimes) abbringen.

Manche versuchen, die Gräuel von Kahrizak mit einem Schwächerwerden des gesamten Regimes in Verbindung zu bringen und sagen, dass diejenigen, die die Verhaftungen, Transfers, Arrests und Schläge der Gefangenen angeordnet haben, das Regime als Ganzes repräsentieren. Haben diese Ansichten in unseren (sic, wahrsch. gemeint: "Ihren", d. Übers.) Augen irgendein Gewicht?

Es gibt keine Zweifel, dass diese Gräueltaten, falschen Vorgehensweisen und Handlungen angesprochen werden müssen, doch ebenso unzweifelhaft ist es, dass die Inkompetenz, Unmoral und Unfähigkeit dieser Leute nicht dazu benutzt werden kann, um das Regime als Ganzes in Frage zu stellen. Wir glauben, dass unser Sohn aus einem bestimmten Grund ermordet wurde, und dass sein unschuldiges Blut dazu führen wird, dass viele dieser sozialpolitischen Probleme und Mismanagements dadurch reformiert und herausgefiltert werden können, entweder systematisch oder individuell. Diese Barrieren für unser Wachstum, unseren umfassenden Erfolg und Fortschritt werden beseitigt werden und der Weg zum Fortschritt wird frei. Wir in diesem Land sind Mitglieder einer großen Familie, und jeder von uns ist um das Wohlergehen des Landes besorgt. Unser Mohsen war einer dieser Menschen. Wir können nicht den Obersten Führer und das System verantwortlich machen; die Inkompetenz und das schändliche Verhalten bestimmter Beamter müssen getrennt davon gesehen werden. Wir haben ganz sicher eine viel höhere Kapazität für das Regieren in uns, und wenn wir ein multivariables Problem nicht lösen können, müssen wir unsere Fähigkeiten überdenken. Wir müssen die Menschen überdenken, die wir mit der Führung unserer Regierung beauftragt haben, und nicht das Problem in eine univariable Formel verwandeln und versuchen, die Folgen unserer Inkompetenz auszuradieren.

Glücklicherweise zeigt die Art und Weise, wie mit den Gräueln von Kahrizak umgegangen wird, dass das System nicht willens ist, zu Lasten des richtigen Weges Kompromisse einzugehen. Obwohl viele Schuldige dieser Gräuel versuchen, die Schuld dafür den Gegnern des Regimes zuzuschieben und um ihre eigene Reputation zu schützen darauf beharren, dass ihre Rolle für die Sicherheit des Landes weiter bestehen muss, hat der Oberste Führer dankenswerter Weise klargestellt, dass die jetzigen Positionen und früheren Aktivitäten dieser Personen sie nicht davor schützen werden, dass ihre aktuellen Verbrechen ein Nachspiel haben. Wir erwarten, dass die Justiz die Schuldigen der Gräuel von Kahrizak und anderer Verbrechen bis ins Letzte verfolgt, ohne Rücksicht auf Verbindungen, Posten, revolutionäre Geschichte oder die Macht ihrer Unterstützer.

Wer glauben Sie sind die wahren Opfer der Unruhen nach der Wahl?

Ich denke, das bis jetzt größte Opfer ist die Islamische Republik Iran, und wir alle müssen dafür arbeiten, dass der Schaden, der dem System durch diesen Tumult zugefügt wurde, behoben wird. Die Vorgehensweisen niederer Beamter sind leider mit dem Regime in Verbindung gebracht worden, und hochrangige Beamte klammern sich an ihre Positionen, so als ob ihre Entlassung oder Beseitigung aus dem Amt nachteilig für das Regime wäre. Ein weiteres Problem ist, dass wir von Worten wie "Es tut mir Leid" und von Konzepten des Übernehmens von Verantwortung weit entfernt sind. Wenn im Osten, einem Land wie Japan, in der eigenen Abteilung oder im eigenen Verantwortungsbereich eine Tragödie geschieht, ist das erste, was man tut, entweder zurückzutreten oder sich zumindest für den begangenen Fehler zu entschuldigen.

Im Westen kann ein Zug entgleisen, und der zweit- oder dritthöchste Regierungsbeamte übernimmt die Verantwortung und tritt zurück. In unserem Land denken die Beamten, dass ihre Person (und keine andere, d. Übers.) in dem von ihnen bekleideten Amt für den Erfolg ihres Landes gebraucht wird, obwohl es eigentlich nicht so ist.

Was ist der erste Schritt für die Islamische Republik, um sich von ihrem gegenwärtigen Status als größtes Opfer zu befreien?

Gegenwärtig sind wir Zeugen davon, wie die Schuldigen versuchen, weitere Spannungen zu schaffen, ihre Handlungen zu vertuschen und sogar Beweise zu vernichten, in der Hoffnung, einer gerichtlichen Verfolgung zu entgehen. Der einzige Weg, auf dem das islamische Regime aus diesem Stadium herauskommen kann, besteht darin, sich mit diesen Schuldigen zu befassen. Wir müssen zurück zu den Fundamenten des Regimes und noch einmal erklären, was die Islamische Republik bedeutet und was das Regime nicht ist. Jeder von uns, besonders die hochrangigen Beamten, müssen unsere Handlungen und unser Verhalten genau beobachten und daran arbeiten, dass sich das Vertrauen der Menschen in das Regime verbessert und kein weiteres Misstrauen aufkommt. Die Wahrheit ist, dass der Islam, der Oberste Führer, der Koran und Demokratie die Säulen unserer Regierung sind. Allerdings sind manche kilometerweit vom Konzept der Regierung durch Hohe Rechtsgelerte [3] entfernt, andere sind in der Zeit erstarrt, manche fühlen sich stark zu den Gebeten des Monats Shaban [4] hingezogen bis hin zu dem Punkt, an dem sie die Edikte des Obersten Führers missachten.
Ich würde sagen, dass der Staat und das Volk nicht voneinander getrennt werden können; der Oberste Führer, der Islam und der Republikanismus sind separate Konzepte, aber greifen dennoch ineinander. Bei den Unruhen nach der Wahl hat der Staat viel verloren und ist zum größten Opfer geworden.

Einige glauben, dass zwischen der Unterstützung des Regimes und dem Erlangen eigener Rechte ein Interessenkonflikt besteht. Was ist Ihre Meinung dazu?

Manche denken, den Staat zu verteidigen bedeute eigene Rechte aufzugeben. Das ist nicht der Fall. In Wirklichkeit ist es die Verantwortung des Staates, Gerechtigkeit für unsere Angehörigen anzustreben, und der Staat hat uns gegenüber das Vorrecht auf die Suche nach Gerechtigkeit. Wie der Koran sagt, ist in der Suche nach Gerechtigkeit (Auge um Auge) Leben verborgen, was bedeutet, dass die Suche nach Gerechtigkeit der Gesellschaft Leben einhaucht. Ich hoffe, dass eine Haltung aus Kompetenz, Verantwortlichkeit und Transparenz von den diversen Organen unserer Regierung Besitz ergreift, damit die Feinde ihre Hoffnung aufgeben und realisieren, dass sie ihre Zeit verschwenden. Bei meinem kürzlichen Besuch bei Großayatollah Javadi Amoli kam er auf seine Versuche zu sprechen, mein Herz zu zügeln (? to quell my heart) : "Wenn ich sage, es geht mich nichts an und es geht Sie nichts an, dann wird irgendjemand kommen und sagen, es gehe keinen von uns beiden etwas an!" Damit will er sagen, dass die Suche nach und die Umsetzung von Gerechtigkeit Angelegenheit des Staates ist, und unsere Angelegenheit ist es, die Ergebnisse dieser Aktivitäten zu bewerten und über die Ungerechtigkeiten, die wir sehen, zu berichten. Wir werden unserer Verantwortung weiterhin voll und ganz so nachkommen, dass wir die Ergebnisse sehen, anders als die, die über Verantwortung sprechen, aber keine Ergebnisse erzielen.

Sie und einige andere Universitätswissenschaftler haben den Obersten Führer besucht. Was waren seine Gedanken zu Ihren Ansichten?

Ich habe ihm gesagt, dass Einstellungen sich ändern müssen, wenn wir eine noch viel schwerere Krise in der Zukunft vermeiden wollen, denn wiederkehrende Handlungsmuster werden die Reputation der Islamischen Republik beschädigen. Er stimmte zu und sagte, dass in den vergangenen Jahren Bedauerliches geschehen sei und es Menschen gebe, die sich vom Gesetz entfernt hätten. Viele haben gefordert, diese Menschen im Licht ihrer vorangegangenen Verdienste zu betrachten, er jedoch glaubt, dass jede Handlung einzeln auf der Grundlage ihres Wertes gewichtet werden muss. Wenn jemand sich eines Vergehens schuldig gemacht hat, muss dieses Vergehen auf der Grundlage seiner Auswirkung und seines Gewichtes bestraft werden. Ich persönlich glaube an die Gerechtigkeit und die Macht des Gesetzes, und wenn Beamte innerhalb des Staatskörpers irregegangen sind, muss das Gesetz angewendet werden, um sie zu bestrafen.

Hatten Sie Gelegenheit, mit Familien anderer Opfer der Gräuel von Kahrizak zusammenzutreffen, und wenn ja, wie sehen sie zu dieser Frage?

Ja, ich habe alle von ihnen getroffen. Wir alle vertrauen der Islamischen Republik und verfolgen den Fall.

Angesichts des nahenden Beginns der ersten Verhandlungsrunde in den Prozessen gegen die Schuldigen der Gräuel von Kahrizak - was glauben Sie wird geschehen und bei den Prozessen herauskommen?

So Gott will, hoffe ich, dass die Prozesse zu einem zufriedenstellenden Schluss kommen. Zur Zeit gibt es ziemlich viele Bemühungen seitens des Justizsystems. Ich hoffe, dass die Prozesse nicht in eine Verurteilung niederer Henker und regionaler Beamter münden, sondern dass sie auch die Hauptschuldigen und die hochrangigen Beamten identifizieren, die im Hintergrund agierten. Der Gerechtigkeit wird erst dann Genüge getan, wenn diejenigen, die die Anweisungen gegeben und die Gräueltaten ermöglicht haben - viele von ihnen gehören hohen Regierungsebenen an - vor Gericht gestellt und verurteilt werden. Meine Überzeugungen basieren nicht auf naiven oder übermäßig optimistischen Anschauungen, sondern darauf, dass wir einen Weg eingeschlagen haben, der zu Ergebnissen führt, einen Weg auf der Grundlage des Gesetzes, und dass wir auf politischen Lärm und die Medien verzichtet haben. Wenn andere doch nur denselben Weg gewählt hätten.

Glauben Sie, dass die Beschuldigten diese tragischen Morde und Schläge ohne Wissen oder Einverständnis ihrer Vorgesetzten begangen haben? Wenn nein, warum werden diese Vorgesetzten dann nicht auch vor Gericht gestellt?

Es ist buchstäblich unmöglich, dass diese Dinge ohne Einverständnis der Vorgesetzten im Sicherheitsapparat und im Justizministerium geschehen sind. In dieser Situation sollte man die Beteiligten auf den höheren Befehlsebenen nach juristischen und islamischen Maßgaben verfolgen, anderenfalls werden wir uns der Verfolgung der Schwachen schuldig machen, und die Prozesse werden keine wirkliche Reform herbeiführen. Dies wiederum wird dazu führen, dass die Menschen ihre Hoffnung indas Justizsystem verlieren, wohingegen ihr Vertrauen zurückkehrt, wenn die Verbrecher belangt werden.

Was mir Sorgen macht ist, dass diese Menschen von einem Posten auf den nächsten, vielleicht sogar auf einen höheren versetzt werden und das dann so dargestellt wird, als habe man sie bestraft. Bei den Ereignissen des 7. Tir starb nur ein Mensch, aber der Chef der Teheraner Polizei wurde vor Gericht gestellt und entlassen. Hier nun haben wir viele Opfer, die zu Tode geprügelt wurden, und noch viel mehr, die schrecklich geschlagen wurden. Das Mindeste, was die Familien der Opfer erwarten können, ist, dass die beteiligten Militär- und Justizmitarbeiter entlassen und vor Gericht gestellt werden.

Haben Sie sich außer mit dem Obersten Führer auch mit anderen hochrangigen Beamten getroffen, um über die Gräuel von Kahrizak zu sprechen?

Ja. Ich habe mich mit dem Justizchef und mit dem Parlamentssprecher getroffen. Darüberhinaus habe ich Ayatollah Javadi Amouli getroffen, der sagte, dass das Regime in diesem Fall Gerechtigkeit als ein Islamisches Prinzip verfolgen müsse.

Wir haben gehört, dass im Zusammenhang mit den Gräueln von Kahrizak 7 Personen verhaftet worden sind. Stimmt das?

Ja. Eigentlich sind es mehr. Noch einmal - wir können nicht nur diejenigen im Sinn haben, die die Befehle ausführten oder die Offiziere der mittleren Dienstgrade, die die Arbeit ermöglichten. Die hochrangigen Beamten, die von diesen Dingen wussten, müssen ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden, auch mit ihnen muss man sich beschäftigen.

[1] In der persischen Tradition ist es üblich, dass die Familie eines Verstorbenen 40 Tage lang schwarz trägt, wobei der 40. Tag ein symbolisch für das Vorwärtsgehen steht. Normalerweise kommen Freunde und der Familie Nahestehende am 40. Tag zur sogenannten "chehleh"-Zeremonie oder Zeremonie des 40. Tages. Während dieses Besuchs bitten sie die Familie, nach vorn zu schauen und nach diesem Tag kein Schwarz mehr zu tragen. Der Autor sagt, dass dieser Vater noch nicht bereit ist, nach vorn zu schauen und auch 60 Tage nach dem Tod seines Sohnes noch trauert und Schwarz trägt.

[2] Das iranische Justizsystem ist relativ primitiv im Vergleich zu den Rechtssystemen, die wir im Westen kennen. Der Staatsanwalt und der Richter sind oft eine und dieselbe Person, und ein Kläger muss selbst Beweise erbringen, wobei die Polizei und die Justiz eine unterstützende Rolle spielen, wohingegen sie beim Aufbau eines Falles die führende Rolle haben.

[3] Dies ist eine Referenz an den Obersten Führer; in der Islamischen Republik ist der Oberste Führer (oft auch der "Rahbar" genannt) ein allumfassender Regent des Systems, der die Regierungszweige Exekutive, Legislative, Militär und Judikative in ihrer Arbeit beaufsichtigt. Die Interpretationen der dem Rahbar zugemessenen Rolle werden viel diskutiert.

[4] Dies bezieht sich auf die Hojatiyeh-Sekte, der Ahmadinejad und seine Anhänger angehören. Diese Sekte glaubt, dass wir in der Zeit des Erscheinens des 12. Imams leben, einer mystischen Figur des schiitischen Islam, von dem es heißt, er sei verschwunden und werde am Ende der Zeit wiederkehren.

Fundamentalistischer Geistlicher ruft die Öffentlichkeit zum Vorgehen gegen Demonstranten auf

Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/09/fundamentalist-cleric-cal.html
Übersetzung: Julia


Veröffentlicht am 25. September 2009 auf Radio Zamaneh

Der fundamentalistische Geistliche und Vorsitzende des Wächterrats Ayatollah Janati sagte dem Auditorium seiner Freitagspredigt, wenn die Justiz und die Sicherheitskräfte nicht in der Lage seien, "Aufrührern und Agitatoren" entgegenzutreten, sei es die Pflicht eines jeden Moslems, sich ihnen entgegenzustellen.

Im Verlauf der Proteste, die nach den Vorwürfen des Wahlbetrugs ausgebrochen waren, haben viele Konservative und Medien die Demonstranten als "Aufrührer und Agitatoren" bezeichnet. Während der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste hatten Zivilpolizisten die Menge angegriffen und friedliche Demonstranten brutal geschlagen und verletzt. Bis heute hat kein Regierungsorgan die Verantwortung für diese Angriffe übernommen.

Janati erklärte den Gläubigen, "alle Moslems" seien "verpflichtet, sich denen entgegenzustellen, die jedwede Art von Misshandlung, Aggression oder Störung begehen." Damit ruft erstmals ein iranischer Offizieller die Öffentlichkeit dazu auf, bezüglich der Demonstranten gegen die Wahlen das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen.

Vor der Predigt Janatis hatte der Militärberater des Obersten Führers, Generalmajor Rahim Safavi, gesagt, in den letzten drei Monaten der Unruhen hätten "diverse Mitglieder der Elite des Kreises um den Führer diesen dadurch betrogen, dass sie sich den Gesetzesbrechern nicht mit Entschlossenheit entgegen stellten."

Janati spielte auf die Kluft innerhalb der Islamischen Regierung an, als er erklärte: "Einige unserer eigenen Leute haben Probleme geschaffen, indem sie Positionen einnahmen, die im Widerspruch zu unserer Sicherheit und unserem nationalen Wohlergehen stehen."

Mir Hossein Mousavi und Mehdi Karroubi, die beiden Konkurrenten um das Präsidentenamt bei der letzten Wahl, wurden von Befehlshabern des Militärs beschuldigt, "Unruhen und Rechtsbrüche zu provozieren". Ohne Namen zu nennen, verlieh Safavi seiner Hoffnung Ausdruck, dass "diese Menschen in den Schoß des Islam zurückfinden".

Der "sanfte Krieg" zum Sturz der Islamischen Republik ist von mehreren iranischen Beamten als Ziel der jüngsten Proteste zitiert worden und wurde auch von Safavi beim Freitagsgebet thematisiert. Während der Oberste Führer ausländische Medien, menschliche Macht (? human power), Schriftsteller, Intellektuelle, Denker und internationale Geschäftsleute als Werkzeuge des sanften Krieges genannt hatte, diskreditierte Generalmajor Safavi die Streitkräfte als weiteres Instrument dieses sogenannten sanften Krieges.

Die gewaltsamen Angriffe auf Demonstranten gegen die Wahl erfolgten durch verschiedene Zweige des iranischen Militärs, darunter Sicherheitskräfte, Revolutionsgarden und die Basij-Milizen.

In den vergangenen Monaten sind viele Demonstranten in den Haftanstalten der Revolutionsgarden festgehalten worden. Tausende Demonstranten wurden in den letzten drei Monaten im Zusammenhang mit den Wahlprotesten verhaftet, die Mahmoud Ahmadinejads Wahlsieg anfechten.

Freitag, 25. September 2009

Briefaustausch Mousavi - Montazeri September 2009

Übersetzung: Julia
Bei Weiterveröffentlichung bitte den Link zu diesem Post angeben

(Anmerkung: die Übersetzung der Koranzitate ist sinngemäß. Übersetzungen der iranischen Verfassung sind entnommen aus http://www.eslam.de/manuskripte/verfassung_iri/kapitel03.htm)

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Danke an Pedestrian, der dies auf www.sidewalklyrics.com gepostet hat:
Mousavis Brief an Montazeri

Im Namen Gottes, des Mitfühlenden, des Barmherzigen
An den ehrenwerten Marja Großayatollah Montazeri

Grüße,

nach den Ereignissen der letzten Monate veröffentlichte ich das angehängte Statement. Wir haben immer die Notwendigkeit verspürt, mit den ehrenwerten Marjas und ergebenen Geistlichen zu arbeiten und zu kooperieren, was mich ermutigte, eine Kopie an Sie zu senden, um Sie um Ihren Rat zu bitten.

Das erste Ziel dieses Statements ist es, [die Botschaft auszusenden, dass] wenn Menschen Ärger und Unzufriedenheit verspüren, sie diese negativen Gefühle in ihren Herzen nicht gegen die Religion wenden mögen. Dies [die Menschen vor solchen Gefühlen zu bewahren] ist die Verantwortung aller, die vom Islam tief beeinflusst sind, insbesondere der geistlichen Elite. Sie dürfen nicht zulassen, dass die verschiedenen sozialen Gruppen - insbesondere die Jugend, die die Mehrheit der Bevölkerung stellt - von den oberflächlichen, falschen und selektiven Interpretationen der Religion in die Irre geführt wird und sich auf Grund eines impulsiven Gefühls vom Islam distanziert.

Die staatlichen Medien versuchen beharrlich, uns als die Quelle der jüngsten Unruhen darzustellen. Gleichzeitig hat das Verhalten der Behörden - nicht nur während der Wahl, sondern schon seit vielen Jahren - dazu geführt, dass sich (bildlich gesprochen) ein Berg von Stroh aufgetürmt hat, den die jüngsten groben Fehler entflammt haben. Der Wind der Arroganz fachte dieses Feuer von Tag zu Tag mehr an. Ich persönlich stelle mich auf die Seite der Menschen, deren Rechte in illegalen, unislamischen und ungerechtfertigten Aktionen mit Füßen getreten wurden.

Mit Bezug auf unstrittige Dokumente bin ich sicher, dass es in der letzten Wahl ohne Zweifel systematischen Betrug gegeben hat. Gleichzeitig wäre es nicht schwer gewesen, noch weitere 20 Jahre zu schweigen, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass die Welle des Zorns der Menschen eine unmittelbare Gefahr für das System darstellt.
Wenn man [ein Führer] schweigt und ausweicht, werden die Menschen von dieser Bewegung nicht ablassen, so wie sie es auch in der Vergangenheit nicht getan haben. Die Bewegung würde vielmehr nach einer kurzen Phase der Verwirrung von neuem beginnen. Die Bewegung wird von neuem beginnen, dieses Mal aber blind, ohne sich auf einen Anhänger des Establishments stützen zu können. Dann würden vielleicht andere, die ein Auge auf unser Land geworfen haben, eingreifen, um die Bewegung für ihre eigenen Ziele auszunutzen und ihre eigene Gier zu befriedigen.

Ein weiteres Ziel dieses Statements ist es, zusammen mit meinen anderen Statements und Aktivitäten, die Bewegung des Volkes im Rahmen des Establishments zu halten, damit sie sich nicht auf den gefährlichen Weg der Zerstörung der Struktur [des Establishments] verirrt. Wenn diese Gefahr Wirklichkeit wird, könnte aus dem Iran leicht ein weiteres Afghanistan oder ein weiterer Irak werden.

Wir haben die Pflicht, solche Gefahren abzuwenden und dürfen diese Pflicht nicht vergessen, nur damit einige Unwissende glücklich werden. Ebenso können wir die Menschen nicht dazu aufrufen, ruhig zu bleiben, wenn wir ihnen nicht beweisen können, dass wir für ihre wohlverdienten Rechte in ihrem Interesse einstehen und sprechen.
In seiner Abhandlung mit dem Titel Olfat schreibt der selige Mullah Mohsen Feyz Kashani, das letzliche Ziel der meisten Gesetze der Scharia sei das Erreichen von Freundschaft und sozialer Zugehörigkeit. Das Ergebnis dieser Freundschaft und Zugehörigkeit nennen moderne Wissenschaftler "soziale Netzwerke" - ein Mittel, um regierende Systeme zu bändigen und zu verhindern, dass sie Fehler wiederholen, aber auch eine Methode, um eine mit Leben erfüllte Gesellschaft und eine Plattform zur sanften Steuerung entfachter Emotionen und Talente zu schaffen, um sie vor dem Abstieg in die Zerstörung zu bewahren.

In diesem Statement wurde eine Stärkung dieser Netzwerke vorgeschlagen. In Anlehnung an Feyz' Worte könnte dieses Netzwerk als ein Modell des Islam wahrgenommen werden, obwohl jene, die äußerst unfair sind, es als Modell der CIA darstellen.

Schließlich werden in diesem Statement Vorschläge zur Lösung der aktuellen Krise gemacht, von denen ich hoffe, dass sie Beachtung finden.

Grüße,

Mir Hossein Mousavi
13. September 2009

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Antwort von Großayatollah Montazeri

Im Namen Gottes, des Barmherzigen und Mitfühlenden,
Lieber Herr Mir Hossein Mousavi,

möge Gott Ihren Erfolg befördern.
Zunächst nehmen Sie bitte meine Grüße an. Ich habe Ihren vom 12.09.2009 [sic] datierten Brief erhalten und die Anhänge geprüft. Sie sind ein Mann von großem Charakter, und Ihre Hingabe an ethische und religiöse Werte und die Ziele der Revolution sind für alle offenkundig. Die großen Verdienste Ihrer Regierung während des uns auferlegten Krieges und Ihre immerwährende Unterstützung für den verstorbenen Imam Khomeini (möge die Liebe und die Gnade Gottes auf ihm ruhen) sind allen bekannt.

Während der letzten Präsidentschaftswahl und den darauf folgenden Konfrontationen und Gewalttaten wurden Sie zum Fokus für viele gesellschaftliche Gruppen und begabte Menschen. Dies war eigentlich eine Prüfung, die Ihnen vom Großen Gott und von unserem umsichtigen Volk auferlegt wurde. Diese Prüfung haben Sie wahrhaft bestanden. Bis jetzt haben Sie die entweihten Rechte dieser Menschen, [deren hohe Wahlbeteiligung] für unser Land ein Grund zu großem Stolz war, nach Ihrem besten Vermögen verteidigt. Dafür gebühren Ihnen Anerkennung und Dankbarkeit.

Die von Ihnen in den Anlagen zu Ihrem Brief vorgeschlagenen Initiativen werden wirksam sein, um soziale Netzwerke und Organisationen zu aktivieren und zu stärken. Diese Ideen sind tugendhaft und rational im Zusammenhang mit den derzeitigen Bedingungen des Landes, und sie stehen in Übereinstimmung mit den Anweisungen des Heiligen Koran, die uns sagen:
[1] “Oh ihr, die ihr glaubt! Harrt aus in Geduld und Beständigkeit, wetteifert in dieser Ausdauer, stärkt einander; und fürchtet Gott, auf dass ihr Erfolg habt."

Wenn die Behörden ihre Ignoranz beiseite lassen und [Ihre Empfehlungen] unvoreingenommen bedenken, sie umsetzen und dieser Atmosphäre der Überwachungen und Verhaftungen ein Ende setzen, können [Ihre Ideen] ein segensreicher und effektiver Weg aus der gegenwärtigen Krise sein - einer Krise, die die Islamische Republik wegen ihrer Selbstsüchtigkeit, ihres Stolzes, des Mismanagements und des Ehrgeizes beherrscht. [Ihre Empfehlungen] könnten ein Sprungbrett für einen positiven Weg der Reformen innerhalb des Establishments und einen Schutz des Systems vor Trennung, Disintegration und Spaltung sein.

Natürlich ist Ihnen bewusst, dass Sie mit Ihrer Entscheidung für die obengenannten Lösungen für die Verteidigung der Rechte der Menschen und die Sicherung des Überlebens der Islamischen Republik ein mühsames Reformvorhaben erwartet, dem sich mit zahllosen Drohungen und Druckmitteln jene widersetzen werden, die die aktuelle Krise verursacht haben.
Bitte seien Sie sicher, dass Gott versprochen hat, mit Einheit, Geduld und Ausdauer den Weg zu offenbaren, auf dem das Volk zum Sieg geführt wird [2].
Außerdem - [gemäß dem Heiligen Koran in Unterstützung der Menschen, die dies bekämpfen (?) - wird [Gott seine Engel senden] um Botschaften der Sicherheit zu verkünden und das Herz von Schmerz und Furcht zu befreien. [3]
("In addition, [according to the holy Quran in support of humans who struggle down this [God would send his] angels who annunciate messages of security, and strip the heart off all grief and fear").

Leider sind nach der Wahl viele Politiker, politische Aktivisten und Journalisten verhaftet worden. Gegen den Islam und gegen das Gesetz wurden sie zu falschen und trügerischen Geständnissen gezwungen, von denen einige über die staatlichen Medien ausgestrahlt wurden. Es ist sicher und erwiesen, dass eine Belastung anderer durch diese Personen unter derartigen Bedingungen jedes Wertes und jeder Anerkennung entbehrt.

Zudem existieren in den Heiligen Geschichten [4] des Propheten und der Imame weitere Bestätigungen dafür, dass Selbstbezichtigungen, wenn sie unter jeglicher Art von Druck oder Folter (einschließlich, doch nicht begrenzt auf Drohungen, Einschüchterungen, Zufügen physischen Schmerzes, Arrest usw.] erbracht wurden, wertlos sind.

Die Anklage einer Jurisprudenz, die diese Lehren abstreitet, ist eine falsche, und Meinungen, die diese Lehren negieren, weichen klar [von den wahren Fundamenten des Islam] ab. Der Koranvers und koranische Imperativ [die Selbstbezichtigung einer verständigen Person ist erlaubt] [5] bestätigt, dass ein Geständnis nur gültig ist, wenn es ohne Druck oder Gewalt erbracht wurde.

Zusätzlich heißt es in Artikel 38 der Verfassung: "Jede Art von Folter, um Geständnisse oder Informationen zu erhalten, ist verboten. Das Zwingen einer Person zur Aussage, zum Geständnis oder zum Schwur ist nicht zulässig. Aussagen, Geständnisse und Schwüre solcher Art sind nichtig. Der Verstoß gegen diesen Artikel wird nach gesetzlichen Vorschriften bestraft"

Auf der Grundlage der allgemeinen Anwendung dieses Artikels und seiner Implikationen ist jede [Form] von Folter mit dem Zweck der Gewinnung von Informationen oder der Erzwingung von Geständnissen zu bestrafen; Geständnisse und Anerkenntnisse (? admittances), die auf diese Weise erlangt wurden, haben keinen gesetzlichen Wert und kein gesetzliches Gewicht.

Es ist offensichtlich, dass eine langfristige Einzelhaft - ein Akt, der den Angeschuldigten unter großen Druck setzt, ein Geständnis abzulegen - ein klares Beispiel für Folter ist. Das Geständnis des Angeschuldigten ist - selbst, wenn er sich selbst belastet - weder gültig noch anzuerkennen, wenn es das Resultat einer Anwendung von Druck und Folter ist, insbesondere in ihrer kürzlich geschehenen furchterregenden Form und der entsetzlichen Folgen. In einer solchen Situation wären wiederholte Geständnisse (selbst, wenn sie viele Male an Runden Tischen und in Interviews wiederholt werden) ebenso wertlos wie das erste Geständnis.

In Artikel 39 der Verfassung steht, dass "Jegliche Beleidigung oder Entwürdigung einer Person, die aufgrund des Gesetzes festgenommen und inhaftiert worden ist, eine Gefängnisstrafe verbüßt oder verbannt worden ist, [...] verboten und strafbar [ist]".

Was also ist [in diesem Land] geschehen, nun, wo prominente Personen, die jahrelange wertvolle Dienste geleistet haben, entweiht wurden, und die Rechtsbrecher nicht nur nicht bestraft worden sind, sondern sogar noch bestätigt und ermutigt wurden? Sind die "Geständnisse" zudem als glaubwürdig angesehen worden?

Was das Problem komplizierter gemacht und die "Geständnisse" noch mehr entwertet hat, ist der Umstand, dass das gegenwärtige Justizsystem des Landes - die Kläger [und die Staatsanwälte] gegen die politischer Vergehen beschuldigten Angehörigen der Opposition zur gegenwärtigen Regierung - selbst zu denen gehören, die während der Vernehmungen Geständnisse erzwungen haben und legislativen Institutionen angehören, die mit der Regierung verbunden sind. Nirgendwo auf der Welt würde ein gesunder Verstand einem solchen Geständnis und den darauf folgenden Prozessen auch nur das kleinste Bisschen gesetzlicher Kredibilität und Legitimität beimessen, denn in diesen Verhandlungen sind Kläger und Staatsanwälte eine und dieselbe Person, was klar gegen den Grundsatz verstößt, dass Geschworene gemäß Artikel 168 der Verfassung beteiligt sein müssen.

Leider wurde dieser Artikel, wie so viele andere, ignoriert und nicht befolgt. Der jüngste Kurs der Regierung sowie die Schauprozesse verstoßen nicht nur gegen das Gesetz und wirken einer Verbesserung des Landes entgegen, sondern widersprechen auch dem grundsätzlichen Nutzen eines Verbleibs der Behörden an der Macht. Anstatt hart gegen die Menschen vorzugehen und Gräueltaten wie die der letzten Zeit zu begehen, hätten die Behörden politisch weiser sein und den Warnungen prominenter Politiker und religiöser Führer Gehör schenken und ein unparteiisches, von allen Konfliktparteien akzeptiertes Komitee bilden sollen - dann wären wir niemals in diese gegenwärtige Legitimitätskrise geraten.

Eine Regierung, unter der viele Bevölkerungsgruppen unzufrieden und die Intellektuellen in Bedrängnis sind, wird nicht überleben. Das Schah-Regime hätte seine Führung bewahren können und würde noch immer bestehen, wenn es möglich wäre, mittels Angst, Unterdrückung und dem Füllen der Gefängnisse mit freiheitssuchenden, talentierten Persönlichkeiten und diversen politischen Aktivisten zu regieren.

Indem es derartige Gräuel begeht, bringt ein islamisch geführtes System, das stolz ist, schiitisch zu sein, Pessimismus gegenüber dem Islam hervor und bekundet die Unfähigkeit des Islam zu Gerechtigkeit in einer Gesellschaft, nicht nur global, sondern auch innerhalb unseres eigenen Landes, unter unseren Volksmassen und unserer Jugend.

Leider haben die Entscheidungsträger auf der höchsten Ebene vor diesen klaren Wahrheiten die Augen verschlossen und geben sich zufrieden mit den Elogen ihrer Dichter und den Lobhudeleien ihrer Schmeichler.

Ich flehe zum Großen Gott um Ihr Wohlergehen und Ihren Erfolg auf diesem tückischen Weg.
Möge sein Segen und seine Gnade auf Ihnen ruhen.

Heilige Stadt Qom, Hossein-Ali Montazeri, 22 September 2009

Mittwoch, 23. September 2009

Verhaftet mit unbekanntem Aufenthaltsort: Journalist Niaki

Quelle (Englisch): Mowj-e Sabz-e Azadi über Iran Human Rights Voice (IHRV) http://www.ihrv.org/inf/?p=2850
Übersetzung: Julia


Von IHRV | 22. September 2009

Ein Familienangehöriger von Seyed Mehdi Niaki, einem Journalisten und Weblog-Publizisten, der in der Zeit vor der Bekanntgabe der Wahlergebnisse Nachrichten für Kalameh zusammengestellt hatte, berichtet, dass Niaki am 14. September verhaftet und an einen unbekannten Ort verbracht wurde.

Die Webseite von Mowj Sabz Azadi zitiert einen Familienangehörigen von Niaki, der berichtet:
“Herr Niaki lebte allein in seiner Wohnung und wird seit dem 14. September vermisst. Es scheint, als seien Agenten in seine Wohnung gekommen und hätten ihn verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht".

Der Angehörige sagte weiter: “Die Mutter von Herrn Niaki wusste von der Verhaftung ihres Sohnes. Aufgrund von Drohungen ist sie jedoch eingeschüchtert und möchte die Verhaftung ihres Sohnes durch die Agenten nicht bestätigen. Im Wesentlichen wurde ihr gesagt, sie solle auf die Rückkehr ihres Sohnes warten und nichts dazu sagen. Die Verhaftung von Herrn Niaki ist jetzt sechs Tage her, und leider ist nicht klar, wo er festgehalten wird."

Im Bericht heißt es außerdem, dass Niaki und vier weitere Personen, die sich um die Webseite Kalameh kümmern, zwei Wochen nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse von der Teheraner Polizei vorgeladen worden waren, jedoch nicht verhaftet wurden.

In Niakis Akte steht, dass er mit vielen reformorientierten Zeitungen zusammengearbeitet hat und außerdem zu Zeiten der Präsidentschaft Khatamis Herausgeber des Metropolitan-Service bei der Presseagentur ILNA sowie Vorsitzender der Pressegesellschaft einer als "Sina Press" bekannten Jugendorganisation war. Sina Press wurde aufgelöst, als Ahmadinejad im Jahr 2005 an die Macht kam.


Quelle: Mowj Sabj Azadi

Dienstag, 22. September 2009

Akbar Ganji: Die Welt sollte den Iranischen Präsidenten meiden

Quelle (Englisch): http://iranquest.com/akbar-ganji-world-should-shun-iranian-leader/
Übersetzung: Julia


CNN
— In dieser Woche werden sich die Staatsoberhäupter der Welt in New York zur jährlich stattfindenden UN-Generalversammlung treffen. Obgleich der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad dabei sein wird, weisen die Iraner seinen Führungsanspruch zurück. Sie sprechen sich vehement gegen jedes Treffen und jede Anerkennung Ahmadinejads insbesondere durch Präsident Obama aus.

Die Demokratiebewegung im Iran ist sich heute einig darüber, dass er seine derzeitige Position "genießt", denn er wurde wieder zum Präsidenten ernannt, nachdem er bei der Präsidentschaftswahl am 12. Juni mehrere Millionen Stimmen gestohlen hatte.

Volksdemonstrationen gegen diese Zustände wurden vom iranischen Regime mit Kugeln beantwortet. Tausende wurden verhaftet, Dutzende getötet. Oppositionsanhänger wurden im Gefängnis gefoltert, und es sind glaubwürdige Berichte über Vergewaltigungen aufgetaucht.

In den letzten Jahren haben die westlichen Medien nicht viel über die systematischen Menschenrechtsverletzungen im Iran sondern lieber über Irans nukleare Ambitionen und Ahmadinejads Rhetorik gegen Israel und den Nazi-Holocaust berichtet. Die Iraner sind zutiefst enttäuscht über das generelle Desinteresse der Medien und der Staatsoberhäupter der Welt an ihren politischen Protesten.

Hört man den demokratischen Stimmen der Iraner und der Führungsfiguren der Grünen Bewegung zu, so bemerkt man die einhellige Meinung, dass Ahmadinejads Politik die nationalen Interessen Irans ernsthaft unterminiert und er unbeabsichtigterweise die Interessen Israels bedient hat.

Obwohl das Regime mit Hilfe strenger Unterdrückung die Kontrolle wiedererlangen konnte, haben die jüngsten Ereignisse zu einer wichtigen sozialen Transformation im Iran geführt. Heute beziehen viele prominente Namen öffentlich Position gegen den Obersten Führer Ali Khamenei. Viele offene Briefe waren im Umlauf, in denen er erstmals direkt kritisiert wird. Auch die US-Politik unter Obama hat eine konstruktive Rolle gespielt. Das Fehlen militärischer Drohungen und neuer wirtschaftlicher Sanktionen hat den demokratischen Aktivisten mehr Raum für Manöver gelassen, mit denen sie das Regime vor neue Herausforderungen stellte.

Khameneis einzige Option, um mit dieser internen Krise fertigzuwerden, besteht darin, die Aufmerksamkeit auf die Beziehungen Irans mit der Außenwelt, insbesondere mit den Vereinigten Staaten, zu lenken. Mit immer mehr verbalen Attacken gegen den Westen und verschärften regionalen Konflikten hofft er, die Aufmerksamkeit sowohl der Iraner als auch der Welt von den systematischen Menschenrechtsverletzungen im Iran abzulenken.

Irans nukleare Ambitionen sollten nicht als größter Schwachpunkt des Regimes angesehen werden. In begrenztem Ausmaß können Khamenei und seine Jünger die nationale Stimmung der Iraner zu diesem Thema manipulieren.

Die Achillesferse des Regimes sind heute die verbreiteten und systematischen, am eigenen Volk begangenen Menschenrechtsverletzungen. Vermehrte Aufdeckung und genaue Untersuchungen dieses Schlüsselthemas werden eine größere öffentliche Unzufriedenheit mit der iranischen Führung zur Folge haben. Khamenei kann angesichts dieser massiven Menschenrechtsverletzungen die Loyalität zum Regime oder die Billigung desselben nicht aufrecht erhalten. Es sind eben diese organisierten Unterdrückungsmaßnahmen, die der Internationale Strafgerichtshof in anderen Zusammenhängen als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" bezeichnet hat.

Obwohl der Iran, genau wie die Vereinigten Staaten und Israel, kein Mitglied im ICC (Internationalen Strafgerichtshof) ist, kann durch den UN-Sicherheitsrat Anklage gegen das iranische Regime erhoben werden - ähnlich dem Prozess, der den Haftbefehl gegen den sudanesischen Führer Omar Al Bashir herbeiführte.
Wir in der iranischen Menschenrechtsbewegung können mit Zertifizierung durch internationale Anwälte dokumentieren, dass die Führung des iranischen Regimes sich gemäß Artikel 7 des Römischen Statuts zur Gründung des ICC des Verbrechens gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht hat.

Heute brauchen die Menschen im Iran moralische und spirituelle Unterstützung von Menschen in der ganzen Welt. Unter den gegenwärtigen Umständen bestünde die wichtigste Form der Unterstützung in einer Beförderung der Anklage gegen die Führungspersonen Irans wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und darin, dazu beizutragen, dass diese Initiative sich verbreitet und zur zentralen Linie im Umgang der internationalen Gemeinschaft mit dem Iran wird.

Wir versuchen, diesen Punkt auf der internationalen Agenda ganz oben anzusetzen, damit die Führung des Iran es sich zweimal überlegt, ob sie ins Ausland reist, aber auch, damit es für die Staatsoberhäupter demokratischer Länder inakzeptabel wird, Mahmoud Ahmadinejad ihre Hand zu reichen.

Von Akbar Ganji — Exklusiv für CNN

Die Übersetzung dieses Artikels (ins Englische, d. Übers.) erfolgte durch Nader Hashemi , Juniorprofessor für Politik des Mittleren Ostens und Islamische Politik an der Josef Korbel School of International Studies an der Universität Denver.

Anmerkung der Redaktion: Akbar Ganji ist ein führender iranischer Dissident und demokratischer Aktivist. Er verbüßte eine sechsjährige Haftstrafe im Evin-Gefängnis in Teheran, weil er über Menschenrechtsverstöße im Iran berichtet hatte. Die Menschenrechtsorganisation mit Sitz in London hat Ganji in Artikel 19 als "iranischen Vaclav Havel" bezeichnet. Er hat mehr als ein Dutzend Auszeichnungen in den Bereichen Menschenrechte, Pressefreiheit und Demokratie erhalten. Er ist der Autor von “The Road to Democracy in Iran” (MIT Press, 2008).

Original CNN-Artikel hier lesen